Zell

Einfach beiseite gestellte Menschen

An der Atelierausstellung im Werkhof Schöntal kann man in Nicole Chenevards Bilderwelten eintauchen, sich damit auseinandersetzen oder einfach ihre Kunstfertigkeit bestaunen.

Nicole Chenevards Bilder ähneln Kinderbuchillustrationen, die viel Raum für Fantasie lassen.

Nicole Chenevards Bilder ähneln Kinderbuchillustrationen, die viel Raum für Fantasie lassen. Bild: Nathalie Guinand

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In der neuen Bilderserie von Nicole Chenevard schauen Figuren aus Krügen und Flaschen heraus. Nur ihr Kopf blickt in die Umgebung. «Sie sind gefangen und können einfach beiseite gestellt werden», sagt die Malerin dazu. In einer befreiteren Version sitzt die Person in einer Tasse, «da kommt sie schon fast allein heraus». Die Rikemerin hat eine Ausbildung in Kunsttherapie abgeschlossen; zuvor hatte sie bereits Kleinkinderziehung gelernt. Bekannt ist sie aber auch durch Kinder-Malangebote, die sie im Ferienplausch und in der schulischen Begabungsförderung gemacht hat. Seit fast vier Jahren teilt sie sich mit Ulla Rohr ein Atelier im Werkhof Schöntal. Dort läuft zurzeit die 27. Atelierausstellung in Rikon. Nicole Chenevard arbeitet überwiegend in Collagetechnik. Mittels Strukturpaste und Binder arrangiert sie Schnipsel aus Buchillustrationen oder Notenblättern und ergänzt Acrylfarben und zeichnerische Elemente. Das Ergebnis ist auf den ersten Blick sehr ansprechend und gefällig. «Viele sind begeistert von den Farben», berichtet sie, «und dass man immer wieder Neues auf den Bildern entdeckt».

Verstecktes und Tiefgründiges

Und hier wird es interessant: Die dekorativen Bilder beinhalten viel Tiefgründiges — wenn man genau hinschaut. Bei einer Szene am Meer fährt ein Schiff vorbei. Ein Container ist mit Gift angeschrieben, darauf hockt ein exotischer Papagei. Diese Inspiration kam Chenevard in den Strandferien. Da sei so viel Schönes gewesen, aber latent lauere auch Gefahr im internationalen Schiffsverkehr. «Die Hoffnung fährt mit» heisst das Bild schlüssigerweise.

Spielerischer Märchenkosmos

Eine andere Arbeit zeigt ein Mädchen, das auf einem Klavier sitzt und die Beine baumeln lässt. «Musik befreit», so der Titel. Ringsherum spielt sich eine bunte Familienszene ab. Man wähnt sich zunächst in einem spielerischen Märchenkosmos, dazu tragen auch die warmen Farben bei. Viele Figuren haben jedoch ernste Gesichter, beispielsweise beim Bild «Traurigkeit und andere Gefühle». Und diese Emotionen sind nur sehr subtil wahrnehmbar.

«Ich bin so aufgewachsen», sagt Nicole Chenevard. Negative Gefühle werden nett verpackt. Hinter einer harmonischen Fassade lauern Probleme. Sie werden aber nicht angesprochen; nur wer sie sehen will, erkennt sie. Chenevards langgestreckte Figuren in den Collagen agieren wie Marionetten auf einer vielschichtigen Bühne. Wenn sie sagt, sie sei so erzogen worden, Unangenehmes im Hintergrund zu halten, so dürfte dies auf viele andere Frauen ebenso zutreffen. Oder auf Menschen generell, die sich mit ihren Bildern, denen etwas Braves anhaftet, identifizieren können.

Insgesamt 11 Aussteller

Die Atelierausstellung wird von der Kulturkommission Zell unterstützt, der die Künstlerin selbst seit gut einem Jahr angehört. Im Rahmen der Ausstellung präsentieren sich die vier Ateliernutzer, dazu gehört noch Margrit Steinmann mit Keramiken und Schmuck sowie Richi Heer mit Bildern. Eingeladene Gastkünstler sind in diesem Jahr Ibolya Dischö aus Kollbrunn mit Blumenbildern, Verena Obrist aus Zell mit Filzobjekten und Dieter Schwarz aus Zell mit Schwarz-Weiss-Fotografien. Aus Rikon nimmt des weiteren Richard Dettling mit Comics teil, Caro Elmer mit Skulpturen und Wolfgang Weber mit Bildern. Einen besonderen Akzent setzt Jürg Frey aus Teufen mit Fotos von Tierkleidern; Häuten, Federn, Fellen, Schuppen, die er so nah heranzoomt, bis sie fast abstrakt wirken.
27. Atelierausstellung im Werkhof Schöntalstr. 10 (Eingang hinten), Rikon. Freitag 17 bis 20 Uhr, Sa und So, 11./12.11., 13 bis 17 Uhr. Eintritt frei.
(Der Landbote)

Erstellt: 09.11.2017, 15:20 Uhr

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