Elgg

Im Café International voneinander lernen

Migranten und Einheimische haben im neu eröffneten Café International in Elgg erste Kontakte geknüpft. Beide Seiten sind überzeugt: Die Begegnungsstätte hat Zukunft.

Viel Publikum kam an den Eröffnungsanlass des Café International in Elgg.

Viel Publikum kam an den Eröffnungsanlass des Café International in Elgg. Bild: Madeleine Schoder

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Grossandrang im reformierten Kirchgemeindehaus Elgg: Rund 80 Personen sind zur Eröffnungsveranstaltung des Café International gekommen. «Ich bin sehr erfreut, dass die Elgger Bevölkerung so zahlreich erschienen ist», sagt Dora Lackner Schmid, die Sozialvorsteherin der Gemeinde.

Das Café International ist eine interkulturelle Begegnungsstätte und wird ab Januar 2018 einmal im Monat durchgeführt. Angestossen hat das Projekt die Elgger Integrationsbeauftragte Sibylle Disteli Berni. Ziel sei es, die soziale Durchmischung von Migranten und Einheimischen zu verbessern und damit die Integration zu fördern.

Migrantinnen sind oft isoliert

Seit 2010 lebt Neane Abazi aus Mazedonien mit ihrem Mann in Elgg. Sie spricht nur wenig Deutsch. Zu Hause sprechen sie nur Albanisch. Ihr Ehemann lebe schon länger hier und habe schon wegen der Arbeit gute Deutschkenntnisse. Gerade für Frauen, die nicht erwerbstätig sind, sei es schwierig, ausserhalb der eigenen Familie Kontakte zu knüpfen, sagt die Integrationsbeauftragte. Sie hofft, dass durch den Besuch des Cafés die integrative Durchmischung gefördert wird. Das würde helfen, die Deutschkenntnisse der Migranten zu verbessern. «Bisher gibt es nur Deutschkurse auf privater Basis für Migranten», sagt Disteli. Pro Unterrichtsstunde zahle jeder Teilnehmer zehn Franken.

Den Start erleichtern

Auch Fetije Abazi, Schwägerin von Neane, hat keinen Kontakt zu Schweizern. Ihre Tochter gehe in die zweite Kindergartenklasse und spreche jetzt gut Deutsch. «Die deutsche Sprache hat sie aber erst im Kindergarten gelernt», sagt Fetije Abazi. Das sei die beste Art der Integration, meint Irene Wehrli aus Elgg. «Es ist eine sehr bodenständige Integration, die bei Kindergartenkindern und Schülern gut funktioniert», sagt Wehrli. Früher hat sie ehrenamtlich in einer interkulturellen Frauengruppe mitgearbeitet und hilft nun im Café International. Ihre Motivation: Sie findet es wichtig, Menschen anderer Kulturen den Start im Ort zu erleichtern. Wehrli sieht sich als Vermittlerin.

Unterstützung erhalten Migranten auch von den sieben ehrenamtlichen Kulturvermittlerinnen und -vermittlern. Die Kubanerin Kenia Sonderegger, verheiratet mit einem Schweizer, ist eine von ihnen. «Ich möchte aufzeigen, wie es hier im Land läuft. Damit Migranten nicht so einen grossen Kulturschock haben, wie ich es erlebt habe», sagt sie.

Die Kulturvermittler unterstützen die Migranten in allen Alltagsbelangen und können über die Gemeinde Elgg kontaktiert werden.

Kulturen kennen lernen

Aus Interesse an anderen Kulturen und der Integrationsfrage ist die Elggerin Irene Gold zur Eröffnungsfeier des Cafés gekommen. Gerne möchte sie wiederkommen und Leute aus anderen Kulturen kennen lernen. Aber auch über die menschlichen Hintergründe und Schicksale der Migration würde sie gerne mehr wissen. «Ich könnte mir durchaus vorstellen, eine Migrantenfamilie zu betreuen.» Irene Gold kommt aus einem sozialen Beruf und ihr Denken sei sehr sozial geprägt.

Es habe viele Besucher, die in Elgg aufgewachsen seien oder schon lange hier leben, meint Terese Frei, ehemalige Vorsteherin der Sozialbehörde Elgg. Sie will sich das Konzept der Begegnungsstätte einmal anschauen. Und glaubt, nachdem sie es gesehen hat: Das Café International hat eine Zukunft. (Der Landbote)

Erstellt: 11.11.2017, 08:48 Uhr

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