Elgg

Eine Ästhetin, die Süsses liebt

Foodblogs sind die Kochbücher der Internetgeneration. Seit fast drei Jahren mischt die Elggerin Irina Micucci mit ihrem Blog Dolcisseria in der Szene mit. Ein Treffen in ihrer weissen Hochglanzküche.

Zwei Mal pro Woche probiert Irina Micucci neue Rezepte aus. In ihrem Fotostudio zu Hause macht sie Bilder für ihren Blog. Fotos: Madeleine Schoder

Zwei Mal pro Woche probiert Irina Micucci neue Rezepte aus. In ihrem Fotostudio zu Hause macht sie Bilder für ihren Blog. Fotos: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schwarz, weiss, viel Glas und ein Hauch altrosa. Moderne Kunst an den Wänden und elegante Möbel im Wohnzimmer. Wer das Haus von Irina Micucci in einem Elgger Wohnquartier betritt, dem wird schnell klar, dass hier Menschen leben, die es gerne schön haben.

Schön ist auch Micuccis Blog Dolcisseria, auf dem die 29-Jährige regelmässig Backrezepte veröffentlicht. Seit fast drei Jahren ist sie mit dem Blog aktiv und hat bereits mit namhaften Partnern gearbeitet: Dr. Oetker, Tchibo, Ricola oder das Magazin «Wir Eltern».

Eine Skizze für jede Torte

Mit geblümter Bluse und altrosa Chinohosen steht sie an diesem Nachmittag in ihrer weissen Hochglanzküche. Das blonde Haar wellt sich über ihre Schultern. Das Rezept ist genau berechnet, von Hand aufgeschrieben in einem altrosa Notizbüchlein. Darin finden sich auch Handskizzen für die Geburtstagstorten ihrer Kinder. «Ich mache mir immer erst eine Zeichnung, wie ich mir die Torte vorstelle.» Micucci lacht oft und verbreitet bei aller Leidenschaft und Akribie eine entspannte Stimmung.

«In den sozialen Medien muss man immer aktiv bleiben, sonst ist man sofort wieder weg.»

Die Idee, gemeinsam zu backen, statt am Tisch ein Interview zu geben, hat ihr sofort gefallen. Der Backofen bleibt an diesem Nachmittag jedoch kalt, denn die Bloggerin hat für den Anlass ein so genanntes No-Bake-Rezept herausgesucht: Mascarpone-Tartelettes mit Trauben, deren Boden nicht gebacken werden muss (siehe Rezept). «Das habe ich schon mal gemacht und weiss, dass es funktioniert», sagt sie und lacht.

Alle Zutaten stehen auf der schwarzen Granitabdeckung der Küche bereit. Bei Micucci gibt es nicht etwa Plastikschüsseln und Tupperdosen. Ihre Zutaten sind im schmucken Glasbehältern mit Häkelumrandung gelagert und abgemessen werden sie in altrosa Gefässen. «Meine Lieblingsfarbe», sagt sie und schreddert die Kekse für den Boden der Tartelettes in ihrer Küchenmaschine.

Keine Kalorienzählerin

Beruflich hatte die zweifache Mutter nie etwas mit Gebäck zu tun. Sie war Dentalassistentin und arbeitete vor der Geburt ihres ersten Kindes bei einer Krankenkasse. Heute bezeichnet sie sich als «Vollzeitmami», was angesichts ihres Blogs aber nicht ganz stimmt.

Denn zwei Mal pro Woche backt sie, fotografiert das Resultat und postet das neue Rezept. Etwa zwei Tage pro Woche investiert sie in die Bewirtschaftung ihres Blogs. «In den sozialen Medien muss man immer aktiv bleiben, sonst ist man sofort wieder weg.»

Kalorien werden bei ihren Rezepten nicht gezählt. «Mir geht es um Backwaren sowohl für besondere Momente als auch einfache für den Alltag», sagt sie. Ausser wenn sie Rezepte für Kinder postet, achtet sie auf gesunde Zutaten. «Aber ich liebe klassisches Gebäck mit Schokolade oder Torten mit Buttercreme, verbunden mit Früchten aus der Region, die zur Saison passen.»

Alles begann mit der Taufe

Ihre Kinder sind der Grund, weshalb Irina Micucci heute zu den Schweizer Foodbloggerinnen gehört. 2013 wurde ihr Sohn getauft. Für diesen Anlass suchte sie eine Torte. «Aber keine hat mir so recht gefallen.» Zwar bestellte sie dann für die Taufe doch einfach eine Torte, fing aber gleichzeitig selbst mit dem Backen an.

Und dann hat es sie so richtig gepackt. «Kindheitserinnerungen kamen hoch, denn früher habe ich mit meiner Mutter am Sonntag oft Rezepte durchstöbert und dann mit ihr gebacken.» Auch mit ihren eigenen Kindern steht sie gerne in der Küche. Dann aber nicht für den Blog. «Das würde mich stressen und mit den Kindern möchte ich es locker nehmen.»

