Seuzach

Elektrisches Knistern auf dem Podium

Die beiden Gegner am Seuzacher SVP-Podium zur Energiestrategie 2050 blieben sich nichts schuldig – ausser manchmal vielleicht die Wahrheit. Christian Imark (SVP) hatte gegenüber Reto Diener (Grüne) einen Heimvorteil.

Wortgefechte und sich widersprechende Zahlen: Reto Diener (links) und Christian Imark (rechts) schenkten sich in Seuzach nichts. Jakob Bächtold (m.) versucht das Gespräch zu lenken.

Wortgefechte und sich widersprechende Zahlen: Reto Diener (links) und Christian Imark (rechts) schenkten sich in Seuzach nichts. Jakob Bächtold (m.) versucht das Gespräch zu lenken. Bild: Madeleine Schoder

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Der Solothurner SVP-Nationalrat Christian Imark wurde als erster von Moderator Jakob Bächtold, Stv. Chefredaktor «Landbote», in die Pflicht genommen. Die SVP habe das Referendum zur Energiestrategie 2050 ergriffen, über die am 21. Mai abgestimmt wird, und stehe nun bis auf Teile aus der FDP und den Wirtschaftsverbänden mit ihrer Opposition ziemlich alleine da.

Weshalb er sich dagegen engagiere, wollte er vom gelernten Polymechaniker und Global Customer Manager wissen. «Weil sie das wirkliche Problem nicht löst und unsere Versorgungssicherheit aufs Spiel setzt», antwortete Christian Imark. «Als Folge dieser Strategie werden wir dreckigeren Strom aus dem Ausland importieren oder mit Gaskraftwerken selber produzieren müssen», zeigte sich der 35-jährige SVP-Politiker überzeugt.

Dreckiger Strom

Auf der linken Seite des Podiums, das von der SVP Bezirk Winterthur organisiert worden war, hörte der Winterthurer Gemeinderat Reto Diener, Präsident der Grünen Winterthur, genau zu. «Wir müssen keine Angst haben, diese Strategie garantiert Energiesicherheit», konterte der 62-jährige Softwareentwickler und räumte ein: «Möglicherweise kommt es beim Übergang zu Stromimport und einem zusätzlich Gaskraftwerk.» Doch auch dann sei der Strom immer noch viel sauberer als heute. Die Schweiz müsse sich punkto Produktion alternativer Energien auf sich selbst besinnen, forderte Diener.

«Wir müssen weg  von dieser dreckigen und gefährlichen  Technologie.»

Reto Diener (Grüne)

Eine Windkraftanlage zerstöre 17 000 Vögel pro Jahr, 1600 Windräder seien geplant, holte Imark aus. Auch Umweltschützer seien deshalb gegen die Energiestrategie 2050. «Das mit den geschredderten Vögel ist Angstmacherei», widersprach Diener. Das betreffe höchsten ein paar hundert Vögel.

«Müssen wir das Verbot neuer Kernkraftwerke überhaupt im Gesetz festschreiben, wo doch heute sowieso niemand mehr solche bauen will?», fragte der Moderator. «Wir müssen weg von der dreckigen und gefährlichen Technologie, die die Gesellschaft nicht managen kann», sagte Diener. Die rund 40 Prozent Strom, die man heute aus Kernenergie produziert, könnten durch alternative Energien ersetzt werden. «Rund die Hälfte, also 20 Prozent des heutigen Kernstrombedarfs, können wir allein mit Solarenergie und Speicherkraftwerken abdecken. Für den Rest stünden Bioenergie, Windkraft und massvolle Wasserkraft zur Verfügung.

Mit einem Ja zur Energiestrategie nehme man in Kauf, viel dreckigeren Strom zu importieren, weil die Solarenergie keine 20 Prozent abdecke, widersprach Imark. «Wenn die Sonne nicht scheint, gibt es null Strom.»

«Solarenergie deckt keine 20 Prozent des  Kernstroms ab.»

Christian Imark (SVP)   

Der grosse Streit drehte sich auf dem Podium in Seuzach – wie auch im nationalen Abstimmungskampf – um die Kosten, welche das neue Energiegesetz verursachen würde. Während die Befürworter von 40 Franken im Jahr pro Haushalt sprechen (durch den Netzzuschlag von 0,8 Rappen pro Kilowattstunde), führt die SVP 3200 Franken ins Feld, welche die Annahme des Gesetzes den einzelnen Haushalt im Jahr koste. «Weil nämlich die Ziele der Energiestrategie nur mit einem Lenkungssystem in der zweiten Etappe erreichbar sein werden», sagte Imark. «Falsche Rechnung», konterte Diener. «Mit 40 Franken kommen wir bereits einen grossen Schritt weiter.»

Fragen aus dem Publikum

«Was ist Ihre Alternative, fragte eine Zuhörerin den SVP-Politiker. «Wir müssen Rahmenbedingungen für eine sichere, ökologische, genügende und günstige Stromversorgung schaffen», antwortete Imark. Bei drei Wochen Nebel wie im Januar gehe der Industrieproduktion der Strom aus. «Sie vertreiben noch mehr Arbeitsplätze ins Ausland», warf einer der rund zwanzig Zuhörer Diener vor. «Das unterstellen Sie mir», konterte dieser und verwies auf vorhandene Speichertechnologien.

(Der Landbote)

Erstellt: 07.04.2017, 19:11 Uhr

Energiestrategie 2050

Mit dem ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 wollen der Bundesrat und das Parlament die erneuerbaren Energien fördern, die Energieeffizienz steigern und den Neubau von Atomkraftwerken untersagen. Die Energiestrategie 2050 kommt am 21. Mai zur Abstimmung und wird von CVP, BDP, EVP, FDP, GLP, SP und Grünen befürwortet.

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