Neftenbach

Goerlichs Antwort auf die neue Flüchtlingswelle

Die türkische Militäroffensive in Nordsyrien hat eine neue Flüchtlingswelle ausgelöst. Der reformierte Pfarrer Andreas Goerlich war im Nordirak, um dort mit seiner Hilfsorganisation die geflohenen Menschen in Empfang zu nehmen.

Nach ein paar freien Tagen als Flüchtlingshelfer im Nordirak gestern wieder als Gemeindepfarrer in Neftenbach tätig: Andreas Goerlich.

Nach ein paar freien Tagen als Flüchtlingshelfer im Nordirak gestern wieder als Gemeindepfarrer in Neftenbach tätig: Andreas Goerlich. Bild: Marc Dahinden / PD

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Rund 1200 vertriebene syrische Kurden kommen täglich in den kurdischen Autonomiegebieten im Nordirak an, seit dem Angriff der Türkei auf die Kurden in Syrien. Das Auffanglager in Bardarash, das sich etwa in der Mitte zwischen den Zentren Dohuk und Erbil befindet, beherbergte bisher lediglich ein paar Hundert Jesiden, wie Andreas Goerlich sagt. «Mittlerweile sind dort bereits gegen 10000 neue Flüchtlinge aus Syrien eingetroffen.»

Der reformierte Pfarrer engagiert sich dort seit Jahren mit seiner Hilfsorganisation Khaima, die ihren Sitz in Pfungen hat. Das tut er in seiner Freizeit. Beruflich ist er als Pfarrstellvertreter in Neftenbach tätig, wo er auch zur Wahl vorgeschlagen wird, falls die reformierte Kirchgemeindeversammlung im November zustimmt.

Bei 35 Grad auf der Flucht

«Ich war letzte Woche in Kurdistan, um Erste Hilfe zu leisten und Hygiene-Kits zu verteilen», sagt der 55-Jährige. «Gegenwärtig herrschen im Nordirak noch 35 Grad Celsius.» Die Menschen kämen nach ihrer Flucht erschöpft und verschwitzt im Camp an und hätten keine Hygieneartikel zur Hand. «Das Erste, was sie in dieser Situation brauchen, ist eine Unterstützung, die ihnen ihre Würde zurückgibt.»

Gemeinsam mit der Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, und zwei anderen NGOs verteilte er deshalb während seines Aufenthalts Hygienebeutel an die Ankömmlinge. Diese seien sehr dankbar für das Willkommensgeschenk, das Seife, Zahnbürste und Zahnpasta, Shampoo, WC-Papier und anderes mehr enthält.

Bis jetzt hat Khaima sich mit 2000 Hygienebeuteln respektive 2500 Franken beteiligt. «Aber die Not eskaliert, es braucht noch viel mehr.» Im Sinne einer Nothilfe will der Neftenbacher Pfarrer jetzt 10000 Franken Spenden in der Schweiz sammeln. Das tue er am Abend und in der Nacht, sagt er.

«Die Not der neu ankommenden Flüchtlinge ist enorm, und Organisationen wie die Unicef haben nicht mehr genug Geld, um ihnen zu helfen», sagt Goerlich. «Alle dachten, dass sich die Lage in den Flüchtlingscamps in diesem Jahr beruhigen würde.» Die Budgets seien entsprechend reduziert worden. «Und jetzt überzieht eine neue Flüchtlingswelle Kurdistan.»

An eine dauerhafte Waffenruhe in Nordostsyrien, wie sie derzeit von der Türkei und von Russland proklamiert wird, glaubt der Theologe aus der Schweiz aus zwei Gründen nicht: «Einerseits hat man die Kurden in Syrien so stark in die Enge getrieben, dass sie sich mit aller Kraft zur Wehr setzen werden.»

Auf der anderen Seite würden zu viele Leute am politischen Tisch sitzen. Er gibt sich keinen Illusionen hin: «Im Endeffekt geht es um den Schutz der Ölfelder und nicht der Menschen.» Goerlichs Engagement ist nicht politisch, sondern theologisch begründet. Es gehe ihm um die Würde des Menschen, der ein Ebenbild Gottes sei.

Erstellt: 25.10.2019, 18:06 Uhr

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