Unterdessen sind die Zutaten für die Tartelette-Böden gemischt und in die Förmchen gedrückt. Sie kommen in den Kühlschrank. Derweil landet die Mascarpone im Mixer und wird unter lautem Getöse schaumig geschlagen.

Bilder ihrer ersten Backkünste postete Micucci zunächst auf Facebook. Dort erhielt sie immer positive Rückmeldungen, sodass sie sich Anfang 2017 entschied, ihren eigenen Blog aufzubauen.

Nicht mal ein Jahr später wurde sie von Dr. Oetker angefragt, ob sie bei der Spendenaktion «Jeder Rappen zählt» mitwirken möchte. Einen Tag lang backte sie in Luzern Gugelhüpfli für den guten Zweck und lernte verschiedene andere Foodblogger des Landes kennen. Seither ist sie in der Szene aktiv und bekommt immer wieder Anfragen von Firmen, die einen Blogeintrag von ihr möchten.

Auch Anfragen, ob sie fertige Torten liefert, bekommt sie viele. «Das mache ich aber überhaupt nicht», sagt sie, während sie mit einem kleinen silbernen Spachtel die Mascarponecreme in die Förmchen streicht. Dekoriert mit paar frischen Trauben und ein paar Minzblättern und schon ist das Werk vollbracht.

Im heimischen Büro hat Micucci ein kleines Fotostudio eingerichtet. Hintergrundbilder in verschiedenen Farben malt sie selbst. «Und mit der Zeit habe ich gelernt, wie ich die Backwaren schön in Szene setzen kann.» Ihre Fotos wirken edel, eher dunkel, mit Farbtupfern und wenig Tiefenschärfe.

Bild: Irina Micucci.

Nachdem sie einige Bilder geschossen hat, kommen die Tartelettes in den Kühlschrank. «Sonst bekommt man sie nie am Stück aus den Förmchen.»

Der Traum vom Backbuch

Dass sie damit recht hat, zeigt sich kurze Zeit später. Gerne würden wir so ein Tartelette noch ausserhalb der Form begutachten, obwohl wir wissen, dass sie noch nicht richtig durchgekühlt sind. Ohne Erfolg: Es zerbricht in unseren Händen.

Micucci lacht und nimmt es locker. Es sei eine Bestätigung für ihre Schwäche: Ungeduld. «Manchmal kann ich einfach nicht warten, das hat mir schon ganze Torten vermasselt.» Aber die Bloggerin gibt nicht so schnell auf. Wenn etwas schief geht, backt sie es nochmal und lernt dazu. «Vieles muss man auch einfach mal ausprobieren und in meinem Blog gebe ich diese Erfahrung dann weiter.»

In eine Zahnarztpraxis oder Krankenkasse möchte Irina Micucci auch nicht zurückkehren, wenn ihre Kinder älter sind. «Mein Traum wäre es, den Blog zum Beruf zu machen.» Und natürlich würde zu diesem Traum auch ein selbst geschriebenes Backbuch gehören.

www.dolcisseria.ch

Erstellt: 25.10.2019, 15:46 Uhr

Backen mit Irina Micucci

Nobake Mascarpone Schoko Tarte

(Für eine runde Tarteform von etwa 25cm oder 8 Tartelettes)

Zutaten für den Boden:


  • 120g Butterkekse

  • 100g gemahlene Mandeln

  • 5 EL Kakaopulver

  • 150g Butter



Die Butterkekse in einem Foodprocessor ganz klein hacken. (Alternativ kannst du sie in ein Plastiksack legen und mit einem Wallholz daraufschlagen bis es nur noch
Kekskrümmel sind). Die gemahlenen Mandeln werden dann mit dem Kakaopulver
dazugegeben und vermischt. Nun schmilzt du die Butter langsam in einer Pfanne und
gibst sie dann zu der Keksmischung. Verknete alles gut und fülle die Masse in die
Tarteform. Versuche diese so gleichmässig wie möglich zu verteilen und ziehe auch die Ränder schön hoch. Die Tarteform kannst du jetzt in den Kühlschrank geben.


Zutaten für die Füllung:


  • Etwas Konfitüre

  • 500g Mascarpone

  • 3 EL Zucker

  • 2 TL Vanillepaste

  • 3 EL Kakaopulver

  • Einige Trauben

  • Einige Pfefferminzblätter



Als erstes wird die Mascarpone mit dem Zucker, der Vanillepaste und dem Kakaopulver
aufgeschlagen und zu einer cremigen Masse gerührt. In dieser Zeit kannst du die
Konfitüre nach Belieben auf den Boden der Tarte streichen. Danach gibst du die
Mascarpone Masse darauf und streichst sie schön aus. Nun stellst du die Tarte nochmals für mindestens 1 Stunde kühl. Jetzt kannst sie mit Trauben und Pfefferminz Blätter ausdekorieren. Du kannst sie aber auch mit anderen Beeren oder Früchten garnieren.


En guete!

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!