Elgg

Eine «Fleischerei» im Elggerhof

Ahmed Shino erfüllt sich mit der Pacht des Elggerhofs einen Lebenstraum. Seine Kochkarriere begann einst im Winterthurer Restaurant Molino.

«Wenn man das so sagen will, dann sind wir eine Fleischerei»: Ahmed Shino.

«Wenn man das so sagen will, dann sind wir eine Fleischerei»: Ahmed Shino. Bild: Marc Dahinden

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Fragt man den 39-jährigen Kurden Ahmed Shino nach seiner Nationalität, dann zückt er sein Portemonnaie, kramt die Schweizer Identitätskarte hervor, zeigt auf den Heimatort und sagt: «Ich bin Elgger.» 

Seit 14 Jahren lebt Shino im «Landstädtchen» und fühlt sich hier zuhause. Nun sollen sich auch die Elggerinnen und Elgger bei ihm zuhause fühlen: Seit einer Woche führt er den Elggerhof im Dorfzentrum. Er hat ihn von August Schönenberger gepachtet.

Tradition ist ihm wichtig

Im Restaurant begrüsst eine Wandmalerei eines fahnenschwingenden Elggers die Gäste. Das Logo des Restaurants ist das leicht abgeänderte Elgger Wappen mit den drei Bären. «Ich habe extra bei der Gemeinde nachgefragt, ob ich es verwenden darf.» Er durfte. Tradition ist Shino wichtig: «Sie gibt uns eine Zugehörigkeit, eine Identität.»

An einer Wand hängen Hellebarden, über einem Tisch befindet sich ein Glaskasten, darauf zu sehen: Die Elgger Aeschlikompanie, inklusive Kanone. Shino hat selber noch eine massive Kanone gekauft, wie er sagt. «Ich habe einfach noch keinen geeigneten Platz für sie gefunden.»

Schnitzel beim Österreicher gelernt

Am Donnerstagmittag haben hingegen einige Elggerinnen und Elgger einen Platz im neu eröffneten Restaurant gefunden. Über ein Dutzend Gäste essen und trinken. Beim Abräumen: Viel Lob, niemand ist unzufrieden, die Teller sind alle leer gegessen. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre. Jeder, der sich vom Tisch erhebt, wird von Shino kurz verabschiedet. Immer wieder steht er während des Interviews auf und entschuldigt sich deswegen.

«Wenn ich die Leute beim Essen strahlen sehe, dann fällt die Hälfte der Anstrengung von mir ab.»Ahmed Shino

Shino kam im Mai 2002 erstmals in die Schweiz: «Ich nahm ein paar Gastronomiekurse und im Dezember darauf begann ich als Hilfskoch im Winterthurer Restaurant Molino.» Er blieb drei Jahre, dann zog er nach Elgg und arbeitete im Hotel Krone unter dem Österreicher Ralf Buchauer, schräg gegenüber des Elggerhofs. «Dort lernte ich, wie man Schnitzel zubereitet», sagt Shino. Im Elggerhof hat er sich auf die Zubereitung von Schnitzel, Cordon-Bleu und Steaks spezialisiert. «Wenn man das so sagen will, dann sind wir eine Fleischerei.»

Vorpächter verstarb

Shino sammelte weitere Erfahrungen, kochte im «Sternen» in Räterschen, im Elgger «Frohsinn» und «Löwen», zuletzt stand er im Sirnacher Restaurant Hirschen in der Küche. Dabei hatte er stets den Traum eines eigenen Restaurants vor Augen. «17 Jahre habe ich für andere gearbeitet, ich wollte einmal mein eigener Chef sein.»

Frei wurde der Elggerhof, weil der bisherige Pächter, Chak Man Yu, im Spätsommer 2018 verstarb. Er hatte ein chinesisches Restaurant betrieben. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Nebst der Elgg-typischen Dekoration wurde der Elggerhof auch saniert. «Es ist heller und frischer geworden», sagt er.

Die Entscheidung, sich für den Elggerhof zu bewerben, habe Mut gebraucht. «Einerseits finanziell, andererseits auch wegen der Zeit.» Shino ist verheiratet und hat zwei Kinder, drei- und fünfjährig. Momentan sieht er sie nicht oft. «Höchstens mal am Morgen früh.»

Shino kocht alleine

Die Eröffnung am letzten Freitag war erfolgreich. «Das Restaurant mit seinen 50 Plätzen war voll.» Nun geht es darum, ein Gespür für die Nachfrage zu bekommen.  Denn: Shino kocht momentan alleine, eine Serviceangestellte unterstützt ihn, manchmal auch seine Frau. «Ja, es ist schon streng», sagt Shino. «Aber wenn ich die Leute beim Essen strahlen sehe, dann fällt die Hälfte der Anstrengung von mir ab.» Die offizielle Eröffnung, die «Ahtrinkete», findet am nächsten Freitag statt.

Erstellt: 08.02.2019, 14:24 Uhr

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