Turbenthal

Gesucht: Frauen, die sich trauen

Mit dem Ziel, Frauen als Kandidatinnen für die Gemeinderatswahl 2018 zu mobilisieren, trafen sich engagierte Tösstalerinnen am Samstag. Ein Vortrag kam von der Zürcher Frauenzentrale.

Politische Frauen formieren sich fürs Tösstal (v. l.): SP-Kantonsrätin Theres Agosti Monn, die Referentin Andrea Gisler von der Frauenzentrale Zürich sowie  Cornelia Oelschlegel und Gabriella Pfaffenbichler aus Turbenthal.

Politische Frauen formieren sich fürs Tösstal (v. l.): SP-Kantonsrätin Theres Agosti Monn, die Referentin Andrea Gisler von der Frauenzentrale Zürich sowie Cornelia Oelschlegel und Gabriella Pfaffenbichler aus Turbenthal. Bild: Der Tössthaler / Loni Kuhn

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Die langfristige Perspektive war den drei Initiantinnen des ersten Tösstaler Frauenforums bewusst, als sie am Samstagmorgen in die Heilpädagogische Schule Turbenthal luden. «Wir sind motiviert, über diesen Anlass hinaus weiterzumachen», reagierte Kantonsrätin Theres Agosti Monn (SP) auf die Resonanz auf die Veranstaltung. Zwölf Frauen waren erschienen, mit wenigen mehr hätten sie gerechnet. «Wir sind zufrieden mit dem Echo. Es hat sich jedoch gezeigt, dass wir einige Unternehmerinnen in Turbenthal haben, die am Samstag verhindert sind.»

Kurz stellten sich also die Gastgeberinnen vor: Gabriella Pfaffenbichler, die schon 16 Jahre in der Primarschulpflege Turbenthal mitarbeitet, zählt zu ihren wertvollen Erfahrungen, wie sie sich in der Politik, in der Behörde, weiterentwickelt habe. Cornelia Oelschlegel, seit elf Jahren Präsidentin der Sekundarschule Turbenthal-Wildberg, berichtete, wenn sie aktuell die Männergruppe im Gemeinderat Turbenthal sehe, werde ihr bewusst, wie wichtig es sei, dass sich auch Frauen unterstützen und vernetzen.

Weniger Frauen in der Politik

Die Anwesenden, die meisten davon in der zweiten Lebenshälfte, lauschten konzentriert dem Vortrag von Andrea Gisler, der Präsidentin der Frauenzentrale Zürich. Sie machte noch einmal faktenreich deutlich, was auch die Turbenthalerinnen beobachten – der Frauenanteil in den Gemeindeexekutiven ist schweizweit zurückgegangen. Die «Berufsfeministin», wie sie sich selbst bezeichnete, blickte historisch zurück auf die gesellschaftlichen, ja innerfamiliären Kämpfe bis zur Einführung des Frauenstimmrechts 1971.

 «Frauen glauben, wenn sie die politische Arbeit gut machen, dann sähen die anderen das schon»Andrea Gisler, 
Präsidentin Frauenzentrale Zürich

Heutzutage sei es vielen Familienfrauen aus Zeitgründen unmöglich, zusätzlich ein politisches Amt anzunehmen, erklärte Gisler. Dann führte sie ihre Analyse etwas weiter und zeigte, dass es nicht nur an der mangelnden Kinderbetreuung hapere. «Frauen glauben, wenn sie die politische Arbeit gut machen, dann sähen die anderen das schon; Politik ist aber ein Haifischbecken.» Sie belegte es mit Beispielen von Angela Merkel bis Carmen Walker Späh, deren Erscheinungsbild für Gesprächsstoff in den Medien sorgte. Es gebe aber auch männlich geprägte Parteikulturen, die Frauen abschreckten, sowie Themen, die Frauen weniger interessierten, namentlich Umwelt, Energie, Bauen oder Verkehr.

Netzwerke entscheidend

Gisler wies ebenso darauf hin, dass man zahlungskräftige Unterstützer brauche, um für den Wahlkampf alimentiert zu werden – und die fänden sich oft in Verbänden und anderen beruflichen Netzwerken. Um mit Gleichgesinnten zu «networken», waren denn auch einige Turbenthalerinnen erschienen. Die zweifache Mutter Andrea Böheim erzählte, «am System angeeckt» zu sein, als sie sich für Tagesstrukturen an der Schule starkgemacht habe.

Die 19-jährige Viviane Kägi wäre hingegen motiviert, einmal aktiv in die Politik einzusteigen: «Man hört viel, was nicht gut läuft.» Als Stimmungsbild lässt sich allerdings mitnehmen, dass mehr Frauen bereit wären, eine andere Frau zu unterstützen, als selbst in die Öffentlichkeit zu treten und den Kopf hinzuhalten.

(Der Landbote)

Erstellt: 02.05.2017, 08:33 Uhr

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