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«Für ein Filet stehen sie an wie an einem Skilift»

Für Hansruedi Jucker von der Metzgerei Jucker in Kollbrunn sind die Tage vor Weihnachten die strengsten des Jahres. Er muss dann jeweils ganz seriös leben.

Hans Jucker hat's streng: Sein Fleisch ist an Weihnachten begehrt.

Hans Jucker hat's streng: Sein Fleisch ist an Weihnachten begehrt. Bild: Rafael Rohner

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Herr Jucker, was essen Sie an Heiligabend?
Hansruedi Jucker: Ein gutes Stück Fleisch, das man aber nicht allzu lange zubereiten muss. Welches genau entscheide ich wohl spontan in unserem Kühlraum. Nur eines weiss ich schon jetzt: Ich werde hundemüde sein.

Wann sind Sie aufgestanden?
Ziemlich sicher früher als Sie! In den letzten Tagen vor Weihnachten circa um 3.30 Uhr. Denn um vier Uhr beginnen wir mit der Arbeit. Feierabend ist erst, wenn wir alle Bestellungen fertig bearbeitet haben, das kann auch mal bis 22 Uhr oder länger dauern. Die Tage vor Weihnachten sind für uns alle sehr intensiv. Es gibt auch Metzger, die in dieser Zeit nächtelang durcharbeiten.

Sie nicht?
Nein. Wir haben viel Erfahrung, und sind gut organisiert. Zudem haben wir ein geniales Team mit rund 25 Mitarbeitern. Mit dieser Truppe macht diese Zeit auch viel Spass. Der Ausgang ist bei mir allerdings gestrichen: schlafen, schaffen, seriös leben, das ist momentan mein Motto.

Wann beginnen für Sie die Feiertage?
Heute Abend um 17 Uhr machen wir Schluss. Dann gibt es zuerst eine kühle Flasche Bier.

Liegt Fondue Chinoise eigentlich immer noch im Trend?
Oh ja! Das verkaufen wir nach wie vor mit Abstand am meisten. Dieses Jahr sind es gegen 300 Kilogramm, also etwa 10 bis 15 Prozent mehr als letztes Jahr. Vermutlich liegt das auch daran, dass in Winterthur dieses Jahr eine Metzgerei schliessen musste. Wir haben generell viele Kunden aus der Stadt. Die Leute kaufen heutzutage gerne in einem Fachgeschäft ein, wo sie sicher sein können, dass die Qualität stimmt. Bei uns schätzen sie vor allem, dass wir einen grossen Teil unseres Fleischs von Bauernhöfen in der Region beziehen und die Tiere in der Nähe selber metzgen.

300 Kilogramm Fondue Chinoise? Das ist viel.
Ja, sie müssen sich das vorstellen. Wir schneiden das alles in feine Häppchen, das bedeutet Arbeit. Sechs Mitarbeiter sind momentan nur damit beschäftigt.

Schmerzen bei Ihnen schon die Handgelenke?
Nein. Ich bin mehr mit Organisieren beschäftigt und springe dort ein, wo Not am Mann ist.

Schon einen Tag vor Weihnachten ist der Laden bei Ihnen auch am Vormittag ständig gefüllt mit Kunden. Wie sieht es am 24. Dezember hier aus?
Die Leute stehen dann für ein schönes Filet oder ein Entrecote zeitweise bis auf die Strasse hinaus an, wie an einem Skilift.

Entsteht manchmal auch ein Gerangel vor der Theke?
Es kann schon etwas eng werden. Wir haben aber genug für alle da. Vieles können wir vorbereiten. Schon ab dem ersten Advent erhalten wir jeweils Bestellungen für Weihnachten. Der grösste Teil konzentriert sich dann allerdings schon auf die letzten Tage. Die Leute kümmern sich zuerst um die Geschenke und dann um das Essen.

Was hat sich in ihrem Familienbetrieb in den vergangenen Jahren am meisten geändert?
Wir müssen immer flexibler werden und auf die Wünsche der Kunden eingehen. Die Ansprüche sind höher geworden.

Gibt es spezielle Wünsche?
Ja. Das geht von Austern über Hummer bis hin zu speziellen Fischen. Dieses Jahr wollte jemand einen Baramundi haben. Das ist ein australischer Fisch.

Woher bekommt man diesen?
In solchen Situationen müssen auch wir zuerst googeln. Den Fisch konnten wir dann von einem Züchter im Kanton Thurgau beziehen. Es gibt jedes Jahr solche Spezialwünsche, die wir wenn irgend möglich erfüllen.

Haben Sie auch einen Vorschlag für Vegetarier?
Heute gibt es in jeder Familie einen Vegetarier, wir bieten deshalb auch für Sie etwas an. So haben wir unter anderem 60 verschiedene Käsespezialitäten aus der Region im Sortiment.

(Der Landbote)

Erstellt: 23.12.2016, 17:32 Uhr

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