Unterstammheim

Eine Genossenschaft für den Adler

Eine Gruppe hat eine Genossenschaft gegründet, um das Restaurant Adler im Ortskern zu erhalten. Die Besitzerfamilie setzt grosse Hoffnungen in das Projekt.

Wirt Thomas Frei mit seinem Enkel Gian vor dem Adler: «Ich mache alles, damit das Restaurant erhalten bleibt.»

Wirt Thomas Frei mit seinem Enkel Gian vor dem Adler: «Ich mache alles, damit das Restaurant erhalten bleibt.» Bild: Johanna Bossart

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Thomas Frei ist im Adler in Unterstammheim aufgewachsen und wirtet mit seiner Frau Marianne seit über 20 Jahren dort. In wenigen Jahren wird er im Pensionsalter sein. Die langfristige Zukunft des Restaurants ist deshalb ungewiss.

Für Frei ist aber klar: «Ich mache alles, damit das Restaurant erhalten bleibt.»

Die Zukunft des Adlers beschäftigt nicht nur die Besitzerfamilie Frei. Der Adler ist im Dorf ein wichtiger Treffpunkt mit langer Tradition. Gebaut wurde der Gasthof im Jahr 1877, seit 1959 gehört er den Freis.

Als ein Gast von der ungewissen Zukunft der Liegenschaft hörte, entwickelte er die Idee, eine Genossenschaft zu gründen. Inzwischen ist aus der Idee ein konkretes Projekt geworden.

Der Genossenschaftsmotor

Der Gast heisst Conrad Schneider und hat bereits einige Erfahrungen mit ähnlichen Projekten. «Ich bin ein Genossenschaftsmotor», sagt der Bauingenieur aus Elgg. Eine Genossenschaft sei eine Möglichkeit, um dem Beizensterben entgegenzutreten und Dörfer lebendig zu halten.

«Der Adler ist eine wunderbare Landbeiz. Wir sollten ihn erhalten.»Conrad Schneider, 
Co-Präsident Genossenschaft Adler Unterstammheim

Das finanzielle Risiko könne so auf mehrere Schultern verteilt werden. Der Vorstand der kürzlich gegründeten Genossenschaft Adler Unterstammheim hat bereits Zusagen von gegen 180 000 Franken. Mit diesem Anschub-Genossenschaftskapital wollen sie die bestehende Wirtschaft als kulturellen und gastronomischen Treffpunkt erhalten.

Zudem sollen in der Liegenschaft ungenutzte Räume aufgewertet werden und darin altersgerechte Genossenschaftswohnungen entstehen. Die Lage scheint dafür ideal: Vom Adler ist es nicht weit bis zum Bahnhof und auch Dorfläden hat es gleich um die Ecke.

Auf die Frage, weshalb er sich für das Projekt einsetze, antwortet Schneider: «Der Adler ist eine wunderbare Landbeiz, wir sollten ihn erhalten.» Co-Präsidentin der Genossenschaft ist Bettina Jordi, die mit ihrer Familie lange das Schloss Schwandegg in der Nachbargemeinde Waltalingen führte.

Auch Thomas Frei konnte Conrad Schneider mit seiner Idee überzeugen: «Wir sind froh, dass wir in einem Team auf ein breit abgestütztes, passendes Projekt hinarbeiten können», sagt der 63-jährige Wirt.

Frei will weitermachen

Bis es zu dieser möglichen Lösung gekommen ist, hat es gedauert. Die Frage, wie es mit dem Adler weitergeht, beschäftigt die Freis schon länger. Zuerst wollte die Familie alles verkaufen.

In Gesprächen mit potenziellen Investoren habe er aber gemerkt, dass es kaum möglich ist, jemanden zu finden, der die lange Tradition der Liegenschaft in ihrem Sinn weiterführen würde. Auch eine Übergabe an die nächste Generation stellte sich als schwierig heraus, das finanzielle Risiko wäre zu gross gewesen. Von 2008 bis 2015 verpachteten sie den Adler an eine ehemalige Krankenpflegerin.

Sie machte aus dem Gasthof ein Integrationsprojekt und bot Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen die Möglichkeit, im Berufsleben Fuss zu fassen – bis wieder die Familie Frei übernahm.

Thomas Frei sieht Potenzial in der Lösung mit einer Genossenschaft. Denn dadurch müsste der künftige Betreiber des Restaurants nicht mehr die ganze Liegenschaft tragen, sondern könnte sich «nur» um das Restaurant kümmern. Eine Genossenschaft könnte unter Bedingungen verpachten, die einen Weiterbetrieb möglich machen.

Noch ist es nicht so weit. Thomas Frei hat nicht vor, nächstens aufzuhören. «Ich wirte gerne», sagt er. «Ich kann es mir gut noch ein paar Jahre vorstellen.»

Es sei ein langfristiges Projekt, sagt auch Conrad Schneider. Bis im Spätsommer oder Herbst wollen sie die Pläne konkretisieren und der Öffentlichkeit vorstellen.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.07.2018, 09:34 Uhr

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