Turbenthal

Gemeinderat will zentrales Bauland unter Schätzwert verkaufen

52'000 Franken günstiger als geschätzt will der Turbenthaler Gemeinderat eine Parzelle verkaufen. Die Versammlung entscheidet am 17. Juni über den Verkauf. 

Rechts und hinter diesem Riegelhaus sollen 25 bis 30 Wohnungen entstehen. Foto: Johanna Bossart

Rechts und hinter diesem Riegelhaus sollen 25 bis 30 Wohnungen entstehen. Foto: Johanna Bossart

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4700 Quadratmeter Bauland mitten in Turbenthal. Rund drei Viertel davon gehören der Boller Winkler AG. Das übrige Land, 1000 Quadratmeter, besitzt die Gemeinde Turbenthal (siehe Karte weiter unten).

Diesen Teil will die Boller Winkler AG der Gemeinde abkaufen, um dort Wohnungen zu bauen. Am 17. Juni stimmt die Gemeindeversammlung über den Verkauf ab.

Der Turbenthaler Gemeindepräsident Georg Brunner findet eine Zusammenlegung der beiden Flächen sinnvoll. Gegenüber dem «Tössthaler» sagte er: «Sie erlaubt eine bessere Nutzung des Areals.» Thomas Boller, CEO der Boller Winkler AG, sieht das ähnlich: «Wir haben das Gefühl, dass es gut zusammenpasst. Wir können wahrscheinlich auch am meisten dafür bieten, weil das angrenzende Land uns gehört.»

Nicht erschlossen

Der Preis könnte an der Versammlung jedoch noch zu reden geben. Denn dieser liegt mit 527000 Franken neun Prozent tiefer als von der Zürcher Kantonalbank geschätzt.

«Mit dem kleinen Grundstück, auf dem knapp zwei Einfamilienhäuser Platz hätten, kann die Gemeinde nicht viel anfangen»

Der Gemeinderat bezeichnet das Angebot der Boller Winkler AG aber als angemessen. Verschiedene Aspekte seien in der Schätzung nicht berücksichtigt worden, sagte Liegenschaftsvorsteherin Katharina Fenner gegenüber dem «Tössthaler». So grenzt etwa die Parzelle der Gemeinde an den Chämibach. «Inzwischen haben sich die vom Kanton vorgegebenen Gewässerabstände vergrössert.»

Ausserdem durften früher innerhalb dieser Abstände Strassen gebaut werden, das ist nun nicht mehr erlaubt. «Dadurch verschiebt sich die zu bauende Erschliessung in das Grundstück und dieses verkleinert sich», sagt Fenner.

Das gemeindeeigene Grundstück ist momentan weder mit einer Zufahrt noch einer Kanalisation oder Versorgungsleitungen erschlossen. «Mit dem kleinen Grundstück, auf dem knapp zwei Einfamilienhäuser Platz hätten, kann die Gemeinde nicht viel anfangen», sagt Brunner.

Keine Einzonung erlaubt

Mehr anzufangen wäre mit der rund eine Hektare grossen Fläche westlich der Gemeindeparzelle. Diese befindet sich in der Reservezone, obwohl die Versammlung im Februar 2014 einer Umzonung zugestimmt hatte. Doch der Kanton genehmigte diese Änderung nicht.

Er forderte, dass zuerst bestehende Wohnzonen bebaut werden sollen. Zwei betroffene Grundeigentümer und die Gemeinde wehrten sich dagegen vor Baurekursgericht, unterlagen aber. Seit dem 1. Mai hat der Bund zudem einen Einzonungsstopp für den Kanton Zürich verhängt, weil dieser das Raumplanungsgesetz innert der fünfjährigen Frist nicht angepasst hat.

Das revidierte Raumplanungsgesetz war 2013 angenommen worden und will die Landschaft besser schützen. Es verpflichtet die Kantone unter anderem, auf den Mehrwert, der bei einer Einzonung entsteht, eine Abgabe von mindestens 20 Prozent zu erheben. Auch in den Kantonen Genf, Glarus, Luzern, Obwalden, Schwyz, Tessin und Zug dürfen aktuell keine Flächen eingezont werden.

«25 bis 30 Wohnungen»

Man kann momentan also nur jenes Land bebauen, das bereits eingezont ist. Der Turbenthaler Gemeindepräsident Georg Brunner sagt angesichts dieser politischen Situation: «Es ist sinnvoll, auf diesen zentral gelegenen Parzellen die Voraussetzungen zu schaffen, um das bestehende Siedlungsgebiet zu verdichten.»

Bauen will die Boller Winkler AG laut CEO Thomas Boller auch, wenn die Versammlung ihre Parzelle nicht verkaufen sollte: «Es wäre schön, wenn sie dazukommt, aber wir machen unser Bauvorhaben nicht davon abhängig.»

Die Vorstellungen seien bereits recht klar. Ein Architekturbüro soll einen Studienauftrag erhalten. «Je nach Wohnungsmix und Parzellengrösse entstehen zwischen 25 bis 30 Wohnungen», sagt Boller. Den Bau würde man wohl etappieren.

(Der Landbote)

Erstellt: 07.06.2019, 16:40 Uhr

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