Turbenthal

«Eine Sehnenscheidenentzündung hatte ich noch nie»

Der Hackbrettspieler Nicolas Senn ist sehr beschäftigt. Vor seinem Konzert in Sitzberg hat er noch eine CD-Taufe.

Organistin Renate Steiner und Hackbrettspieler Nicolas Senn.

Organistin Renate Steiner und Hackbrettspieler Nicolas Senn. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie sind ein viel beschäftigter Mann: Konzerte, Moderation der Gala «Viva Volksmusik» im Schweizer Fernsehen, sogar Musikreisen und Notenpublikation fürs Hackbrett. Haben Sie schon zu Mittag gegessen?
Einen Rest hat es gegeben: Härdöpfelstock und Sellerie. Vielleicht nicht so eine substanzielle Mahlzeit, auf Dauer würde das nicht gehen. Aber von Mai bis Juni bin ich nonstop unterwegs. Wenn es dann eine Gelegenheit zum Essen gibt, schlage ich zu. Wichtig ist, genug Schlaf zu haben; deshalb schlafe ich auch mal einen Vormittag nach, wenn nötig.

Und wenn Sie so viel spielen, hatten Sie schon mal eine Sehnenscheidenentzündung?
Nein, bisher hatte ich Glück. Vielleicht übe ich auch zu wenig. Neben dem Büro und dem Auftreten darf das nicht zu kurz kommen. Aber kürzlich kam ein Schüler, der trug eine Armschiene, weil er mit 14 schon eine Sehnenscheidenentzündung hatte.

Sie unterrichten auch noch?
Sporadisch unterrichte ich, möchte das auf den Herbst aber kontinuierlicher tun. Ich mache das sehr gern; erlebe mit, wie sich die Kinder weiterentwickeln, und freue mich, wenn sie ein Stück von mir spielen. Es ist alles eine Zeitfrage. Viele denken, der Senn ist nur noch im Fernsehen und spielt nur noch in grossen Hallen. Aber was ich auch geniesse, sind kleine Auftritte an Geburtstagen oder Hochzeiten. Das ist extrem abwechslungsreich und befriedigend. Wenn ich die Leute zurückrufe, können sie oft gar nicht glauben, dass ich Zeit habe und kommen würde.

An Auffahrt fahren Sie wieder nach Sitzberg und treten mit der Organistin Renate Steiner in der Kirche auf.
Ja, gleich nach meiner CD-Taufe von «Hackbrett meets Boogie-Woogie» mit Elias Bernet. In der Kirche Sitzberg werde ich hingegen klassische Musik und eigene Stücke spielen – dafür ist die Situation extrem dankbar. Es ist eine heimelige, charmante Orgel, mit Klangeffekten, wie ich sie andernorts noch nicht erlebt habe. Im Zusammenspiel muss Renate Steiner auf die Einstellung der Orgelregister achten, das haben wir bereits geprobt. Aber sie kann die Registrierung nicht abspeichern, sondern muss sie von Hand aufschreiben, so dauert alles etwas länger.

Lange hatten Sie das Image des «Jungen» . Dieses Jahr werden Sie 30. Ab wann zählt man in Ihrem Geschäft zu den Alten?
Manchmal weichen Selbstwahrnehmung und Aussenwahrnehmung voneinander ab, aber ich würde mich jetzt noch zu den Jungen zählen. Es hängt auch vom Leistungsausweis ab: Wenn jemand schon zwei Generationen unterrichtet hat, zählt er schon eher zu den Älteren.

Der 2015 verstorbene Volksmusiker Dölf Mettler sagte vor fast zehn Jahren in einem «Landbote»-Interview über Sie: «Es gäbe da noch andere Hackbrettspieler, die noch viel besser wären, zum Beispiel Walter Alder. Nicolas Senn sehe ich nicht als reinen Volksmusiker, sondern er macht etwas mit der Volksmusik.» Gibt es solche traditionalistischen Ansichten immer noch?
Auf jeden Fall. Ich denke, das hat er gesagt, weil ich gerade beim «Grand Prix der Volksmusik» mit einem osteuropäisch klingenden Stück, einem Csardas, mitgemacht hatte – das war mehr Schlagermusik. Leute wie Walter Alder sind Vorbilder; sie haben viel für das Hackbrett getan.

Wo sehen Sie die Zukunft des Hackbrettspiels?
Zurzeit erlebt es einen Boom, es gibt viele Schüler und zu wenig Lehrer. Ich finde es schön, wenn das weitergeht, aber für die Volksmusik wäre es gut, wenn die anderen Instrumente genauso nachgefragt wären. Es braucht auch Bass, Akkordeon, Geige, Handorgel. Die gesamte Szene muss dranbleiben, um auch andere Instrumente zu fördern.

Sie selbst waren schon mit vier Jahren vom Hackbrett fasziniert, andererseits haben Sie an der HSG Ökonomie studiert. War das eine Sicherheit, falls es mit der Musikerkarriere nicht so geklappt hätte?
Ich wollte immer auch etwas anderes machen und nicht von Auftritten abhängig sein. Dazu kommt, dass St. Gallen vor der Haustür liegt und eine gute Uni ist, die ein flexibles Studium anbietet. Architektur hätte mich auch sehr interessiert, aber das wäre nicht nebenbei gegangen. Jetzt habe ich einen Master in Business Innovation, und das hilft mir auch als Kleinunternehmer in einer Branche, die sich stark verändert.

AuffahrtskonzertDonnerstag, 30. Mai, 15.30 und 18.30 Uhr, Kirche Sitzberg, Turbenthal. Eintritt frei/Kollekte. www.nicolassenn.ch

Erstellt: 24.05.2019, 13:16 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!