Zell

Fabrikbesitzer plant «bezahlbare Wohnungen»

Der ältere Teil des Spinnerei-Ensembles in Kollbrunn ist seit Kurzem verlassen. Multimillionär Adrian Gasser will die Liegenschaft aus dem 19. Jahrhundert umbauen. Doch es brauche Zeit, bis die Planung abgeschlossen ist.

Das Fabrik-Ensemble in Kollbrunn ist ein wichtiger Zeuge frühindustrieller Entwicklung. Foto: Marc Dahinden

Das Fabrik-Ensemble in Kollbrunn ist ein wichtiger Zeuge frühindustrieller Entwicklung. Foto: Marc Dahinden

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Das Zeller Dorf Kollbrunn entwickelt sich rasch. An der Tösstalstrasse sind neue Wohnblöcke inklusive Migros entstanden. Und auch auf der gegenüberliegenden Seite der Tösstalstrasse tut sich etwas. Sämtliche Mieter sind aus dem älteren Teil der ehemaligen Spinnerei-Liegenschaft ausgezogen.

Wie es mit dem historisch wertvollen Gebäude weitergeht, ist jedoch nach wie vor offen: «Ich kann derzeit noch nichts Genaues sagen», sagt Besitzer Adrian Gasser von der Lorze AG. Die Planung sei aufgrund diverser Auflagen sehr komplex und brauche deshalb noch Zeit. Vorgesehen seien im Altbau vor allem neue Wohnungen, die «möglichst so gebaut werden sollen, dass sie bezahlbar bleiben.» Auch Gewerberäume oder Büros seien geplant.

Initiative lanciert

Adrian Gasser ist eine schweizweit bekannte Persönlichkeit und schon seit vielen Jahren Eigentümer der teilweise denkmalgeschützten Liegenschaft in Kollbrunn. Zuletzt sorgte der Patron mit der Justiz-Initiative für Aufsehen, die im August 2019 eingereicht wurde.

«Ich werde mich dieses Jahr um die Liegenschaft kümmern.»Adrian Gasser
Unternehmer

Sie verlangt, dass Bundesrichter nicht mehr vom Parlament gewählt, sondern per Fachkommission und Losverfahren eingesetzt werden. Im Dezember zählte ihn die «Bilanz» zu den 300 reichsten Schweizern und schätzte sein Vermögen auf 250 bis 300 Millionen Franken.

In Kollbrunn tauchte der Name Gasser im Jahr 1989 auf. Die Schmid AG übernahm damals den Betrieb in Kollbrunn, Gasser war Verwaltungsratsdelegierter der Firma. Zuvor hatte die Fabrik der Eduard Bühler AG gehört. Schon in den 1830er-Jahren wurde die Spinnerei von der Familie Bühler in Kollbrunn gegründet, wie aus dem Historischen Lexikon der Schweiz hervorgeht.

Adrian Gasser schloss die Spinnerei in Kollbrunn bald nach der Übernahme – wegen eines Befalls von Messingkäfern. Der Allesfresser hatte sich im älteren Teil der Liegenschaft eingenistet und das Garn angegriffen. «DRS aktuell» berichtete Anfang 1990 ausführlich über den Vorfall und zeigte die Insekten im Bild.

Die Meinungen, ob die Schliessung wegen des Befalls nötig gewesen wäre, gingen weit auseinander. Adrian Gasser blieb jedoch überzeugt davon, dass der Einschnitt nötig gewesen war. Nach Sanierungsarbeiten eröffnete er die Spinnerei in Kollbrunn erneut. Das definitive Aus der Fabrik kam dennoch bald, die lange Geschichte der Baumwollspinnerei endete 1994 mit einem Konflikt Gassers mit der Arbeiterschaft. Gasser musste sich in dieser Zeit einiges anhören. Vor allem Gewerkschaften kritisierten ihn damals scharf.

Wichtiger Zeitzeuge

Nach der Schliessung zogen mehrere Firmen an die Tösstalstrasse 23, so etwa «Kokon» oder «MotoShop», inzwischen sind die meisten Mieter weg, der ältere Teil der Liegenschaft steht leer, ist aber denkmalgeschützt.

Der Gesamtkomplex der ehemaligen Spinnerei Eduard Bühler zählt gemäss Denkmalpflege zu den wichtigsten erhaltenen Fabrikanlagen des Kantons. Hervorzuheben sei vor allem das Zusammenspiel von landschaftlichen, architektonischen und wasserbaulichen Teilen. Das historische Gebäude bleibe sicher erhalten, sagt auch Gasser: «Da habe ich keine Zweifel.» Und er verspricht, sich noch dieses Jahr um die Zukunft der Liegenschaft zu kümmern.

Erstellt: 15.01.2020, 17:52 Uhr

Adrian Gasser hat Grosses vor.

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