Nacht der Fledermaus

«Es gibt blutsaugende Fledermäuse»

An der Internationalen Nacht der Fledermäuse am letzten Augustwochenende können Kinder und Erwachsene die bedrohten Säugetiere kennenlernen. In Aadorf etwa macht der Fledermausschützer Thomas Haller ihre Laute hörbar.

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Herr Haller, weshalb soll man Fledermäuse schützen?
Thomas Haller, lokaler Fledermausschützer, Aadorf: In der Schweiz gibt es 30 verschiedene Arten, die teilweise sehr selten geworden sind. Dies, weil die Landschaft intensiver genutzt wird, moderne Gebäude keine Unterschlupfmöglichkeiten mehr bieten oder Quartiere durch Insektizide verseucht sind.

Gifte gegen Insekten, an denen auch Fledermäuse sterben?
Genau. Genetisch bedingt gebären die Tiere nur ein Junges pro Jahr, meist im Juni. Fledermauspopulationen erholen sich deswegen nur sehr langsam.

«Weil es immer länger dauert, bis es nachts wirklich dunkel wird, fliegen die Fledermäuse später aus. Dadurch verkürzt sich ihre Jagdzeit.»

Ein Problem ist auch die Lichtverschmutzung. Weil die Tiere natürliches wie auch künstliches Licht meiden, verlieren sie an Lebensraum. Wie müssten Beleuchtungen sein, damit sie nicht stören?
Bewegungsmelder wären am besten, damit etwa Strassenlampen nicht ständig brennen. Ein kurzes Aufleuchten ist weniger problematisch. Denn viele Arten fliegen langsam und nahe am Boden, sodass sie für Katzen eine leichte Beute sind. Und weil es immer länger dauert, bis es nachts wirklich dunkel wird, fliegen die Fledermäuse später aus. Dadurch verkürzt sich ihre Jagdzeit.

Wie können Hausbesitzer Unterschlupfmöglichkeiten schaffen?
Das ist artenabhängig. Generell mögen sie es trocken und warm, sie verkriechen sich in enge Spalten und Ritzen. Gut ist deshalb, wenn man Wandverschalungen nicht überall schliesst und die Spalten auf verschiedene Gebäudeseiten verteilt sind. Wenn die Tiere Junge haben, ist Morgensonne ideal. Damit der Nachwuchs warm hat, bis das Weibchen zum Säugen zurückkommt.

Welche Vorurteile und Ängste halten sich hartnäckig?
Fledermäuse sind nachtaktiv und fliegen praktisch geräuschlos. Das macht sie für den Menschen unheimlich. Dazu gehören auch alle Vampirgeschichten mit blutsaugenden Tieren.

Saugen denn Fledermäuse Blut?
In Südamerika gibt es tatsächlich drei Arten, die Blut saugen. Sie haben sich auf Kühe und andere Haustiere spezialisiert. Die gibt es hier aber nicht.

Am Freitag, 24. August, findet im Rahmen der internationalen Nacht der Fledermäuse unter anderem in Aadorf eine Exkursion statt. Was werden Interessierte zu sehen bekommen?
Ich werde einiges über das Leben der nächtlichen Flugkünstler erzählen und Bilder zeigen. Dann werden wir einen Rundgang machen, auf dem mehrere Arten zu beobachten sind. Wir werden auch ihre Rufe hörbar machen.

Wie funktioniert das?
Mit speziellen Geräten, sogenannten Fledermaus-Detektoren, werden ihre Ultraschalltöne, die nicht mehr in unserem Hörbereich liegen, so verändert, dass wir Menschen sie hören können.

Wie tönt das?
Es tönt wie ein «tschi, tschi, tschi», in kurzer Abfolge gerufen. Kinder können den grossen Abendsegler oft auch ohne Detektor hören, da sie ein besseres Gehör haben.

Was sollen Teilnehmer an die Exkursion mitbringen?
Da wir einige Zeit marschieren werden, ist gutes Schuhwerk von Vorteil. Je nach Temperaturen lohnt sich auch eine warme Jacke. Taschenlampen braucht es nicht.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.08.2018, 15:21 Uhr

Thomas Haller ist Fledermausexperte und Tierschützer aus Aadorf.

Bedroht und Geschützt

Die 30 einheimischen Fledermausarten sind gefährdet, drei davon gar vom Aussterben bedroht: die Grosse Hufeisennase, das kleine Mausohr und das Graue Langohr.

Deshalb sind alle Arten inzwischen auch streng geschützt. Das heisst, dass es verboten ist, Fledermäuse zu fangen, zu töten oder ihre Wohnquartiere zu beschädigen.

Die Säugetiere ernähren sich fast ausschliesslich von Insekten und dienen dadurch dem Menschen. Denn viele der in der Dunkelheit fliegenden Insekten gelten in der Land- und Forstwirtschaft als Schädlinge.

Eine Wasserfledermaus etwa peilt im Durchschnitt alle 4 Sekunden ein Beuteinsekt an. Bei einem Fangerfolg von 50 Prozent sind das in 6 Stunden 2700 Insekten.

Exkursionen in der Region um Winterthur

In der Region um Winterthur finden zwischen 24. und 26. August Veranstaltungen zur 22. Internationalen Nacht der Fledermäuse statt. Unter fachkundiger Leitung lernen Interessierte die Säugetiere kennen und werden für den Fledermausschutz sensibilisiert.

In Aadorf treffen sich die Teilnehmer auf dem Parkplatz der Forschungsanstalt Tänikon am Freitag, 24. August. Die Exkursion beginnt um 19.45 Uhr und dauert bis 21.30 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Veranstaltung findet nur bei trockener Witterung statt. Die Website www.bat.ursache.ch gibt Auskunft über die Durchführung.

Ebenfalls am 24. August können Fledermausfans in Ellikon am Rhein, Treffpunkt offizieller Parkplatz, Fledermäuse beobachten. Der Naturschutzverein Bezirk Andelfingen und Fledermausschützerin Sophie Baumann leiten die Veranstaltung, die von 20 bis etwa 22 Uhr dauert.

Über die Durchführung gibt am 24. August ab 16 Uhr die Telefonnummer 078 627 16 32 Auskunft. Bei schlechtem Wetter wird sie auf den Samstag, 25. August verschoben.

Der Naturschutz-Verein Ossingen und Fledermausschützer Hans-Caspar Ryser führen zu den Barchetseen, wo Wasserfledermäuse zu sehen sind. Treffpunkt ist der Volg Ossingen, von dort gibt es einen Transfer per Shuttle oder Velo.

Die Exkursion findet am 25. August, zwischen 20.30 und etwa 22.30 Uhr statt. Ab 17 Uhr gibt die Nummer 079 543 66 64 Auskunft, ob sie durchgeführt wird.

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