Tösstal

Frauen sind die Gewinnerinnen der Wahlen

Der Frauenanteil in den Tösstaler Behörden hat sich mit den Wahlen erhöht. Ein Grund dafür ist das Frauenforum. Die Mitgliederzahl wächst, manche Frauen fühlen sich bestärkt.

In Turbenthal wurden gleich zwei Frauen in den Gemeinderat gewählt.

In Turbenthal wurden gleich zwei Frauen in den Gemeinderat gewählt. Bild: Marc Dahinden

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Zwei Frauen haben am Sonntag in Turbenthal den Sprung in den Gemeinderat geschafft. Auch in Wildberg regiert seit den Wahlen nicht mehr ein reines Männergremium: Mit Sabine Oberländer ist eine Vertreterin des Frauenforums Tösstal und Umgebung neu in den Gemeinderat gewählt worden. Sie ist nicht die einzige, welche das erst kürzlich gegründete Forum vor den Wahlen unterstützt hatte. 12 Kandidatinnen standen auf der Liste des Forums. Und bis auf eine Kandidatin wurden alle gewählt, teilweise mit Glanzresultaten. Sabine Oberländer holte in Wildberg mehr Stimmen als der Gemeindepräsident und überholte zwei Bisherige Gemeinderäte. «Die Solidarität anderer Frauen zu spüren, hat mich bestärkt», sagt sie. Das Frauenforum habe viele inspiriert und innert kurzer Zeit einiges bewegt.

«Es bewegt sich etwas.»Cornelia Oelschlegel, Präsidentin Frauenforum Tösstal und Umgebung

Das lässt sich mit Zahlen untermauern: Vor den Erneuerungswahlen waren in den Gemeinderäten von Bauma, Turbenthal, Wila, Wildberg und Zell gerade mal drei Frauen vertreten. Nach den Wahlen sind es immerhin schon acht von insgesamt 31. Darüber hinaus wurde Regula Ehrismann mit einem Spitzenresultat zur ersten Gemeindepräsidentin in Zell gewählt.

Nach Wahlen ist vor Wahlen

Es überrascht daher nicht, dass Cornelia Oelschlegel hocherfreut ist über den Ausgang der Wahlen. Sie ist Präsidentin und Mitgründerin des Tösstaler Frauenforums. «Es bewegt sich etwas», sagt sie. In den Kirchenpflegen und den Schulpflegen sei das Verhältnis von Frauen und Männern schon länger ausgeglichener. Ziel sei es, dies auch in den Gemeinderäten zu erreichen. «Ein erster Schritt in diese Richtung ist nun getan.» Man merke, dass auch männlich dominierte Behörden Frauen gegenüber sehr offen seien, sagt Oelschlegel weiter.

Das Frauenforum hat damit einen Blitzstart hingelegt. Nach mehreren Veranstaltungen wurde es erst im vergangenen Herbst gegründet. 27 Mitglieder zählte das Forum damals. Inzwischen sind es schon bald 50.

«Viele wollten eine Frau im Gemeinderat.»Katharina Fenner, neu gewählte Gemeinderätin Turbenthal

Das Forum bleibt auch nach den Wahlen aktiv. Am Donnerstag ist eine Wahlfeier geplant. Danach würden die Wahlen analysiert. Die gewählten Frauen wolle man bei Bedarf unterstützen.

Die nötige Erfahrung dafür ist im Frauenforum vorhanden. Cornelia Oelschlegel war selber zwölf Jahre lang Präsidentin der Sekundarschulpflege. Zu den Gründerinnen gehören zudem SP-Kantonsrätin Theres Agosti und Gabriella Pfaffenbichler, die am Sonntag als Präsidentin der Primarschulpflege Turbenthal mit einem guten Resultat bestätigt wurde.

Auch andere Faktoren zählen

Die meisten neu gewählten Gemeinderätinnen sind allerdings nicht Mitglied im Frauenforum, so etwa die beiden Frauen in Turbenthal. Die parteilose Katrin Ruzicka-Eigenbauer sagt aber: «Ich freue mich, dass neu zwei Frauen im Gemeinderat sind.» Wichtiger als das Geschlecht der Kandidierenden sei für sie das Können. Ganz ähnlich sieht es Katharina Fenner (FDP): Frau sein alleine sei kein politischer Leistungsausweis, sagt sie. Ihr gehe es um die Qualität der Arbeit. «Es hatte aber sicher einen Einfluss auf die Wahlen, dass in Turbenthal viele eine Frau im Gemeinderat wollten.» Sie sei auch von vielen Männern auf das Thema angesprochen worden.

Wie die beiden Turbenthalerinnen freut sich auch Patricia Heuberger, die in Zell neu in den Gemeinderat gewählt wurde, über das Ergebnis der Wahlen im Tösstal. Die SP-Kandidatin hat in der bürgerlich dominierten Gemeinde das absolute Mehr auf Anhieb weit übertroffen und holte damit Stimmen über die Parteigrenzen hinaus. «Man erhält viel Unterstützung und stösst auf Wohlwollen, wenn man sich auf kommunaler Ebene politisch engagiert», sagt Patricia Heuberger. «Gerade als Frau.»

«Wichtiger ist das Können.»Katrin Ruzicka-Eigenbauer neu gewählte Gemeinderätin Turbenthal

Ihr sei mehr Diversität in den Behörden ein Anliegen. Dabei gehe es aber nicht nur um das Geschlecht. Wichtig sei auch, dass verschiedene Altersgruppen und Hintergründe vertreten seien, damit ausgewogene Lösungen entstehen könnten. Erfreulich findet sie deshalb nicht nur, dass mit den Wahlen die Behörden im Tösstal weiblicher geworden sind, sondern auch dass mehr jüngere in die Ämter gewählt wurden. Welchen Einfluss das Frauenforum auf die Wahlen im Tösstal hatte, sei schwierig abzuschätzen, sagt Heuberger weiter. Aber: «Das Forum hat vor den Wahlen sicherlich das Bewusstsein für den Frauenanteil geschärft.» Luft nach oben gibt es im Tösstal weiter genug. In Wila sitzen weiterhin alles Männer im Gemeinderat. (Landbote)

Erstellt: 23.04.2018, 16:38 Uhr

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