Elsau

Der fahrende Kaffeetraum

Caroline und Christoph Lüthi aus Elsau wollten zuerst ein Café eröffnen. Dann kamen eine Enkelin und die Streetfood-Welle dazwischen. Heute lässt Caros Espresso­mobil nicht nur die Herzen des Paares höher schlagen.

Aus dem Traum vom gemeinsamen Café wurde Caros Espressomobil. Caroline Lüthi bedient die Lokstadt mit feinem Kaffee. Manchmal kommt Ehemann Christoph dazu.

Aus dem Traum vom gemeinsamen Café wurde Caros Espressomobil. Caroline Lüthi bedient die Lokstadt mit feinem Kaffee. Manchmal kommt Ehemann Christoph dazu. Bild: Enzo Lopardo

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Der Kaffee rinnt langsam in den Becher. An seiner Oberfläche bildet sich ein goldbrauner Schaum. Derweil schäumt Caroline Lüthi die Milch auf und giesst sie kunstvoll über den Kaffee, so dass ein Blattmotiv entsteht. Früher hat sie den Mittagstisch in Elsau geleitet, später das Café Mélange in Seen.

Heute fährt die gelernte Kinderpflegerin mit der eigenen Espressobar durch die Lande. Caro Lüthi: 53, Mutter von zwei Töchtern und junges Grosi einer 7-jährigen Enkeltochter. Kaum jemand würde sich wundern, wenn die Elsauerin mit dem Lockenschopf sich auf ein Motorrad setzen und davon brausen würde.

Stattdessen steht sie drei Mal pro Woche vormittags mit ihrem Espressomobil auf dem Sulzerareal in Winterthur. Hier in der Lokstadt, bei der Drehscheibe, Zur Kesselschmiede muss sie nicht lange auf Kundschaft warten.

Mütter mit ihren Kindern, Studierende, Lehrkräfte, Büroleute und allerlei Passanten holen sich auch an diesem Donnerstag bei ihr Kaffee. «Oh, Sie sind wieder da, schön», sagt eine Passantin.

Noch liegt die Strasse im Schatten, doch der besonnte Asphalt rückt langsam näher. «Ich bin schon seit 7.20 Uhr hier», sagt Lüthi, während sie frische Kaffeebohnen in die Maschine füllt. Die stattliche Kaffeemaschine brauche morgens 40 Minuten, bis sie aufgewärmt und einsatzbereit sei.

«Es ist mega cool, du bist so nahe an den Leuten und es ergeben sich tolle Gespräche»

Mehr als zehn Jahre haben Caroline und ihr Mann, Christoph Lüthi, der gelernter Bäcker-Conditor ist, von einem eigenen Café geträumt. «Doch dann kam die Geburt unserer Enkeltochter dazwischen.» Ihre Tochter war damals erst 17 Jahre alt. «So haben wir die Pläne auf unser eigenes Café nochmals verschieben müssen.»

Nichts Besseres habe ihnen passieren können, sind Caro und Christoph Lüthi heute überzeugt. «Unsere Enkelin ist ein Riesengeschenk.» Und inzwischen sind Streetfood und Coffee-To-Go so populär geworden, dass sie ihre Idee eines Cafés in eine mobile Kaffeestation umwandelten. «Da hat man weniger organisatorischen Aufwand als bei einem Café.»

Schon der erste Schluck macht süchtig. Mhhhhhm. Da können Kaffeekapseln nicht mithalten. «Die langsam gerösteten Kaffeebohnen aus der Rösterei l’amica in Winterthur sind sehr säurearm», erklärt Caro Lüthi. Eine geschmackliche Besonderheit sei die in der Kaffeemischung enthaltene Blue-Mountain Jamaica-Bohne. «Sie wächst in kühlerem und nebligem Klima und reift deshalb langsamer als andere Kaffeekirschen», erklärt die Kaffee-Expertin hinter der Theke.

Weil sie eine spezielle Bohnensorte verwenden, hat der Kaffee der Lüthis einen einzigartigen Geschmack.

Vor zwei Jahren hat sich das Elsauer Paar einen Fiat Doblo angeschafft und ihm einen Kofferaufsatz verpasst. «Wir haben damit kein neues Konzept erschaffen.» Sie wollen Kaffee und Gastfreundschaft «von Herzen und originell» anbieten.

Die Umweltverträglichkeit im Espressomobil wird gross geschrieben. Das reicht von Bio Chai Rooibos mit Bio-Milchhaube bis hin zu indischen Gewürzen, die direkt von einer Kleinbauernkooperative aus Kerala importiert werden. Die Trinkbecher und Rührstäbe der Espressobar sind kompostierbar, die Servietten aus Recyclingpapier und ungebleicht..

«Das grosse Geld macht man damit nicht», räumt Lüthi lachend ein, die – «Implenia sei Dank» – hier jeweils dienstags, mittwochs und donnerstags von bis 14 Uhr stehen kann. «Mein Tagesumsatz schwankt je nach Wetter von 300 bis auch mal 440 Franken.» Lukrativer können die Lüthis ihr Espressomobil an Events einsetzen, wo sie dann auf Bestellung zum Beispiel ein Dessertbuffet zum Kaffee anbieten. Seit einer Woche steht das Espressomobil wieder in der Lokstadt. «Es ist mega cool, du bist so nahe an den Leuten und es ergeben sich tolle Gespräche», schwärmt Caro Lüthi. Im Stehen sei das Leben irgendwie ungezwungener, findet die Barista, die ihrer Kundschaft keine Sitzgelegenheiten anbietet. «Der eine und die andere bleiben trinken den Kaffee gleich hier, um den Becher danach kompostieren zu können.»

«Jetzt brauch’ ich einen Kaffee», sagt eine junge Frau. «Schön», schwärmt sie, als sie das Endprodukt in den Händen hält. Sie müsse zwar leider bei diesem Wetter ins Büro. – Mit diesem Coffee-to-go geht das aber leichter. Jede Wette.

(Der Landbote)

Erstellt: 20.04.2018, 15:41 Uhr

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