Kantonsratswahlen

Gleich drei Parteien wollen der SVP einen Sitz abjagen

Vor vier Jahren holte die SVP Winterthur-Land bei den Kantonsratswahlen drei der sieben Sitze. Nun geht es darum, diese mit zwei neuen Kandidatinnen zu halten. Doch FDP, SP und die Grünen lauern.

Wer wird im Wahlbezirk Winterthur-Land der grosse Gewinner? In Hettlingen grüssen die Kandidaten vom Strassenrand. Foto: Madeleine Schoder

Wer wird im Wahlbezirk Winterthur-Land der grosse Gewinner? In Hettlingen grüssen die Kandidaten vom Strassenrand. Foto: Madeleine Schoder

Sieben Sitze darf der Wahlkreis Winterthur-Land im Kantonsrat stellen. Aktuell hält die SVP drei davon, während SP, FDP, EVP und GLP je einen Sitz besetzen. Bei den Wahlen vom 24. März ist die Ausgangslage also spannend. Denn FDP, SP und die Grünen wollen einen Sitz erobern, während die SVP ihre drei Sitze mit gleich zwei neuen Kandidatinnen zu halten versucht.

Landwirt Martin Hübscher aus Liebensberg (Wiesendangen) führt die SVP-Liste an. 2015 erzielte er vom vierten Listenplatz aus das beste Resultat. Seit letztem August präsidiert er gar die SVP-Fraktion im Kantonsrat, ein steiler Aufstieg. Ein solches Zugpferd benötigt die Partei wohl auch dieses Jahr, befinden sich auf den restlichen Plätzen doch lauter neue Kandidatinnen und Kandidaten.

Die beiden bisherigen SVP-Kantonsräte Peter Uhlmann aus Dinhard und die Elggerin Karin Egli-Zimmermann treten nicht mehr an. Das ist nicht aussergewöhnlich: Von der SVP-Fraktion, die 55 Mitglieder zählt, sind gleich deren 15 nicht mehr auf der Kandidatenliste.

Doch die potentiellen Nachfolgerinnen sind nicht unbekannt: Therese Schläpfer auf dem zweiten Listenplatz ist Gemeindepräsidentin von Hagenbuch. Sie fordert, dass die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde weniger Macht erhält. Monika Brühwiler auf dem dritten Platz amtet als Elgger Primarschulpräsidentin, ihr Ziel wäre es, gegen die ständige «Reformitis» in der Bildung vorzugehen. Auf Position vier befindet sich Tobias Weidmann aus Hettlingen, der sich für eine starke Armee einsetzen will.

Drei Herausforderer

Ebenfalls aus Hettlingen stammt die Spitzenkandidation der FDP, Kantonsrätin Prisca Koller. Ihre Partei schielt als zweitstärkste Kraft auf einen zweiten Sitz. 2015 konnte sie um satte 3,2 Prozentpunkte auf 14 Prozent zulegen und überholte damit erstmals seit 1999 wieder die SP.

Hinter Koller folgen zwei Gemeindepräsidenten: Landwirt und Betriebsökonom Martin Huber (Neftenbach) und Metzgermeistern Georg Brunner (Turbenthal). Einer der beiden soll den zweiten Platz erobern.

Die FDP will sich für eine «erstklassige kommunale Infrastruktur» einsetzen, das Gewerbe stärken und Arbeitsplätze in die Gemeinden zurückholen. «Wohnen und Arbeiten sollen am selben Ort möglich sein», sagte Koller anfangs Januar.

Die SP will ebenfalls einen zweiten Sitz erobern, dazu müsste aber eine Trendwende gelingen. Denn die Wahlanteile sind seit 2003 sinkend. Damals hatte man 20,5, bei der letzten Wahl noch 12,8 Prozent Wähleranteile. Die aktuelle Kantonsrätin Theres Agosti Monn aus Turbenthal will vor allem mit Umweltthemen punkten: «Als Initiantin der Züri-Naturinitiative kämpfe ich für eine Aufstockung des Natuschutzbudgets», sagt Agosti Monn.

Angesichts der Klimastreiks könnte das den Zeitgeist treffen. Die Partei hofft zudem auf Stimmen von Leuten, die von der Stadt aufs Land gezogen sind. Auf dem zweiten Listenplatz befindet sich Horst Steinmann, Schulpräsident der Primarschule Hagenbuch. Er würde sich für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung einsetzen, etwa durch die Förderung von Tagesschulen auf dem Land.

Wieder im Kantonsrat mitreden wollen die Grünen aus Winterthur-Land. Am liebsten mit einem Landwirt, denn ein solcher fehlt den Grünen derzeit im Kantonsrat. Bei den letzten Wahlen verlor die Partei ihren einzigen Sitz von Bio-Landwirt Urs Hans (Turbenthal) an die SVP. Der damals Geschlagene tritt nun noch einmal vom Spitzenplatz aus an.

Nebst dem 66-jährigen Hans arbeitet auch der 30-jährige Jürg Strauss aus Rickenbach als Landwirt, der auf Listenplatz drei zu finden ist. Auf Listenplatz zwei befindet sich die 20-jährige Nora Keller aus Seuzach, die für die junge Generation steht und sich vehement gegen den Klimawandel einsetzen will. Der trockene Sommer und die Klimastreiks der letzten Monate könnten zum Aufschwung verhelfen. Als die SVP vor acht Jahren letztmals einen Sitz verlor, war dies auf den Fukushima-Effekt zurückzuführen.

