Seuzach

«Es wurde alles nochmals geröntgt»

Sie legen den Delegierten nächste Woche mit gutem Gewissen einen fundierten Baukredit vor, sagen die drei Hauptverantwortlichen des Zweckverbands Alterszentrum im Geeren. Das neue Projektmanagement habe die Hausaufgaben gemacht.

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Von aussen betrachtet scheint das Projekt zur Erweiterung und Sanierung des Alterszentrums aus dem Ruder zu laufen. Der Baukredit wird ständig höher und eine Gemeinde will aus dem Zweckverband austreten. Was lief hier schief?
Urs Müller: Gar nichts, ausser, dass es sich um ein sehr komplexes Projekt handelt, dessen Entwicklung Zeit braucht und dessen Detaillierungsgrad ständig erhöht wird. Im Architekturwettbewerb wurden im Sinne eines Anforderungsprofils Wünsche definiert. Aber kein Siegerprojekt wird eins zu eins umgesetzt. Als wir erfahren haben, dass die ursprüngliche Wunschliste zu teuer wird, mussten wir sie überarbeiten.

Seit dem Projektwettbewerb 2013 sind verschiedene Kostendächer genannt worden. Das Projekt sollte 45 Millionen Franken kosten, und jetzt ist von 53 Millionen Franken die Rede.
Kurt Roth: Das Kostendach von 45 Millionen Franken wurde von der Bevölkerung im Oktober 2015 an der Urne akzeptiert, als der Projektierungskredit haushoch angenommen wurde. Die Kreditbeträge von 45 Millionen und 53 Millionen Franken lassen sich nicht so ohne Weiteres vergleichen. Man muss berücksichtigen, was jeweils eingerechnet ist, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.

Man muss berücksichtigen, was jeweils eingerechnet ist, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.

Müller: Bei den 53 Millionen sind der Projektierungskredit, die Mehrwertsteuer, eine Baureserve sowie die Sanierung von zwei 40-jährigen Gebäuden mit Ölheizung eingerechnet. Letzteres wäre im Unterhalt ohnehin fällig geworden.

Einige vermuten hinter der Verteuerung eine Salamitaktik.
Jürg Allenspach: Dagegen verwahre ich mich entschieden. Wir sprechen hier von der Verteuerung gegenüber noch gar nicht erhobenen Kosten. Bei der Berechnung für den Neubau hat sich praktisch nichts geändert. Bei der Sanierung der bestehenden Gebäude wussten wir am Anfang nicht, was alles auf uns zu kommt und es galt der Bausubstanz Rechnung zu tragen.

Roth: Sanieren ist bekanntlich teurer als neu bauen. Hinzu kommt, dass wir die Abschreibungsdauer von 33 auf 20 Jahre reduziert haben, um nachfolgenden Generationen keinen Schuldenberg zu hinterlassen.

Auf Einzelzimmer mit Nasszellen soll im Sanierungsteil verzichtet werden. Ist das abgespeckte Projekt überhaupt noch konkurrenzfähig?
Roth: Ja sicher. Das neue Projektmanagement hat Anfang Jahr sofort einen neuen Bauausschuss mit zwei unabhängigen Experten eingesetzt, der bauseitig alles nochmals geröntgt hat. Zudem haben wir mit grossem Aufwand eine Tragbarkeitsrechnung sowie den Businessplan fertig gestellt. Wir werden den Delegierten am kommenden Mittwoch mit gutem Gewissen einen fundierten Baukredit vorlegen.

Wir werden den Delegierten am kommenden Mittwoch mit gutem Gewissen einen fundierten Baukredit vorlegen.

Müller: Auch im Neubau wird es übrigens rund 20 Prozent Zweierzimmer geben. Wir haben das von Anfang an im Anforderungsprofil so festgehalten und geplant. Heute sind im Demenzbereich zum Beispiel Zweierzimmer empfohlen.

An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 25. Oktober wird über die Höhe des einzuschiessenden Kapitals entschieden. Haben Sie eine konsensfähige Vorlage parat?
Allenspach: Wir haben uns zusammen mit dem Finanzausschuss intensiv mit den verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten befasst und werden den Delegierten am kommenden Mittwoch drei Varianten vorlegen.

Darunter auch eine ohne Einschuss von Eigenkapital, wie vereinzelt gefordert wurde?
Allenspach: Es ist eine Illusion zu glauben, der Ausbau lasse sich ohne Eigenkapital finanzieren. Das wurde auch nie so gesagt. Wir werden am Mittwoch nochmals plastisch erläutern, weshalb die Null-Variante nicht geht.

Müller: Vergessen wir nicht: Wären wir immer noch der alte Zweckverband, müssten die Gemeinden das ganze Umbauprojekt bezahlen. Die Statutenänderung wurde ja durchgeführt, um die Belastung für die Gemeinden zu reduzieren, konkret vom damaligen Kostendach von 45 Millionen auf 15 Millionen Franken Eigenkapitaleinschuss.

Roth: Die Gemeinde Wiesendangen hätte vor der Statutenrevision beispielsweise einen Anteil von über 7 Millionen Franken an das Ausbauprojekt zahlen müssen. Jetzt wird ihr Beitrag je nach Variante zwischen zwei und drei Millionen Franken zu liegen kommen. Einen Nullbeitrag hat auch der alte Vorstand nie versprochen.

Der Gemeinderat von Ellikon an der Thur will aus dem Zweckverband austreten. Was würde das bedeuten?
Roth: Natürlich hat jede Gemeinde das Recht auszusteigen. Und bei Ellikon spielen ja auch geografische Überlegungen mit. Der Zeitpunkt ist aus Sicht des AZiG wegen der bevorstehenden Abstimmung über das Bauprojekt aber nicht unbedingt gut gewählt. Falls das Bauprojekt im März angenommen wird, müsste Ellikon gemäss Statuten noch bis Ende 2019 Einschüsse ins Eigekapital leisten. Für das AZiG wäre ein Austritt Ellikons nicht so gravierend, wie wenn es sich etwa um eine grosse Gemeinde wie Seuzach handeln würde.

(Der Landbote)

Erstellt: 18.10.2017, 22:56 Uhr

Nach der Re-Organisation: Kurt Roth präsidiert die neue Betriebskommission.... (Bild: Heinz Diener)

... Urs Müller leitet die Geschäfte des Alterszentrums ... (Bild: Heinz Diener)

... und Jürg Allenspach präsidiert die Delegiertenversammlung des Zweckverbands (Bild: Heinz Diener)

Weitere Schritte

An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 25. Oktober sollen die Delegierten der 12 Zweckverbandsgemeinden den definitive Baukredit für die Erweiterung und Teilsanierung des Alterszentrums im Geeren (AZiG) beschliessen.

Zuletzt war von 53 Millionen Franken die Rede. Dieser soll im März 2018 an die Urne kommen. Bei Zustimmung und reibungslosem Baubewilligungsverfahren würde mit dem Umbau im ersten Quartal 2019 begonnen.

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