Rickenbach

Im Wald etwas wagen müssen

Mit einem Klassenlager im Wald will Primarlehrer Christian Bach seine Sechstklässler aus der Komfortzone locken.

Zusammen kochen auf dem Waldboten: Die Schüler sollen sich selbst und auch als Gruppe neu entdecken.

Zusammen kochen auf dem Waldboten: Die Schüler sollen sich selbst und auch als Gruppe neu entdecken. Bild: Nathalie Guinand

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«Sie, dürfen wir jetzt Kafi machen?», fragt eine Schülerin, während einige ihrer Kameradinnen und Kameraden damit beschäftigt sind, im Wald Pancakes zu braten. Andere üben derweil, mit Plastikplanen Zelte zwischen zwei Bäumen zu errichten.

Den Kafi machen die Sechstklässler nicht für sich selbst, sie erwarten ihre Eltern, die zum Zvieri in das Rickenbacher Waldstück eingeladen sind. Das alles ist Teil eines Vorbereitungstags für ein Klassenlager, das in der nächsten Woche stattfinden soll – ebenfalls draussen. «Draussen miteinander arbeiten ist nachhaltiger als im Schulzimmer», sagt Klassenlehrer Christian Bach.

«Ein Schüler, der im Unterricht zurückhaltend ist, zeigt im Wald vielleicht plötzlich, dass er wahnsinnig gut ist im Feuermachen.»

Es tue gut, die Kinder in einem anderen Umfeld zu sehen. «Ein Schüler, der im Unterricht zurückhaltend ist, zeigt im Wald vielleicht plötzlich, dass er wahnsinnig gut ist im Feuermachen.» Das könne verändern, wie sich die Kinder untereinander sähen und auch seinen eigenen Blick. Bach organisiert das Klassenlager zum zweiten Mal mit externer Unterstützung durch die Teambegleitung und Klassenbegleitung GmbH.

Das Projekt steht unter dem Titel «Raus in den Wind», Bach möchte seine Schüler aus der Reserve locken. Lucas Zack, einer der Inhaber des Unternehmens, begleitet die Klasse mit einem Mitarbeiter: «Die Schüler müssen sich hier zeigen und Verantwortung übernehmen», sagt er.

Die Sechstklässler stellen ihre Zelte selbst auf.

Oft erst in der Krise gerufen

An zwei vergangenen Tagen hat die Klasse bereits zusammen ein Burger-Festival durchgeführt und nach dem Lager soll es noch einen Elternabend geben. «Hier in Rickenbach arbeiten wir im Bereich Prävention», sagt Zack.

Oft kämen Schulen aber erst auf die Klassenbegleitung zu, wenn bereits eine Krise im Gang sei, sagt er. In vielen Fällen gehe es um Mobbing, Gruppen von Schülern richten sich gegen andere Schüler oder Lehrpersonen. «Wir werden gerufen, wenn an Arbeit nicht mehr zu denken ist und Schulleitungen und Sozialpädagogen nicht mehr weiter wissen.»

«Es ist nicht freiwillig und es finden es auch nicht immer alle  lässig.»

Die Klassenbegleitung versuche dann, draussen neue Lösungsansätze auszuprobieren und die Klasse einen neuen Umgang miteinander finden zu lassen. Danach würden diese Erkenntnisse im Schulzimmer verankert. Auch andere Lehrer beziehe man in diesen Prozess mit ein: «Wir wollen verhindern, dass schwierige Situationen geheim gehalten werden», sagt Zack.

Auch wenn es von aussen spassig wirke, die Teilnahme sei für die Schüler nicht freiwillig und es fänden es auch nicht alle immer lässig, sagt Zack. Der Rahmen sei sehr klar vorgegeben und auch die Lehrer müssten sich aus ihrer Komfortzone bewegen. Die Projekte seien Übungsfelder, in denen sich alle selbst und als Gruppe neu kennenlernten.

Jeder kocht die Pasta selbst

In Rickenbach scheint der Spass an diesem Nachmittag jedoch nicht zu kurz zu kommen: «Ich finde es mega cool», sagt der elfjährige Glen und Matteo, zwölf, pflichtet ihm bei: «Ich finde es toll hier draussen im Wald, das ist mal etwas Neues.» Glen erzählt, wie sie an einem der ersten Tage selbst Pasta kochen mussten: Jeder auf seinem eigenen Feuer seine eigene Portion. Zum Schluss fügten sie sie zusammen.

«Ich sehe Schüler selten so ernsthaft in der Schule wie hier draussen», sagt Zack. Sie könnten sich hier direkt selbst wirksam erleben. Auch die Folgen vonTeamarbeit seien hier direkter sichtbar: Das Küchenzelt kann keiner alleine aufstellen. Laut Zack ist die Nachfrage für solche Projekte an Schulen durchaus da, aber nicht immer das Geld.

In Rickenbach sei die Schulleitung von Anfang an involviert gewesen, sagt Bach. «Andere Lehrer machen Velolager oder arbeiten mit Theaterpädagogik. Ich finde, zu dieser Klasse passt das Lager im Wald.»

(Der Landbote)

Erstellt: 04.09.2018, 18:43 Uhr

Lucas Zack, Inhaber Teambegleitung und Klassenbegleitung GmbH.

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