Turbenthal

Grüne-Präsidentin lobt Turbenthal

Nationalrätin Regula Rytz freut sich über den Turbenthaler Einsatz für erneuerbare Energien. Das Beispiel zeige, dass ein Atomausstieg möglich ist. Energiefachmann Rudolf Hug warnte vor einem voreiligen Ausstieg.

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Kurz vor dem Podiumsgespräch am Dienstagabend stellte Ruedi Noser die Energiekommission Turbenthal vor Probleme. Der Ständerat musste seine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen absagen. «Das war ein Supergau für uns», sagte Kommissionspräsident Heinz Schwyter in seiner Ansprache. Seit Monaten hatte sich die Gruppe mit viel Verve auf das Podiumsgespräch vorbereitet und weitherum dafür geworben. Mit Erfolg: Deutlich über 200 Personen sassen in der Grosshalle in Turbenthal.Sie erlebten dann doch eine kurzweilige Diskussion, die von Jakob Bächtold, stellvertretender Chefredaktor des «Landboten», moderiert wurde. Denn als Ersatzmann konnte die Kommission Rudolf Hug gewinnen, der seit Frühling Vizepräsident des Axpo-Verwaltungsrats ist. Am Podium wollte Hug zwar nicht in dieser Funktion auftreten, sondern als Unternehmer und Politiker. Er verwies während des Abends aber mehrfach auf seine Erfahrungen im Energiebereich.

«Kernkraftwerke in der Schweiz sind sicher. Das kann man nicht genug betonen.»

Rudolf Hug, Unternehmer und Axpo-Vizepräsident

Während der Debatte hielt Regula Rytz, Präsidentin der Grünen, einen Einfränkler in die Luft und sagte, dass Alpiq laut «SonntagsZeitung» für diesen Betrag ihre Atomkraftwerke loswerden wolle. Hug erwähnte zunächst, dass Atomkraftwerke in der Schweiz sicher seien. «Das kann man nicht genug betonen.» Dann kritisierte er, dass die Aussagen des Alpiq-Chefs überhaupt publik wurden: «Ich finde es verrückt, dass Fragmente aus einer Kommissionssitzung hinausgehen», sagte er. Er sei an der Sitzung nicht dabei gewesen und wisse deshalb nicht, was dort tatsächlich gesagt wurde. Man könne sich höchstens überlegen, warum der Alpiq-Chef eine solche Aussage gemacht haben könnte: Die Strompreise seien durch Verzerrungen der Deutschen Energiewende derzeit so tief, dass Atomstrom mit Verlust verkauft werden müsse. Es sei jedoch denkbar, dass der Strompreis wieder steigen werde.

Regula Rytz hielt dem entgegen, dass man in den nächsten Jahren nicht mit einem höheren Strompreis rechnen könne.

Gefährliche Blackouts

Beide Politiker nutzten in Turbenthal die Gelegenheiten, um ihre Argumente für oder gegen die Atomausstiegsinitiative zu platzieren, über die am 27. November abgestimmt wird. Rudolf Hug warnte eindringlich davor, die Versorgungssicherheit leichtfertig zu gefährden. Ein Blackout könne verheerende Folgen haben. «Damit spielt man nicht.» Zudem sei man bei einem Ausstieg auf Kohlestrom aus Deutschland angewiesen. Auch in diesen Punkten war Regula Rytz anderer Ansicht als der Unternehmer. «Wer bestellt denn Kohlestrom im Ausland?», fragte sie. Denn geliefert werde nur der Strom, der auch bestellt werde. Stromausfälle müsse man zudem nicht befürchten. Aktuell seien zwei Kernkraftwerke nicht in Betrieb und dennoch werde Strom ins Ausland exportiert.

«Bad-Bank» für Kernenergie

Unterstützung erhielt Regula Rytz von Anton Gunzinger. Der ETH-Professor und Unternehmer hatte in seinem Input-Referat zuvor aufgezeigt, wie der Schweizer Strombedarf zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien gedeckt werden könnte. Mit Speicherseen sei es theoretisch machbar, Schwankungen der Solar-, Windenergie und Biomasse langfristig auszugleichen. Kernenergie hält er für «das grösste finanzielle Desaster in der Geschichte der Eidgenossenschaft». Für die Stromkonzerne sieht er nur noch einen Ausweg: Die Ausgliederung der Kernenergie in eine «Bad-Bank». Die Entsorgungskosten seien nicht gedeckt. Am Ende müssten das die Steuerzahler tragen.

«Die Kernenergie ist das grösste finanzielle Desaster in der Geschichte der Eidgenossenschaft.»

Anton Gunzinger, Autor «Kraftwerk Schweiz»

Als positives Beispiel erwähnte Regula Rytz Turbenthal: Die Gemeinde setze wie andere zu 100 Prozent auf erneuerbare Energie. Lob erhielt die Gemeinde auch von Reto Lindegger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands (siehe Box rechts).

(Der Landbote)

Erstellt: 09.11.2016, 16:40 Uhr

Zertifikat für das Label Energiestadt erneuert

Auf halbem Weg zum Goldlabel

Die Energiekommission Turbenthal hat am Dienstagabend vor der Podiumsdiskussion erneut das Label Energiestadt erhalten. Reto Lindegger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, lobte bei der Übergabe den Einsatz der Gemeinde. «Hier geschieht etwas», sagte er. Die Gemeinde habe 64,6 Prozent der möglichen Punkte erreicht und sei damit bereits auf halbem Weg zum Goldlabel. Besonders vorbildlich sei die Kommunikation mit der Bevölkerung. Das sei ein wichtiger Punkt, da so Leute zum Mitmachen animiert würden. Auch die interne Organisation sei in der Energiekommission besonders hervorzuhehen. «Ich habe das so noch nie erlebt», sagte Lindegger. Das Engagement komme direkt aus der Bevölkerung. Verbesserungspotenzial bestehe allerdings noch im Bereich Mobilität. «Es sind aber auch in diesem Bereich bereits Massnahmen geplant.» Weitere Infos finden sich unter www.energiestadt-turbenthal.ch. Die Kommission will dort zudem ein Video der Podiumsdiskussion publizieren.

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