Zum Hauptinhalt springen

Hilfe, wo keiner mehr hilft – 300 Häuser für Nepal

Paul Metzener hat schon vielen Menschen helfen können. Der Architekt ist als Bauexperte für den Bund auf Kriseneinsätzen rund um den Erdball unterwegs, nun stemmt er erstmals ein grosses privates Projekt: In Nepal hilft er, die Häuser wieder aufzurichten, die das Erdbeben im Frühling zerstört hat.

Daheim in Brütten erinnern Paul Metzener viele Gegenstände an seine Einsätze: Etwa die Gebetsfahnen aus Nepal in seinem Garten.
Daheim in Brütten erinnern Paul Metzener viele Gegenstände an seine Einsätze: Etwa die Gebetsfahnen aus Nepal in seinem Garten.
Heinz Diener

Strahlende Kinder in Zimbabwe, die sich um einen Wasserhahn versammeln, der nun richtiges Trinkwasser spendet. Ein Flüchtlingsheim im Libanon, in dem Palästinenser in abgehalfterten Räumen lebten, nun ihre vier Wände zu einem menschenwürdigeren Ort umgestalten konnten. Eine Staubwolke, die das verheerende Erdbeben über Haiti gelegt hat, dar­un­ter Hunderttausende, die alles verloren haben.

Aus dem Blickfeld gerückt

Die Bilder, die Paul Metzener zeigt, dokumentieren seine Hilfseinsätze. Meist setzt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ihn als Bauexperten ein, da er Architekt ist.

«Hier zu sein, das ist wie Ferien», sagt er. Ein Idyll, sein Zuhause oberhalb Winterthur auf dem Brüttemer Birchhof, wo er vor fünfzehn Jahren mit seiner Frau ein altes Bauernhaus umgebaut hat. «Verreisen, das war nie nur Ferien. Schon nach der Uni, als ich in Nepal im Gebirge war, wollte ich mehr Abenteuer als Erholung, mehr Freiheit als Reisepläne.» Und er wollte Menschen begegnen, wissen, wie sie leben, was sie beschäftigt. Wie der alten Frau, die ihn damals beherbergt hat, und ihm Kartoffeln gab, obwohl sie selbst nichts hatte.

Inzwischen war der 53-Jährige wieder in Nepal. Heute sitzt er am grossen Holztisch in seinem Esszimmer und erinnert sich. Draussen scheint die Sonne, im Garten flattern Gebetsfahnen im Herbstwind. Er hat sie aus Nepal mitgebracht, bis zur vollständigen Verwitterung werden sie dort dem Wind ausgesetzt, damit Gebete dem Himmel zugetragen werden. Die Farben der Fähnchen sind ausgeblichen, ähnlich wie die Erinnerungen vieler an das Erdbeben, das dort im Frühling grossen Schaden hinterlassen hat. «Das Land ist aus unserem Blickfeld gerückt. In Nepal ist die Presse heute nicht mehr. Es gibt aber noch so viel zu tun.»

Bedächtig und bescheiden erzählt er, worum es ihm geht: um die Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn er in einem Krisengebiet ankommt, dann hört er den Menschen zu. Er fragt nach ihren Bedürfnissen. Erst dann legt er los, leitet an, diskutiert mit lokalen Behörden, organisiert Material, verteilt Gelder, wo sie am nötigsten scheinen. «Ohne Anmassung und Arroganz können wir sehr viel von den Menschen lernen. Ich habe mit Sicherheit mehr mitgenommen von meinen Einsätzen, als ich dort hinterlassen konnte», sagt er.

800 000 Häuser zerstört

In Haiti war Paul Metzener, um den Ärmsten zu helfen. Er war just dann da, als das Erdbeben 2010 innert 45 Sekunden 250 000 Menschenleben wegraffte. Mit der Bevölkerung in den Trümmern baute er Hunderte von Zelten auf. In Zimbabwe leitete er Frauen und Männer beim Graben und Erstellen von Wasserleitungen für Landkliniken an. Im Libanon zeigte er Flüchtlingen, wie sie unter widrigsten Umständen ein Zuhause für ihre Familien herrichten können.

Wenn er einen Anruf von der Deza bekommt, dann muss es schnell gehen: Das Nötigste einpacken, nach Bern fahren und den Koffer holen mit Zelt, technischer Ausrüstung und allem, was er unterwegs benötigen könnte. Dann geht es los. Wie im Frühling dieses Jahres, während einer Sitzung in Nottwil, wo er als Bauherrenvertreter in einer flexiblen Teilzeitanstellung den Umbau des Paraplegikerzentrums betreut: Es war der 12. Mai, an dem die Deza anrief, der Tag, an dem ein zweites Erdbeben Nepal erschütterte. Am 14. war Paul Metzener in Kathmandu. Fast 800 000 Familien haben ihre Häuser verloren, die Schäden haben sie unbewohnbar gemacht. Eigentlich, so sagt er, leiste man einen Einsatz vielleicht für drei Wochen, schliesse diesen ab und gehe weiter. Das sei Professionalität. Mit Nepal geht es ihm anders. «Ich habe eine Verbindung zum Land und zu seinen Leuten, ich will dort weitermachen.» Der Wunsch ist konkret geworden. Noch diesen Monat fliegt er zurück, fährt per Jeep in die abgelegensten Täler und zeigt den Menschen dort, wie sie erdbebensicher ihre Häuser wieder aufbauen können. 2000 Franken kostet das benötigte Material pro Haus, 45 sind finanziell gesichert, am Ende sollen es 300 oder mehr werden.

Mehr Informationen zum Projekt: www.hasliguides.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch