Neftenbach

Gemeinden schmücken sich mit fremden Federn

Energiestädte «offerieren» zum Stromspartag einen gesponserten Rabatt.

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Auf der Neftenbacher Website unter «Neuigkeiten» steht eine Nachricht, welche die Gemeinde in grosszügigem Licht dastehen lässt: «Anlässlich des energyday19, des nationalen Stromspartags im Haushalt, offeriert die Energiestadt Neftenbach ihren Einwohnerinnen und Einwohnern Solarladegeräte aus dem Onlineshop mit 15 Prozent Rabatt und Gratislieferung.»

Als Energiestadt setze sich Neftenbach für erneuerbare Energie ein und wolle auch der Bevölkerung die Solarenergie näherbringen, heisst es weiter im Text. Deshalb könnten sich interessierte Einwohnerinnen und Einwohner über den angegebenen Link und einen entsprechenden Rabattcode ein Solarladegerät aussuchen. Die Aktion gilt bis Ende Jahr.

So exklusiv sich die Nachricht liest, sie ist es nicht.

Der Link führt zum Onlineanbieter Conrad, wo rund 60 Modelle von solarbetriebenen Powerbanks zum Aufladen von Smartphones, Tablets, tragbaren Lautsprechern und anderen Geräten angeboten werden.

So exklusiv sich die Nachricht liest, sie ist es nicht. Der gleiche Text steht gegenwärtig in vielen Mitteilungsblättern oder auf den Websites der Energiestädte mit jeweils geänderten Gemeindenamen.Was die Gemeinde Neftenbach hier quasi ausschliesslich ankündigt, ist nicht nur ihrer Bevölkerung vorbehalten.

Eine konzertierte Aktion zum Stromspartag vom 26. Oktober also, den die Energiestädte logischerweise gemeinsam begehen. Doch was für ein Budget haben die einzelnen Gemeinden dafür gesprochen?

Marc Bosshard, Präsident der Umwelt und Energiekommission Neftenbach, gibt Auskunft. Ja, die Aktion gelte für alle Einwohnerinnen und Einwohner der 440 Energiestädte in der Schweiz. «Wir Gemeinden bezahlen dafür aber nichts.»

Anbieter zahlt

Sabine Frommenwiler,Kommunikationsverantwortliche des Programms Energiestadt, weiss mehr: «Wir suchen jedes Jahr zum Stromspartag ein Produkt, für welches wir mit einem Anbieter einen guten Preis aushandeln.» Der für das Solarladegerät ausgewählte Online-Anbieter übernimmt die Kosten also selbst.Der Text entspricht laut Frommenwiler einer Vorlage, welche die Energiestädte von der Website www.local-energy.swissherunterladen könnten.

Immerhin: Neftenbach hat zur diesjährigen Aktion für Solarladegeräte auf ideeller Ebene etwas beigesteuert: «Wir Energiestädte wurden im Februar angefragt, welches Produkt wir für den diesjährigen «Energyday» vorschlagen würden, erinnert sich Umwelt- und Energiepräsident Bosshard. Er habe daraufhin ein Solarladegerät empfohlen. Offensichtlich mit Erfolg.

Erstellt: 08.10.2019, 17:14 Uhr

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