Artenvielfalt

Greifvögel als Grund für Artenarmut?

Immer mehr Tiere sterben wegen des Menschen aus. Ein Landwirt aus Dinhard vermutet aber auch die Natur als Ursache. «Ganz sicher nicht», heisst es von der Vogelschutzorganisation Birdlife Schweiz. 

Der Rotmilan ist in der Region öfters anzutreffen. In vielen Regionen Europas gehen die Bestände aber zurück.

Der Rotmilan ist in der Region öfters anzutreffen. In vielen Regionen Europas gehen die Bestände aber zurück. Bild: Michael Trost

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Global, national und lokal: Die Artenvielfalt war diese Woche ein grosses Thema. Am Montag erschien der erste Bericht des Weltbiodiversitätsrats, der ein finsteres Bild zeichnet: «Beispiellos» sei der Rückgang der Artenvielfalt, der sich immer stärker beschleunige. Die meisten Aichi-Ziele, die bis 2020 umgesetzt sein sollten, würden nicht erreicht. Schweizer Umweltschützer kritisieren, dass auch der Bund mit seinem Aktionsplan hinterherhinke.

Gleichzeitig konnte Birdlife Schweiz, der Dachverband von 440 lokalen Natur- und Vogelschutzvereinen mit 66000 Mitgliedern, am Mittwoch einen Rekord vermelden: Während der «Stunde der Gartenvögel» wurden bis am Mittwoch rund 70000 Vögel aus 138 Arten gemeldet, teilte Birdlife in einer Medienmitteilung mit. Darin heisst es, dass in naturnahen Gärten mit einheimischen Bäumen oder Hecken deutlich mehr Vogelarten gezählt wurden. Konkret: Wo es mehr als fünf einheimische Pflanzen hatte, gab es im Schnitt 12,3 Vogelarten. Bei weniger als zwei «naturnahen Elementen» hingegen nur 8,7 Vogelarten.

Der Vogel, der in den meisten Gärten und Parks vorkommt, ist die Amsel. Aufgrund des trockenen Sommers und des Usutu-Virus ist sie aber nur noch in 80 statt 90 Prozent aller Gärten und Parks gesichtet worden.

«Mäuse und Regenwürmer»

Aus Dinhard, einer der artenärmsten Gemeinden im Kanton (der «Landbote» berichtete), meldete sich diese Woche ein Landwirt beim «Landboten». Er vermutete, dass die Zunahme der Rotmilane, Krähen und Elstern in der Region mit der Artenarmut zu tun habe. In Dinhard können ganze Schwärme von Rotmilanen beobachtet werden. Auch in anderen Gemeinden sind «Landbote»-Redaktoren bereits diesem Argument begegnet. Was ist da dran?

Stefan Bachmann, Medienverantwortlicher von Birdlife Schweiz, ordnet ein: «Milane und Bussarde jagen keine Vögel, sondern Mäuse und Regenwürmer.» Nur Habicht und Sperber sind neben den sehr seltenen Wander- und Baumfalken auf die Jagd von Vögeln spezialisiert, doch diese würden zu 99 Prozent im Wald leben. «Den anderen Waldvögeln geht es aber gut und die Populationen gehen nicht zurück. Die Greifvögel sind deshalb ganz sicher nicht für den Rückgang der Artenvielfalt zuständig», sagt Bachmann. «Das beweisen auch unzählige Studien.»

«Sehr geringer Einfluss»

Dass Elstern und Krähen «im Frühling auch mal ein Ei oder einen Jungvogel erwischen», sei in der Natur ganz normal. «Der Einfluss der Krähen und Elstern auf andere Vögel wird allerdings stark überschätzt», sagt Bachmann und verweist auf eine Studie der renommierten britischen Ornithologen-Gesellschaft, die 42 Studien zu diesem Thema untersuchte und zusammenfasste. In dieser kommen die Forscher zum Schluss, dass Rabenvögel nur einen sehr geringen Einfluss auf das Vorkommen anderer Arten haben. Viel entscheidender sei die Qualität des Lebensraums und ob Nahrung vorhanden sei.

Die Zunahme der Rabenkrähen sei gemäss Forschern auch auf den Menschen zurückzuführen, sagt Bachmann: «Als Generalisten gehören sie zu den ganz wenigen Arten, die heute im ökologisch verarmten Agrarland noch überleben können.» Wäre dieses wieder viel struktur- und nahrungsreicher, gäbe es erstens weniger Rabenkrähen und zweitens viel mehr andere Vogelarten wie die Feldlerche, die Wachtel, das Rebhuhn oder den Neuntöter.  

Erstellt: 11.05.2019, 08:27 Uhr

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