Tösstal

Für viele Schmetterlinge die letzte Chance

Ein Verein investiert rund 280 000 Franken jährlich, um neue Lebensräume für Schmetterlinge zu schaffen. Förster Rolf Stricker hilft begeistert mit: «Wenn man jetzt nichts unternimmt, verschwinden bald auch im Tösstal viele Schmetterlinge.»

Die Pflanzen dienen zahlreichen Insekten und Käfern als Nahrungsquelle.

Die Pflanzen dienen zahlreichen Insekten und Käfern als Nahrungsquelle. Bild: Marc Dahinden

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Der steile Wald im Gebiet Rosengarten bei Wila ist eine Besonderheit im Kanton: Violette Türkenbund-Lilien blühen, Wolfseisenhut oder Schlüsselblumen gedeihen. Als Förster Rolf Stricker den lichten Hang hinaufstapft, um das Gebiet zu zeigen, hüpft eilig ein Frosch aus den Gräsern. Überall brummt und summt es. Insekten und bedrohte Schmetterlinge finden in diesem Waldabschnitt auch dann noch Nahrung, wenn im Tal unten die meisten Wiesen gemäht werden. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Gegend zu einem Lebensraum für viele Arten entwickelt. Entstanden ist er im Rahmen des Landschaftsprojekts Tösstal, das der Verein Schmetterlingsförderung Zürich derzeit umsetzt.

Im Jahr 2018 hat der Verein rund 290000 Franken in verschiedene Massnahmen im oberen Tösstal investiert, wie Projektleiter Heinrich Schiess mitteilt. 47 Teilprojekte mit einer Gesamtfläche von 16 Hektaren wurden bearbeitet. Bis ins Jahr 2021 betrage das Budget voraussichtlich jährlich 280000 Franken. Unterstützt wird das Projekt von Stiftungen, einen Beitrag leistet auch der Fonds Landschaft Schweiz.

Erste Erfolge zeigen sich bereits: So hat man in neu gestalteten Flächen zum Beispiel Frühlingsscheckenfalter oder Rundaugen-Mohrenfalter entdeckt.

Auch der Specht profitiert

Rolf Stricker ist einer der Förster, die bei der Umsetzung mithelfen. Er spricht mit Waldbesitzern und schaut vor Ort, was konkret möglich ist. Beim Waldstück im Gebiet Rosengarten konnten Bäume gefällt und Büsche zurückgeschnitten werden, damit mehr Licht auf den Boden fällt. Dadurch wachsen Blumen, die Nahrung für Insekten und Käfer bieten. Nun soll verhindert werden, dass die artenreichen Flächen überwuchern. Das ist zwar aufwendig, es lohne sich aber, sagt der Förster. «Denn je breiter ein Ökosystem aufgestellt ist, desto stabiler wird es.» Um das zu veranschaulichen, zeigt Stricker auf einen Haufen mit Totholz. Dieser biete Nahrung für Spechte, die wiederum Borkenkäfer jagen und so deren Ausbreitung begrenzen. Auch andere Vögel sind auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen und erfüllen verschiedene Funktionen im Wald.

Eine seltene Beobachtung

Doch noch etwas ist Stricker wichtig: «Wenn man jetzt nichts unternimmt, verschwinden bald auch im Tösstal viele Schmetterlinge.» Bis heute gilt das Gebiet als Hotspot im Kanton. Hier kommen noch Arten vor, die andernorts kaum mehr beobachtet werden. Sind sie einmal ganz weg, hätte die nächste Generation kaum mehr eine Chance, diese wieder anzusiedeln, sagt Stricker. Seit bald 30 Jahren arbeitet er als Förster im Gebiet. In dieser Zeit ist er in Sachen Schmetterlinge zum Kenner geworden. Sein Ziel ist es, möglichst alle im Kanton vorkommenden Arten zu fotografieren. Rund drei Viertel hat er bereits im Kasten, über jede Entdeckung freut er sich. So konnte er 2017 in Sternenberg etwa einen Weissen Waldportier fotografieren, der in Zürich bislang kaum je nachgewiesen wurde.

Auf der Artenliste des Kantons sind 134 Tagfalter aufgeführt. Der Verein Schmetterlingsförderung geht davon aus, dass in Zürich derzeit noch rund 90 Arten vorkommen. Bei der neusten Inventarisierung in den Jahren 2011 und 2012 konnten 82 Arten gezählt werden. Einige davon lassen sich laut Verein allerdings nur noch in sehr kleinen Beständen und an wenigen Stellen finden. Bei rund 16 Prozent der Arten haben die Bestände hingegen zugenommen. Bedroht sind vor allem jene Arten, die sich auf bestimmte Lebensräume spezialisiert haben.

Wie die Naturschützer

Zu Beginn seiner Arbeit als Förster habe er sich darüber genervt, dass das Tösstal im Schatten anderer Gebiete wie des Uetlibergs oder des Weinlands stand. «Ich wollte beweisen, dass es hier ebenso wertvolle Arten gibt», sagt Stricker weiter.

Zudem wollte er über Naturthemen genauso viel wissen wie Naturschützer, denen er anfangs kritisch gegenüberstand. Je mehr er über Schmetterlinge lernte, desto spannender sei es geworden. «Es ist unglaublich, wie komplex die Zusammenhänge sind.» Inzwischen ist er überzeugt, beides geht Hand in Hand: wertvolles Holz produzieren und die Artenvielfalt fördern.

Erstellt: 29.06.2019, 10:49 Uhr

Förster Rolf Stricker zeigt im Fördergebiet bei Wila eine Türkenbund-Lilie. (Bild: Rafael Rohner)

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