Bezirksgericht

Eine Entschuldigung wäre viel billiger gewesen, als das Geständnis vor Gericht

Der Fall sei klar, urteilte das Gericht. Eine schwere Drohung sei zu bestrafen, auch wenn eszuvor Provokationen seitens des Klägers gegeben habe.

Das Bezirksgericht befand, dass die Worte «dann brech ich dir alle Knochen» so oder so als schwere Drohung zu bewerten seien.

Das Bezirksgericht befand, dass die Worte «dann brech ich dir alle Knochen» so oder so als schwere Drohung zu bewerten seien.

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Das wird teuer. Seinen eigenen Anwalt muss er bezahlen, den Anwalt der Gegenpartei, die Vorverfahren und das Hauptverfahren. Dazu kommen weitere 250 Franken, die an den Kläger gehen, als Genugtuung. Letzteres dürfte Durim Kiqin (Name geändert) am meisten schmerzen. Aus seiner Sicht ist nämlich nicht er der Bösewicht, sondern der Kläger ist es, der mit seinem Verhalten dafür sorgte, dass eine Freundschaft zwischen Fussballkumpels mit einer fristlosen Kündigung und einem Strafverfahren endete.

Das Gericht erachtete diese Auslegung nicht als komplett falsch. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass Provokationen des Klägers – der sich von seinem Anwalt vertreten liess – mit dazu geführt hätten, die Situation auf einem Parkplatz in einer Nachbargemeinde von Winterthur eskalieren zu lassen. Zu entscheiden habe es aber nicht über die Geschehnisse im Vorfeld der Konfrontation, sondern darüber, ob Kiqin den Kläger bedroht habe, oder nicht.

Gemäss Anklageschrift geschah dies mit den Worten: «Wenn ich dich alleine sehe, breche ich dir alle Knochen!», wobei Kiqin in der Verhandlung beschwor, der Satz habe gelautet: «Wenn Du mich nicht in Ruhe lässt, dann brech ich dir alle Knochen!».

Schweigen beim Staatsanwalt

So oder so. Die Worte Kiqin seien eine schwere Drohung, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. «Ein klarer Fall», der entsprechend zu bestrafen sei. Das Gericht habe sich am unteren Ende der Strafenskala orientiert. Das Verschulden von Kiqin sei kein allzu grosses.

Weil er auch keine Vorstrafen aufwies, wurde der Angeklagte mit 30 Tagessätzen à 50 Franken bestraft, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Der Richter riet Kiqin, sich bald beim Kläger zu entschuldigen. Das Geschehene, und die arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen, lohnten sich nicht als Strafrechtsverfahren vor höhere Instanzen gebracht zu werden.

Dass die Drohung überhaupt vor Bezirksgericht verhandelt werden musste und nicht mit einem Strafbefehl erledigt werden konnte, hatte seinen Grund im weitgehenden Schweigen von Kiqin bei der Befragungen durch die Staatsanwältin. Da mochte er die Drohung nicht zugeben, obwohl sie von zwei Zeuginnen bestätigt wurde. Erst vor Gericht stand Kiqin zu seinen Worten und erklärte sein Verhalten.

Ein regelmässiger Gast

Er sei vom Kläger drangsaliert worden, sagte Kiqin. Schon jahrelang habe er für diesen gearbeitet und später auch seine Frau. Der Kläger sei regelmässig Gast gewesen in seinem Haus und habe Kaffee getrunken und dem Alkohol zugesprochen. Als die Besuche seiner Frau zu viel wurden, habe sich das Verhältnis schnell abgekühlt, erzählte Kiqin dem Gericht. Ohne Angabe von Gründen, habe der Kläger seiner Frau gekündigt. Als er dazu immer weiter Fragen gestellt und auf das Einhalten von Abmachungen gepocht habe, sei aus dem Kumpel ein missgelaunter Arbeitgeber geworden.

Die Sache eskalierte schliesslich, als Kiqin dem Kläger auf dem Parkplatz mitteilte, er habe drei Tage später einen Termin und ihm der Kläger das Fernbleiben untersagte. Kurzfristige Abmeldungen von der Arbeit seien zuvor nie ein Problem gewesen, sagte Kiqin. Den Zeuginnen zufolge kam es unmittelbar danach zu der Konfrontation – mit einem Abstand von 30 oder 50 Zentimetern zwischen dem Kopf von Kiqin und demjeinigen des Kläger, je nach Quelle – in deren Verlauf die schwere Drohung ausgestossen wurde, die zur Verurteilung führte. Er sei mit den Nerven am Ende gewesen, sagte Kiqin. In Angst und Schrecken versetzt habe er den Kläger aber nicht, er habe ja unmittelbar nach der Auseinandersetzung den Parkplatz verlassen und sei heimgelaufen.

Mit dem Antrag zugewartet

Der Kläger aber erlebte die Situation als sehr bedrohlich und ging sofort zur Polizei. Vier Tage später reichte er Strafantrag ein. Dieses Zuwarten zwischen Konfrontation und Antrag wertete das Gericht als starken Hinweis für die reale Angst des Klägers davor, Kiqin werde seinen Worten Taten folgen lassen. Den Antrag der Verteidigung auf einen vollständigen Freispruch wies es ab. Ebenso aber auch den Antrag des Klägers auf eine zehnfach höhere Genugtuung. ()

Erstellt: 30.06.2017, 14:49 Uhr

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