Zell

FDP-Kandidat erntet Kritik 

Georg Brunner von der FDP musste sich an einer Podiumsdiskussion von anderen Tösstaler Kantonsratskandidaten einiges anhören: Sie sind mit der aktuellen Politik seiner Partei gar nicht einverstanden.

Regula Ehrismann (EVP), Markus Schaaf (EVP), Viviane Kägi (GLP), Georg Brunner (FDP), Theres Agosti Monn (SP) und Urs Hans (Grüne) diskutierten am Montagabend in Rikon (von links). Fotos: mas/PD/nag/sib

Regula Ehrismann (EVP), Markus Schaaf (EVP), Viviane Kägi (GLP), Georg Brunner (FDP), Theres Agosti Monn (SP) und Urs Hans (Grüne) diskutierten am Montagabend in Rikon (von links). Fotos: mas/PD/nag/sib

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Erst gegen Ende der Debatte am Montagabend in Rikon war die Stimmung wieder versöhnlich. Urs Hans (Grüne) hatte gerade zum wiederholten Mal gegen liberale Politik und die Pharmaindustrie gewettert, als eine Frau aus dem rund 20-köpfigen Publikum das Wort ergriff und ihn direkt fragte, wie er denn als Landwirt zur SVP stehe. «Pro oder kontra?» Urs Hans antwortete ihr, er könne im Kantonsrat grundsätzlich mit allen zusammenarbeiten, auch mit der SVP und der FDP. «Da habe ich keine Hemmungen.»

Wer soll das bezahlen?

Es war bezeichnend, dass sich nach dieser Podiumsdiskussion jemand aus dem Publikum für die Beziehung eines Kandidaten zu den Bürgerlichen interessierte. Denn FDP-Kandidat Georg Brunner, Metzgermeister und Gemeindepräsident in Turbenthal, erntete als Bürgerlicher von allen Seiten teils harsche Kritik an der Politik seiner Partei. So etwa beim Themenblock Finanzen von EVP-Kantonsrat und Heimleiter Markus Schaaf: «Die FDP will die Steuern für die richtig Reichen senken.» Dafür bleibe weniger Geld übrig für die Polizei, das Gesundheitswesen und generell den Mittelstand. «Das geht so nicht.» SP-Kantonsrätin Theres Agosti Monn doppelte nach: «Wie sollen mit dieser Steuerstrategie die öffentlichen Dienstleistungen finanziert werden?» Und Urs Hans fragte rhetorisch, woher denn das Geld für die Bildung kommen soll, wenn man ständig die Steuern senken wolle. Professuren würden heute schon von Firmen gesponsert. «Bildung ist aber die Aufgabe des Staates.» 

Georg Brunner (FDP) erwiderte darauf, dass es am besten funktioniere, wenn die Universität mit der Wirtschaft zusammenarbeite. «Das ist kein Nachteil.» Und zur Steuerstrategie seiner Partei meinte er, dass jene mit den grössten Einkommen insgesamt am meisten Steuern zahlen würden. «Wir müssen aufpassen: Wer zahlt das alles, wenn die Reichen weg sind?»

Viviane Kägi, die für die Grünliberalen kandidiert, plädierte hingegen für eine ökologische Steuerreform mit besserem Anreizsystem. Steuerschlupflöcher müssten zudem gestopft und Familien entlastet werden. Weiter sprach sich die Bankkauffrau für Tagesschulen aus. Noch deutlicher wurde sie, als Moderator und Historiker Erwin Eugster zum Thema Energie wechselte: «Die Mehrheiten im Kantonsrat müssen ändern, damit Umweltanliegen durchkommen.»

Weniger Flüge, mehr Natur

Als die Klimastreiks zahlreicher Schüler zur Sprache kamen, sagte Georg Brunner, er finde es toll, wenn sich junge Leute engagieren. Er freue sich dann aber auch darauf, wenn dadurch weniger Leute über das Tösstal fliegen und viele gegen eine Pistenverlängerung am Flughafen abstimmen. Urs Hans reagierte prompt und sagte mit einem Lachen: Die FDP sei aber für eine Pistenverlängerung. Theres Agosti Monn sprach sich wie schon an der Podiumsdiskussion in Turben­thal für einen stärkeren Naturschutz im Kanton aus. «Wir müssen jedes Jahr um das Budget kämpfen.» Und Markus Schaaf bedauerte es, dass es im Kantonsrat jeweils Diskussionen auslöse, wenn es um energetische Massnahmen bei kantonalen Gebäuden gehe. «Das müsste doch selbstverständlich sein.» Im Namen von Regula Ehrismann sagte er, dass sich diese für eine Politik einsetze, die «enkeltauglich» sei und Rücksicht auf kommende Generationen nehme. Die Zeller Gemeindepräsidentin selber war am Montagabend so erkältet, dass sie kaum flüstern konnte.

Erstellt: 06.02.2019, 08:58 Uhr

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