Finanzen

«Es wird zurückhaltend budgetiert»

Die Gemeinden erzielen überall ein besseres Ergebnis als budgetiert. Heinz Montanari, Abteilungsleiter Gemeindefinanzen beim Gemeindeamt, erklärt im Interview wieso das so ist.

Die Gemeinde Neftenbach steht exemplarisch für die übervorsichtige Budgetierung der Gemeinden der Region. Aus einem budgetierten Verlust von 600'000 Franken resultierte 2017 ein satter Gewinn von 1.4 Millionen Franken.

Die Gemeinde Neftenbach steht exemplarisch für die übervorsichtige Budgetierung der Gemeinden der Region. Aus einem budgetierten Verlust von 600'000 Franken resultierte 2017 ein satter Gewinn von 1.4 Millionen Franken.

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Herr Montanari, wie schwierig ist es, ein Budget für eine Gemeinde zu erstellen?
Heinz Montanari: Ich denke es ist von zwei Sachen geprägt. Den Aufwand haben die meisten Gemeinden ziemlich gut im Griff. Allerdings werden immer relativ viele Investitionen in den Budgets eingestellt. Diese Projekte sind innert eines Jahres aber gar nicht immer so rasch umsetzbar. Die Behörden sind also teilweise zu optimistisch, was die Umsetzung der verschiedenen Projekte angeht. Dadurch gibt es bei der Abrechnung weniger hohe Ausgaben, das Ergebnis ist besser als vorgesehen.

Beim Ertrag budgetieren die Behörden hingegen weniger optimistisch.
Genau, dort wird zurückhaltender budgetiert. Gerade die Steuererträge sind aber auch sehr schwierig vorauszusehen. Man kann etwa schlecht abschätzen, wie es den Firmen in der Gemeinde wirtschaftlich gerade so läuft. Auch die Grundstückgewinnsteuern bei Landverkäufen sind schwer voraussehbar. Es ist aber auch ein gutes Stück Vorsicht dabei. Denn man kommuniziert als Behörde lieber ein besseres als ein schlechteres Ergebnis.

«Man kommuniziert als Behörde lieber ein besseres als ein schlechteres Ergebnis.»Heinz Montanari, 
Leiter Gemeindefinanzen Kantonales Gemeindeamt

Basiert diese Vorsicht also auch auf politischem Kalkül, um an der Versammlung nicht ständig über die Höhe der Steuern diskutieren zu müssen?
Das kann gut sein. Durch einen gewissen Konservatismus beim Budgetieren schwankt der Steuerfuss weniger rauf und runter.

Es gibt ja grundsätzlich zwei ansätze: Man passt den Steuerfuss rasch an oder man lässt ihn konstant in Ruhe. Was ist im Kanton verbreiteter?
Der konstante Steuerfuss ist in den Zürcher Gemeinden stärker verbreitet.

Weshalb? Wenn es finanziell gut läuft, sollten die Steuern doch gesenkt werden. Das würde wiederum Besserverdienende anziehen.
Die Überlegung hinter einem konstanten Steuerfuss ist es, für möglichst stabile Verhältnisse zu sorgen. Private und Firmen wissen woran sie sind, wenn sie vorausplanen.

Kann man aufgrund der Abschlüsse der letzten Jahre sagen: «Den Gemeinden geht es finanziell immer besser»?
Ja und Nein. Die Steuerkraft hat sich in den letzten Jahren gut bis sehr gut entwickelt. Nein, weil die Verschuldung über viele Jahre gewachsen und erst im Jahr 2016 wieder rückläufig ist. Es wird sich zeigen, ob ein weiterer Abbau der Schulden durch die guten Ergebnisse möglich wird.

Was heisst das in konkreten Zahlen ausgedrückt?
Im Vergleich zum Vorjahr wird die Steuerkraft pro Person im kantonalen Schnitt — ohne Stadt Zürich — schätzungsweise um 2,5 Prozent zunehmen. Von 3593 auf 3683 Franken. Die langfristigen Schulden waren 2010 bei rund 7,5 Milliarden, für 2016 lagen Sie bei 8,8 Milliarden Franken. Die Zahlen für 2017 stehen noch nicht zur Verfügung.

Worauf sind diese Zahlen zurückzuführen?
Wirtschaftlich gesehen läuft es allgemein gut bis sehr gut. Allerdings haben die Gemeinden auch hohe Investitionen, die sie offensichtlich nicht vollständig selber finanzieren können.

Erstellt: 08.06.2018, 17:36 Uhr

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