Wiesendangen

Eine Weizenernte für den Ballenberg

Für das Freilichtmuseum Ballenberg zogendie Pferde Queenie und Lara in Wiesendangen eine Mähmaschine übers Feld.

Ohne Traktor und Mähdrescher, dafür mit Pferdestärken. In Wiesendangen wurde für das Freilichtmuseum geerntet wie einst vor 80 Jahren.
Video: Barbara Truninger

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Schon bevor der Traktor Einzug hielt., waren auf den Bauernhöfen Pferdestärken Trumpf. Ohne die Stärke echter Pferde kam kein Bauer aus. Heute arbeiten bloss noch Fans mit Tieren als Zugmaschine. Beat und Sylvia Bachmann beispielsweise, die in Wiesendangen eine Gärtnerei betreiben und zwei Pferde halten, Queenie und Lara.

Vergangene Woche führte Beat Bachmann mit den beiden eine Aebi-Mähmaschine über ein Weizenfeld. Die Maschine stammt von Bachmanns Nachbar, der zugehörige Ableger lag bei ihm herum. Zum Glück wusste Onkel Heiri Bachmann wie die Teile zusammengehören. Er war als Bub dabei, beim Getreide ernten, mit Pferd und Maschine. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war das, als noch jeder Ähre, ja jedem einzelnen Korn Sorge getragen wurde.

«Das Festival der Pferde»

Anlass für den Einsatz der Mähmaschine war eine Anfrage des Freilichtmuseums Ballenberg, die Bachmann via die IG Ar­beits­pfer­de erreichte, zu der er gehört. 100 bis 200 Garben bestellte der Ballenberg für «Das Festival der Pferde» vom 30. September und 1. Oktober. Gut getrocknet sollen die Weizengarben dann mit einem Göpel gedroschen, der Körner gemahlen und aus dem Mehl Brot gebacken werden.

Beim Mähen half auch der Dorfpfarrer

In einem Göpel läuft ein Pferd im Kreis und treibt eine Maschine an. Der Begriff stammt aus einer bald vergessenen Zeit, in der auf dem Land neben Pferdestärken auf viele Hände gefragt waren und jede Arbeit und jeder Handgriff einen eigenen Namen hatte:

  • «Hüüffeli»: Auf der Mähmaschine sitzt neben dem Fuhrmann der Ableger. Liegen auf den Holzlatten hinter dem Mähbalken ausreichend Halme, senkt der Ableger die Latten mit Pedaldruck ab und schiebt das Hüüffeli aufs Feld
  • «Arvel»: Vom Feld wurde der Weizen zu Arvel (Armvoll) oder «Sammlete» aufgenommen und zum Trocknen ausgebreitet. Dabei achtete man darauf, dass die Ähren alle auf einer Seite lagen.
  • «Cheere»: War die Oberseite der Sammlete trocken, wurde sie mit einem Stiel über die «Storzen» (Halmenden) gewendet, eben «gcheert». War die Sammlete trocken, wurde sie mit dem Hüüffelirechen zusammengezogen.
  • «Aaträäge»: Mit der Antraggabel wurden 3 bis 4 Hüüffeli auf ein bereitgelegtes Seil gelegt und zu Garben gebunden.
  • «Verstèète»: Dank einer Vertiefung auf der Unterseite der Holzscheibe («Hölzli», «Chnöpfli») am Garbenseil musste kein Knoten gemacht werden. Ein Umschlingen und «Verstèète» genügte.
  • «Uuflade»: Mit einer Ladegabel wurden die Garben auf den Wagen gehoben. Eingelagert wurden sie in einer Scheune, auf der «Brügi». Gedroschen wurde im Winter, wenn die Bauern Zeit hatten.

In Wiesendangen half beim Mähen mit den Pferden auch der Dorfpfarrer. Diesen rief Bachmann an und sagte ihm, er predige in der Kirche doch viel von Ähren und Ernte. Ob er nicht einmal dabei sein wolle, wenn Brot­getreide geerntet werde? Doch gerne, sagte der Pfar­rer und kam mit aufs Feld.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.07.2017, 11:32 Uhr

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