Tösstal

Eine verrückte Liebe vor Gericht

Ein Handwerker verklagt seine Ex-Freundin wegen Veruntreuung und Nötigung. Vor den Richter kommt aber vor allem ein Beziehungsdrama.

Eine 34-Jährige musste sich vor dem Bezirksgericht Winterthur wegen Veruntreuung, Nötigung und Erpressung verantworten.

Eine 34-Jährige musste sich vor dem Bezirksgericht Winterthur wegen Veruntreuung, Nötigung und Erpressung verantworten. Bild: Archiv, Marc Dahinden

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Sie lernten sich im November 2013 kennen. Im März 2014 ging die Beziehung mit grossem Krach in Brüche. Es war eine Liebe im Schnelldurchlauf. Kaum hatte sie ihn kennen gelernt, zog sie zu ihm, einem Dachdecker mit Einzelfirma. Ihre Arbeit als Gärtnerin liess die Frau Knall auf Fall liegen.Schnell stürzten die beiden in die Kokainsucht ab, und bald einmal gab es heftigen Streit. Fünf Mal rückte die Polizei wegen häuslicher Gewalt zwischen dem Paar aus. Die Frau zog sich zwischendurch in ihre alte Wohnung in Turbenthal zurück. Der Mann bekam im Januar Rayonverbot und durfte sich ihr nicht mehr nähern. Doch sie kehrte zu ihm zurück. Bis zu jenem «schlimmen Tag» im März, wie die Frau sagt.

Anerkannte Schuld

Nun sitzt die heute 34-jährige Frau als Angeklagte dem Anwalt ihres Ex-Freundes (38) gegenüber. Dieser klagt auf Veruntreuung, Nötigung, Erpressung. Er habe ihr mehrfach Bargeld gegeben, um Rechnungen der Firma zu zahlen und auch seine Miete zu begleichen. Doch sie habe das Geld für sich behalten. «Das stimmt nicht», sagt die Angeklagte vor Gericht ganz aufgebracht.

«Ich dachte, der Mann sei der Zuhälter der Frau».Taxifahrer

Tatsache ist, dass sich Angeklagte und Kläger in ihrer Beziehung immer wieder mit Geld ausgeholfen haben. Dafür hat die Frau eine Schuldanerkennung vonseiten des Dachdeckers in der Hand, er selbst, der Kläger, nicht.

Umstrittene Bargeldbezüge

Geklärt ist auch, dass der Mann mit seiner Freundin jeweils zu einem Bankomaten fuhr, wo er Geld abhob. Sein Angestellter war ab und zu dabei. Diese klar belegten Barbezüge sind in der Anklageschrift auf einer Liste aufgeführt. Daneben stehen Rechnungen jeweils ungefähr in der Höhe des Bargeldbezugs, Rechnungen in der Höhe von 52 000 Franken, die nie bezahlt wurden. Diese Liste hat offenbar die Mutter des Klägers erstellt. Er selbst sei, so sein Anwalt, «geistig nicht fit genug» um über die Finanzen seines Geschäfts den Überblick zu behalten.

Die Anklage stützt sich auf die beschriebene Liste. Sie führt zudem als Zeugen den Angestellten auf, der ab und zu dabei war, als der Kläger der Angeklagten das Geld übergab.

Merkwürdige Umstände

Die Verteidiger beeilt sich, diesen Zeugen der Anklage zu zerpflücken. Er deutet an, dass der Zeuge seine Aussagen mit dem Kläger abgesprochen haben könnte.

Zudem durchleuchtet der Verteidiger die Umstände, unter denen die Angeklagte vom Kläger Geld bekam. So bleibt ungeklärt, ob die Frau von ihrem damaligen Freund überhaupt Rechnungen in die Hand gedrückt bekam. Der Kläger und dessen Zeugen widersprachen sich in der polizeilichen Vernehmung in diesem Punkt.

Ich war gestört, ich hatte solche Angst.»Angeklagt

Im Fall der Nötigung und Erpressung steht Aussage gegen Aussage. Dass es in der Beziehung zu Gewalt kam, ist unbetritten. Wer indes auf wen losging, bleibt offen. Vor Gericht sagt die Frau: «Ich habe nie geschlagen. Aber ich habe mich natürlich gewehrt.» Zum Verhältnis der beiden führt die Verteidiung einen Taxifahrer an. Dieser sagte aus: «Ich dachte der Mann sei der Zuhälter der Frau.» Die Angeklagte vor Gericht sagt erregt: «Immer wieder Gewalt. Es wurde immer schlimmer.»

Ende mit Schrecken

Ein schlüssiger Beweis dafür fehlt jedoch. Die Anklage beharrt darauf, dass der Mann nie geprügelt hat. Trotzdem habe die Angeklagte dem Kläger eine Anzeige wegen körperlicher Gewalt angedroht. So habe sie ihn genötigt und in einem Fall erpresst.

Auf jeden Fall floh die Angeklagte an jenem schlimmen Märztag nach einer durchkoksten Nacht vor dem Dachdecker. Er wollte sie von draussen zurück holen. Die inzwischen alarmierte Polizei fand die Angeklagte «emotional auffällig» vor und schickte sie in die psychiatrische Klinik Schlosstal in Winterthur. Die Angeklagte selbst sagt dazu: «Ich war gestört, ich hatte solche Angst.»

Das Urteil wird am Freitag eröffnet. (Landbote)

Erstellt: 05.03.2018, 15:37 Uhr

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