Russikon

Gemeinde will auf Hilfe im Klassenzimmer nicht mehr verzichten

90'000 Franken soll die Gemeindeversammlung im Dezember sprechen. Damit will die Gemeinde an der Schule Russikon zwei Klassenassistenzen definitiv einführen.

Ein Klassenassistent kann einem Schüler den Schulstoff nochmals erklären wie hier im Schulhaus Sihlfeld in Zürich.

Ein Klassenassistent kann einem Schüler den Schulstoff nochmals erklären wie hier im Schulhaus Sihlfeld in Zürich. Bild: Archiv/Urs Jaudas

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Ein Kind, das den Unterricht in der ersten Klasse stört, oder eines, das im Kindergarten noch nicht alleine aufs WC kann. Das sind alltägliche Situationen und kommen in allen Schulen vor. Lehrpersonen sind deshalb oft stark gefordert. Sie können ihrem Bildungsauftrag in der heutigen Zeit immer weniger gut nachkommen.

Um dem entgegenzuwirken, haben verschiedene Gemeinden in der Region in den vergangenen Jahren sogenannte Klassenassistenzen eingeführt. Dazu gehören Lindau, Illnau-Effretikon, Weisslingen und Wetzikon. Sie entlasten die Lehrpersonen und machen den Unterricht oft erst möglich.

«Die Assistenzen arbeiten sehr engagiert.»Erika Klossner
Bildungsvorsteherin Illnau-Effretikon

Auch Russikon will auf solche Teilzeitmitarbeitende auf allen Stufen nicht mehr verzichten. Der Gemeinderat beantragt deshalb an der Gemeindeversammlung von kommendem 2. Dezember einen jährlich wiederkehrenden Kredit von 90000 Franken.

Das entspricht 75 Stellenprozenten und ist momentan auf zwei Mitarbeitende verteilt. Während einer zweijährigen Versuchsphase hat die Schule Klassenassistenzen getestet. «Die Entlastung ist spürbar und steigert die Unterrichtsqualität», heisst es im Verhandlungsbericht des Gemeinderates. Dies habe eine Evaluation gezeigt.

Assisstenzen bringen Ruhe

Bildungsvorstand David Goldschmid führt das Fazit etwas genauer aus: Eine Assistenz könne sich beispielsweise einem Schüler widmen, der gerade eine Lernblockade habe, aber sonst keine sonderpädagogische Massnahme erhalte. «Dadurch kehrt Ruhe in die Klasse ein.» Diese Zeit habe eine Lehrperson oftmals nicht. Klassenassistenzen ermöglichen auch zusätzliche Unterrichtsformen wie etwa eine Werkstatt oder einen Postenlauf. «Eine Lehrperson alleine kann nicht zehn Posten betreuen», führt Goldschmid aus.

«Wenn man mit den Assistenzen die Unterrichtsqualität steigern kann, dann ist der Nutzen schon sehr gross.»Kurt Portmann
Gemeindepräsident Lindau

Während der Versuchsphase hat die Gemeinde die Personalkosten mit den durch den Einsatz von Schulassistenzen eingesparten Kosten verglichen. Letztere liessen sich nur schwer quantifizieren, sagt der Bildungsvorstand. Sicher sei aber, dass man es zuerst mit einer Klassenassistenz versuche, bevor man einen Schüler in die Sonderschule schicke. Und das kommt günstiger. Die Lehrperson habe in dieser Situation aber einen höheren Aufwand «und dieser ist in den Kosten nicht eingerechnet». Zudem könne sich der Weg- oder Zuzug eines Sonderschülers enorm auf die Kosten auswirken.

In Russikon müssen die Klassenassistenzen keine pädagogische Ausbildung mitbringen, denn die Bildungsverantwortung bleibt bei der Klassenlehrperson und der zugeteilten Heilpädagogin. «Sie brauchen aber sicher ein Flair für Kinder», sagt Goldschmid. Die pädagogische Hochschule Zürich bietet eine Weiterbildung an. Die Gemeinde schreibt sie aber nicht vor. In den beantragten Kosten sind auch jene der Zivilidienstleistenden drin, welche seit 2012 in der Schule ebenfalls mithelfen, etwa bei den Aufgaben oder auf Schulreisen.

«Eine Notlösung»

In Illnau-Effretikon betrachtet Bildungsvorsteherin Erika Klossner Klassenassistenzen eher als Notlösung. Und zwar für sehr schwierige Klassensituationen, in denen sonderpädgagogische Massnahmen nicht ausreichen. Seitens Kanton gebe es keine klaren Vorgaben. «Jede Gemeinde regelt das Thema individuell», sagt sie.

In Illnau-Effretikon sei die Schulpflege derzeit daran, den Bereich vor allem in Bezug auf den Kindergarten zu überprüfen. Es sollen Fragen zu Berufsauftrag, Einsatzort und Weiterbildung geklärt werden. Im Jahr setzt die Stadt 280000 Franken ein. Das reicht für fast 400 Stellenprozente, verteilt auf 17 Kindergärten und 51 Primarschulklassen. Die Erfahrungen seien grundsätzlich gut, sagt Klossner. «Die Assistenzen arbeiten sehr engagiert.»

Nicht mehr auf sie verzichten will Lindau. Seit letztem Sommer stehen sie im Einsatz, im November 2017 haben die Stimmberechtigten einen jährlich wiederkehrenden Kredit von 308000 Franken an der Urne bewilligt, für insgesamt 375 Stellenprozente. «Lehrpersonen und auch Schüler sind begeistert», sagt Schulpräsident Kurt Portmann.

«Ich glaube nicht, dass wir künftig darauf verzichten werden.» Quantifizieren liesse sich der Nutzen nicht. «Doch wenn man mit den Assistenzen die Unterrichtsqualität steigern kann, dann ist der Nutzen schon sehr gross.»

Erstellt: 23.10.2019, 11:55 Uhr

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