Aadorf

E-Zigaretten mit Nikotin wieder im Verkauf

Eine Aadorfer Firma hat vor Gericht durchgesetzt, dass nikotinhaltige Flüssigkeiten für E-Zigaretten in der Schweiz wieder verkauft werden dürfen. Die grosse Frage aber bleibt unbeantwortet: Wie gesund ist die gesündere E-Zigarette?

Stefan Meile, Geschäftsführer der Aadorfer InSmoke AG.

Stefan Meile, Geschäftsführer der Aadorfer InSmoke AG. Bild: Donato Caspari

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Zweieinhalb Jahre lang war der Verkauf von nikotinhaltigen Flüssigkeiten für E-Zigaretten, sogenannte Liquids, hierzulande verboten (siehe Infobox). Das Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (BLV) hatte eine Verfügung erlassen, da die nikotinhaltigen Liquids «die Gesundheit von Menschen gefährde». Doch die Dampfraucher in der Schweiz mussten nicht auf das Nikotin verzichten. Die legalen, nikotinfreien Liquids wurden nach dem Kauf vom Händler mit einer Dosis Nikotin versetzt. Das Nikotin stammte aus dem Ausland, für den Eigengebrauch galt die Verfügung des BLV nicht.

Dank Formfehler gewonnen

Diese Episode gehört nun aber wieder der Vergangenheit an. Bei der InSmoke AG in Aadorf werden seit Ende April wieder Liquids mit Nikotin gemischt und abgefüllt. Das Bundesverwaltungsgericht hat der Firma von Stefan Meile recht gegeben. Sie hatte sich gegen die Verfügung gewehrt. Meile sagt: «Unsere Liquids gefährden die Gesundheit nicht.»

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Gesundheitsfrage in seinem Urteil aber umschifft. Die Verfügung wurde nur wegen eines Formfehlers aufgehoben. Meile sieht dahinter einen Vorwand des Gerichts, um sich nicht politisch äussern zu müssen: «Um einen Formfehler auf einem A4-Dokument zu entdecken, benötigt man doch keine zweieinhalb Jahre.»

Einig sind sich Gegner und Befürworter nur in einer Sache: Die E-Zigarette ist weniger schädlich als normale Zigaretten. Langfristige Untersuchungen zu E-Zigaretten fehlen aber, da es sich um ein neueres Produkt handelt.

Der Fachverband Sucht schreibt in einem Positionspapier zur E-Zigarette: «Beim Verdampfen entstehen die Schadstoffe, die beim Verbrennen von Tabak entstehen, nicht.» Der Verband fordert deshalb Bund und Kantone auf, die E-Zigarette als «Mittel zur Schadensminderung» anzuerkennen und das Verdampfen bei jenen Menschen zu fördern, die bereits Tabak konsumieren und damit nicht aufhören können. Das betont auch Meile: «Wir sind ein riesiges Potential für die Volksgesundheit.» Die Zielgruppe der Branche seien die Tabakraucher, nicht die Nichtraucher.

Gesetz wird überarbeitet

Diese Debatte wird entscheidend für das neue Tabakproduktegesetz sein. Derzeit wird es revidiert, ein zweiter Vorentwurf kam in die Vernehmlassung. Der Branchenverband Swiss Vape Trade Association fordert in einer Stellungnahme eine Differenzierung zwischen elektronischen und herkömmlichen Zigaretten. Unter anderem werden auch Subventionen des Bundesamt für Gesundheit als angebracht erachtet, um die Gesundheit von Rauchern zu fördern.

«Wir sind ein riesiges Potential für die Volksgesundheit.»Stefan Meile, Geschäftsführer InSmoke AG

Ein grosser Streitpunkt ist auch die Werbung: Soll diese für E-Zigaretten erlaubt sein, um Rauchern den Umstieg schmackhaft zu machen, oder werden dadurch Jugendliche zum Nikotinkonsum angeregt?

Letzteres befürchtet die Lungengenliga Schweiz. Denn die «Dampfgeräte» sind vor allem bei jungen Menschen beliebt, auch das Marketing der Branche richtet sich an ein eher jüngeres Publikum. Es existieren beispielsweise bereits E-Zigaretten, die in Smartphones integriert sind, sogenannte Vaporizer-Phones. Statt einer Antenne ragt ein Mundstück aus dem Telefon. Deshalb fordert die Lungenliga, dass mit dem neuen Tabakproduktegesetz E-Zigaretten mit herkömmlichen Zigaretten gleichzusetzen sind, um die Nichtraucher zu schützen.

Forscher in Grossbritannien haben sich mit dem Jugendschutz ebenfalls befasst. Die staatliche Gesundheitsorganisation «Public Health England» betrachtet die E-Zigarette aufgrund von Studien nicht als Einstieg für den Tabakkonsum. Professorin Linda Bauld von Universität Stirling sagte im Februar: «Nur ein unwesentlicher Teil, weniger als ein Prozent der Jugendlichen Nichtraucher, hat mit dem Konsumieren von E-Zigaretten begonnen.» Das Dampfen wird als «mindestens 95 Prozent weniger schädlich als Rauchen» eingeschätzt. Für Meile ist dies eine vorsichtige Schätzung: «Wir gehen von 99,9 Prozent aus.»

Trotzdem: Gesünder heisst noch nicht gesund. Das deutsche Krebsforschungszentrum spricht der E-Zigarette «krebserzeugendes Potential» zu.

Rekurs eher unwahrscheinlich

Dass das BLV das Urteil von Ende April ans Bundesgericht weiterzieht, scheint eher unwahrscheinlich. Zwar heisst es von der Medienstelle, dass noch kein Entscheid gefallen sei, auf der Homepage des Bundesamts wird das Urteil zu den E-Zigaretten aber bereits prominent kommuniziert. Ganz so, als ob der Entscheid bereits endgültig wäre.

Meile verkaufte die Liquids 2015 für ein halbes Jahr lang. Er stützte sich dabei auf das Cassis-de-Dijon-Prinzip. Nach diesem dürfen Produkte, die den technischen Vorschriften der EU entsprechen und dort legal in Verkehr sind, grundsätzlich auch in der Schweiz frei zirkulieren.

Nach Bekanntgabe des Urteils begann Meile sofort wieder nikotionhaltige Liquids zu produzieren. Die Produktion hat sich seither vervierfacht. Die Branche hat laut eigenen Angaben im letzten Jahr über 50 Millionen Franken eingenommen. (Landbote)

Erstellt: 14.05.2018, 16:31 Uhr

Infobox

Eine E-Zigarette erhitzt die Flüssigkeit im Innern. Der daraus entstehende Dampf wird eingeatmet. Anstatt von Rauchen spricht man auch vom Dampfen. Die Branche nennt E-Zigaretten auch E-Dampfgeräte. Nicht zu verwechseln sind die dampfenden Geräte mit den sogenannten «Heat-not-burn»-Produkten. Dabei wird der Tabak mit einem elektronischen Gerät erwärmt, anstatt angezündet. Damit wollen die internationalen Tabakkonzerne ebenfalls gesündere Zigaretten anbieten. Unabhänige Studien belegen diesen Effekt allerdings nicht. (gab)

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