Turbenthal

Fluglärmgegner hoffen auf Wandel dank Klimadebatte

Am Podium in Turbenthal waren sich alle einig: Es braucht mehr Klimaschutz. Während FDP-Politiker vor allem auf Innovation und Eigenverantwortung hoffen, fordern Fluglärmgegner Sofortmassnahmen.

Podiumsdiskussion über Fluglärm in der Grosshalle in Turbenthal mit Marcel Hänggi, Ruedi Noser, Ständerat FDP, Barbara Günthard - Maier, Winterthurer Stadträtin FDP, Moderator Jonas Gabrieli, Landbote, Priska Seiler Graf, Nationalrätin SP, Felix Caduff , Urs Dietschi

Podiumsdiskussion über Fluglärm in der Grosshalle in Turbenthal mit Marcel Hänggi, Ruedi Noser, Ständerat FDP, Barbara Günthard - Maier, Winterthurer Stadträtin FDP, Moderator Jonas Gabrieli, Landbote, Priska Seiler Graf, Nationalrätin SP, Felix Caduff , Urs Dietschi Bild: Nathalie Guinand

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FDP-Ständerat Ruedi Noser sprach sich auf dem Podium in Turbenthal nicht grundsätzlich gegen Flüge aus: «Man soll sich gegenseitig besuchen können und die Welt kennenlernen», sagte er am Mittwochabend vor rund 150 Zuschauern. Eine Flugticketabgabe sieht er zudem nicht in erster Linie als Instrument, um Flüge zu verhindern: «Das Ziel ist nicht, dass jemand deswegen nicht fliegt.» Zwar sei bei Flügen nach Paris oder Berlin eine gewisse Lenkungswirkung möglich, nicht aber bei Flügen nach New York. Entscheidender sei, dass dank der Abgabe Geld in einen Klimafonds fliesse. Damit könne man Innovationen fördern und das Fliegen klimaverträglicher machen.

Mit dieser Argumentation war Kantonsrat Urs Dietschi (Grüne) gar nicht einverstanden. Der Vorstand von Bürgerprotest Fluglärm Ost plädierte für eine hohe Flugticketabgabe, die «wehtut» und die man «hinten rechts» spürt. Früher seien Flüge viel teurer gewesen, dass müsse wieder der Fall sein. Weiterhin nehme der Flugverkehr und damit der Lärm ungebremst zu. «So kann es nicht weitergehen!»

Auch SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf aus Kloten gab sich mit «dem vertrösten auf Innovation» nicht zufrieden. Es brauche Alternativen zu Kurzstreckenflügen. So könne man etwa Nachtzüge wieder attraktiver machen. Als weiteres «Rezept» erwähnte die Co-Präsidentin der Luftverkehr Koalition Klug weltweite Steuern auf Kerosin.

«Innovation alleine rettet uns nicht»

Ebenfalls auf dem Podium, das von «Landbote»-Redaktor Jonas Gabrieli moderiert wurde, diskutierte Marcel Hänggi, der Initiant der Gletscherinitative. Er plädierte für einen technischen und gesellschaftlichen Wandel. «Innovation allein rettet uns nicht», sagte er. So seien wohl auch Verbote nötig. «Es gibt ohnehin keine freiheitliche Ordnung ohne Verbote.» Verschiedene Verbrechen seien beispielsweise auch nicht erlaubt. Da könne man das zerstören von Grundlagen ebenfalls verbieten. Ruedi Noser widersprach dem nicht grundsätzlich. Angesichts der Klimaziele bis 2050 dürfe man heutzutage eigentlich keine neuen Ölheizungen mehr einbauen, sagte er.

Die Winterthurer FDP-Stadträtin Barbara Günthard-Maier sieht Verbote ebenfalls als denkbares Mittel, sie machte sich aber vor allem für Eigenverantwortung stark. Jeder könne zum Klimaschutz einen Beitrag leisten, sagte sie. «Wir wissen doch alle, dass wir uns einschränken können. Also Just do it.» Die Stadt Winterthur nehme den Klimawandel sehr ernst. Seit 2012 werde der CO2-Austoss gesenkt. Der Absenkungspfad flache derzeit allerdings ab, da viele einfachere Massnahmen umgesetzt seien. Die Stadt erarbeite deshalb derzeit Varianten, um aufzuzeigen, wie der Klimaschutz weiter verbessert werden könne. «Es wird einen Preis haben.»

Dem Initiant des Podiums, Felix Caduff, gingen die meisten in den rund zwei Stunden debattierten Vorschläge zu wenig weit. «Es braucht radikalere Lösungen», sagte der Co-Präsident der SP-Turbenthal in der Schlussrunde.

Erstellt: 05.09.2019, 13:31 Uhr

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