Elsau

Herr über 35 000 Christbäume

Der Elsauer Landwirt Roland Schuppisser ist derzeit fleissig wie das Christkind. Tausende Weihnachtsbäume erntet er dieser Tage in seinen Plantagen. Ein prächtiger Christbaum für die Stube wurde zuvor acht bis zehn Jahre von ihm gepflegt.

Roland Schuppisser und seine Partnerin Jasmine Grunder lieben Weihnachten, trotz der vielen Arbeit.

Roland Schuppisser und seine Partnerin Jasmine Grunder lieben Weihnachten, trotz der vielen Arbeit. Bild: Madeleine Schoder

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«Herrlich dieser Morgen», schwärmt Roland Schuppisser. Vor seinem Mund steigen weisse Wolken auf, als er durch eine seiner Christbaumkulturen läuft. Weiss ist auch der Raureif, der die grünen Tannen mit einer eisigen Schicht überzieht. Wie ein Märchenwald präsentiert sich die Plantage, Nadelbäume verschiedener Sorten, Farben und Grössen verteilen sich entlang des Feldwegs.

Schuppisser bewirtschaftet seinen Hof Elsauer Weiler Fulau. Seit 2006 produziert er auf seinem Land Christbäume. Mit jedem Jahr wächst die Nachfrage. Unterdessen ist Schuppisser Herr über etwa 35000 Nadelbäume, die auf fünf Hektaren Land wachsen. Der Landwirt gehört damit zu den grossen Produzenten der Region und sitzt im Vorstand der IG Suisse Christbaum. Er beschäftigt zwei Vollzeitmitarbeiter, Vater Edwin Schuppisser und Partnerin Jasmine Grunder sind dieser Tage auch im Einsatz.

Spezialsorten aus aller Welt

Der Christbaumproduzent ist froh um die morgendlichen Minustemperaturen. Denn diese erleichtern die Ernte. Der gefrorene Boden verwandelt sich unter den Füssen der Landwirte nicht in Schlamm, Motorsäge und Bäume bleiben sauber. Es herrscht Hochbetrieb auf Schuppissers Hof in Fulau. Vor Haus und Scheune sieht es aus wie in einem Tannenwald.

«Unsere Kunden wollen Schweizer Bäume und nicht einfach einen billigen.»

Christbäume aller Farben und Grössen warten auf Käuferinnen und Käufer. «Bei uns wird jeder fündig.» Schuppissers Mitarbeiter fahren mit einem voll beladenen Anhänger am Traktor vor, um frische Bäume abzuladen. Die Nordmanntanne ist des Schweizers liebster Weihnachtsbaum. Schuppisser züchtet aber auch Rottannen, Blaufichten und einige Spezialsorten aus aller Welt wie die Balsamiertanne, die einen betörenden Geruch verströmt.

Der Preis eines Christbaums bemisst sich nach der Grösse. Der Markt ist nicht geschützt und es gibt keine Subventionen. «Wir müssen auch mit den Billigimporten aus Dänemark mithalten», sagt Schuppisser. Doch das hält ihn nicht ab. «Unsere Kunden wollen Schweizer Bäume und nicht einfach einen billigen.» Seine Christbäume würden frisch geschnitten und nicht noch wochenlang gelagert. Der Erfolg gibt ihm Recht. Die Christbäume sind ein wichtiges Geschäft für Schuppisser. «Unsere Familie könnte davon leben.» Daneben hält er noch 20 Milchkühe, betreibt Ackerbau und erledigt Auftragsarbeiten für andere Landwirte.

Baumschmuck ohne Limit

Im Sommer werden bereits diejenigen Bäume markiert, die im Winter in die Stuben sollen. Im Oktober beginnt die Saison mit Kries und Deckzweigen. Zwei Wochen vor Weihnachten haben die Christbäume dann Hochsaison. Schuppissers Christbaum steht bereits in der Stube. «Natürlich ein richtig schöner», sagt Jasmine Grunder. «Für mich könnte es immer Weihnacht sein.» Ihre Schachteln mit Baumschmuck hat sie noch nie gezählt. «Aber nennen Sie mir irgendeine Farbe und ich schmücke Ihnen den Baum mit mindestens 100 Kugeln.» Als Floristin sei sie halt an der Quelle für Deko und Baumschmuck, sagt sie und zuckt mit den Schultern.

Jahrelang wird ein Weihnachtsbaum gepflegt, bevor er in der warmen Stube steht. Eine zwei Meter grosse Nordmanntanne ist etwa acht bis zehn Jahre alt. Die Samen der Schweizer Christbäume stammen praktisch alle aus dem Kaukasus. Dort klettern Sammler die Bäume hoch, um Zapfen zu pflücken, aus denen sie dann die Samen gewinnen. Diese verkaufen sie an Baumschulen in Österreich, Deutschland, Dänemark oder in der Schweiz. «Aber hierzulande gibt es nur wenige Baumschulen, die Christbäume ziehen», sagt Schuppisser. Darum kauft er seine Setzlinge hauptsächlich im nahen Ausland ein. Dann sind sie etwa drei Jahre alt.

Wachstum, Läuse oder Frost

Die ersten Jahre wachsen die Bäume nur langsam. Wenn sie etwa einen Meter Höhe erreicht haben, geht es schneller. Manchmal zu schnell für die Christbaumzüchter. Denn wenn der so genannte Terminaltrieb, der unten den Stamm bildet, in die Höhe schiesst, fehlen ihm später die Äste für Schmuck und Kerzen. Das Wachstum beeinflussen die Christbaum-Bauern mit einer Spezialzange. Damit macht er Kerben in den Trieb, die das Wachstum hemmen.

«Im Ausland wird das mit Chemie gemacht», erklärt Schuppisser. «Doch das Mittel dafür ist in der Schweiz nicht zugelassen.» Die Weihnachtsbäume werden gedüngt, wenn nötig in Form geschnitten und das Unkraut am Boden gemäht oder gespritzt. Probleme machen Triebläuse, Frühjahrsfrost oder Vögel, die sich auf die Baumspitze setzen und ihn dadurch abbrechen.

Es ist eine Wissenschaft für sich, einen schönen Christbaum zu ziehen. Gelernt hat Schuppisser das Handwerk durch eigene Erfahrungen, an Kursen des Verbands und auf Studienreisen. «Jedes Jahr schaue ich mir irgendwo auf der Welt an, wie dort Christbäume gezüchtet und gepflegt werden.»

Erstellt: 13.12.2019, 17:07 Uhr

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