Hettlingen

Ihr rauer Ruf ertönt nachts jetzt öfters

Ein Dutzend Schleiereulen sind kürzlich in Hettlinger Nistkästen geschlüpft – so viele wie schon lange nicht mehr. Bauern mögen die Tiere, weil sie sie vor Mäuseplagen schützen.

Die jungen Schleiereulen schlüpfen nicht alle gleichzeitig. Deshalb sehen einige der Tiere im Nistkasten «erwachsener» aus als andere. Der Gesichtsschleier fängt Geräusche wie ein Trichter auf.

Die jungen Schleiereulen schlüpfen nicht alle gleichzeitig. Deshalb sehen einige der Tiere im Nistkasten «erwachsener» aus als andere. Der Gesichtsschleier fängt Geräusche wie ein Trichter auf. Bild: zvg

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Sieben Augenpaare blickten Stefan Walthert entgegen, als er den Nistkasten öffnete. Der Greifvogelbeauftragte des Naturschutzvereins Hettlingen (NVH) war während seines Kontrollgangs im Mai auf einem Bauernhof die Leiter hinaufgeklettert und entdeckte die jungen Schleiereulen. Und nur zwei Wochen später fand er bei einem anderen Landwirt nochmals fünf Jungvögel. «Ein grosser Bruterfolg für eine Eulenart, die in der Schweiz immer seltener wird», schreibt der NVH in der «Hettlinger Zytig».

In der Tat nisteten in den 14 Kästen, welche der Naturschutzverein in Hettlingen und umliegenden Gemeinden betreut, in den letzten rund zehn Jahren vor allem Turmfalken. Im vergangenen Jahr hatte ein Eulenpaar ebenfalls bereits erfolgreich gebrütet. In der Regel legt ein Weibchen zwischen fünf und sieben Eier, alle zwei Tage eines.

Eulen erhalten einen Ring

Im Dienste von Wissenschaft und Naturschutz beringt Walthert die Jungtiere mit einem Aluminiumring, bevor sie ausfliegen. Dafür hat er eine Spezialausbildung und eine vom Bund ausgestellte Bewilligung. «Die Jungtiere sind dabei sehr entspannt und flattern im Gegensatz zu Turmfalken kaum.»

Zu diesem Anlass, der Anfang Juni bereits über die Bühne gegangen ist, werden Vereinsmitglieder und weitere Interessierte eingeladen. Sie dürfen die Tiere dann auch in die Hände nehmen. «Anders als bei Rehkitzen ist das für die Eulen kein Problem», sagt Walthert. Ihr Geruchssinn spiele keine so grosse Rolle. Die Elterntiere würden ihre Jungen also deswegen nicht im Stich lassen.

Es sei eher so, dass der Mensch dann, wenn er ein Tier angefasst habe, den ganzen Tag nach Eule rieche. Die Tiere lebten in den Nistkästen dicht gedrängt, wo sie von den Elterntieren vor allem mit Wühlmäusen gefüttert würden. Das, was sie nicht verdauen können, also etwa Knochen und Haare, würgen sie in trockenen Ballen wieder heraus. Mit dem Kot ergibt das dann eine stark riechende Geruchsmischung.

Die Metallringe beeinträchtigen die Vögel in ihrem Verhalten nicht. Hingegen liefern sie, wenn die Ringe gefunden werden, Informationen zu Zugrouten, Winterquartieren, Ortstreue, Lebenserwartung und Todesursachen. Schweizweit beteiligen sich 35 lokale Gruppen, darunter auch der NVH, an einem Förderprogramm für Schleiereulen und Turmfalken, das von der Vogelwarte Sempach koordiniert wird.

Trotz dieser Bemühungen sieht es für den Bestand der Schleiereule in der Schweiz nicht gut aus. Nach Schätzungen der Vogelwarte gab es in den Jahren zwischen 2005 und 2009 rund 1000 bis 2500 Paare. Seither ist der Bestand nochmals um etwa 30 Prozent zurückgegangen, wie Livio Rey, Biologe der Vogelwarte, sagt. Das Tier figuriert auf der roten Liste der potenziell gefährdeten Arten.

Unter strengen Wintern leidet es besonders, weil es wegen der lange liegen bleibenden Schneedecke keine Nahrung findet. Ist der nachfolgende Frühling auch noch nass und kalt, gibt es weniger Mäuse, was Eulenpaare wiederum aufs Brüten verzichten lässt.

Die Bauern haben die tierischen Untermieter ganz gerne, weil sie in der Brutzeit bis zu 50 Mäuse jagen pro Nacht – dank der Tatsache, dass der Flug der Eule völlig geräuschlos ist und sie ein sehr gutes Gehör haben. Ihr rauer und rollender Ruf ist in den lauen Sommernächten jetzt öfters zu hören. (Landbote)

Erstellt: 14.07.2017, 16:56 Uhr

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