GLP/EVP: Den Sitz halten

Damals profitierte vor allem die GLP. Diese will ihren Sitz weiter verteidigen und die Wähleranteile ausbauen. Die Chancen stehen nicht schlecht: Die Grünliberalen treten mit dem Elgger Gemeindepräsidenten Christoph Ziegler an, seit 2011 im Kantonsrat.

Das Attribut «grün» ist ihm sehr wichtig. Die GLP will dieses aber vor allem durch Anreize statt Verbote erreichen. An zweiter Position befindet sich Bezirkspräsidentin Madeleine Oelen aus Hettlingen, sie will sich für Tagesschulen in Landgemeinden einsetzen.

Die EVP will ihren Sitz ebenfalls halten. Sie tritt mit Markus Schaaf an. Der EVP-Fraktionspräsident sitzt bereits seit neun Jahren im Kantonsrat und leitet das Zentrum Rämismühle-Zell. Er will den Schwachen in der Gesellschaft eine Stimme geben, wie er sagt. Auf Listenplatz zwei befindet sich Sekundarlehrerin Katharina Cryer-Balzli. Sie kandidiert gleichentags noch für den frei werdenden Sitz im Gemeinderat von Dägerlen.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.03.2019, 13:59 Uhr

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Kantonsratskandidaten im Bezirk Winterthur-Land

LISTE 1: SVP
Martin Hübscher, 1969, Landwirt und Agraringenieur, Wiesendangen (bisher)
Therese Schläpfer, 1959, Gemeindepräsidentin, Hagenbuch
Monika Brühwiler-Gerber, 1964, selbständige Schneiderin und Primarschulpräsidentin, Elgg
Tobias Weidmann, 1983, Unternehmer und Geschäftsführer, Hettlingen

LISTE 2: SP
Theres Agosti Monn, 1961, Schulleiterin und Beraterin, Turbenthal (bisher)
Horst Steinmann, 1958, kaufm. Angestellter, Hagenbuch
Anna Sperandio Bernhauser, 1964, Bezirksrichterin, Dägerlen
Diego Bosshard, 1985, Sozialpädagoge, Elgg

LISTE 3: FDP
Prisca Koller, 1971, Ökonomin und Filmregisseurin, Hettlingen (bisher)
Martin Huber, 1978, Betriebsökonom, Landwirt und Recyclingunternehmer, Neftenbach
Georg Brunner, 1961, Metzgermeister und Unternehmer, Turbenthal
Brigitta Minikus Rüegg, 1965, Financial Controller, Wiesendangen

LISTE 4: GLP
Christoph Ziegler, 1964, Sekundarlehrer und Gemeindepräsident, Elgg (bisher)
Madeleine Oelen, 1968, Prorektorin und Bezirkspräsidentin, Hettlingen
Viviane Kägi, 1997, Bankkauffrau, Turbenthal
Severin Knecht, 1991, Architekt und Gemeinderat, Dägerlen

LISTE 5: Grüne
Urs Hans, 1952, Bio-Landwirt, Turbenthal (ehemalig)
Nora Keller, 1998, Medizinstudentin, Seuzach
Jürg Strauss, 1988, Bio-Landwirt, Rickenbach
Pascale von Allmen, 1994, Logopädin, Hettlingen

LISTE 6: CVP
Daniel Schmid, 1975, Maschineningenieur, Wiesendangen
Fabienne Magee-Schürmann, 1987, Buying Director, Hettlingen
Pius Bleisch, 1988, Elektroingenieur, Dinhard
Andreas Dreisiebner, 1966, Gartenbauunternehmer, Seuzach

LISTE 7: EVP
Markus Schaaf, 1966, Heimleiter und
Geschäftsführer, Rämismühle (bisher)
Katharina Cryer, 1966, Sekundarlehrerin, Dägerlen
Richard Weber, 1965, Gymnasiallehrer und Gemeinderat, Hettlingen
Katharina Wachter, 1967, Hausärztin und Kirchenpflegepräsidentin, Elgg

LISTE 8: AL
Adrian Ulrich, 1977, Travel Agent, Winterthur
Angela Stössel, 1985, Köchin, Winterthur
Hansjörg Bartholdi, 1958, Lohnbuchkontrolleur, Winterthur
Andreas Geissberger, 1968, Innendekorateur, Winterthur

LISTE 9: BDP
Simon Ritter, 1998, Lehrgangsleiter für Marketing- und Verkaufsfachleute, Uster
Lavdim Durmishi, 1993, Lehrgangsleiter für Marketing- und Verkaufsleiter, Zürich
Matthias Deventer, 1987, Verkaufsleiter, Winterthur
Fiona Lenggenhager, 1996, Assistentin Gesundheit und Soziales, Bertschikon

LISTE 10: EDU
Rolf Baumgartner, 1964, Sachbearbeiter, Neftenbach
Christoph Müller, 1963, Software Engineer, Kollbrunn
Adrian Slemenjak, 1976, Sicherheitsassistenz Grenzkontrolle, Schlatt
Karin Wettstein, 1965, Anästhesiepflegefachfrau, Brütten

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