Pfungen

Im Wald haben sie fünf Tage «sturmfrei»

Ein eigenes «Haus» bauen und dekorieren, den ganzen Tag Marshmallows schmelzen über dem Feuer, Holz zurechtschneiden und dabei von niemandem kontrolliert werden – in der Waldwoche erproben rund 100 Kinder ein Leben ohne Eltern.

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Eine Woche Freiheit – nichts weniger suchen die Kinder in der Waldwoche der Gemeinden Pfungen und Dättlikon. Das Angebot ist für viele ein Fixpunkt in ihrer Agenda. Es gehe so weit, dass einige Kinder ihren Eltern verbieten würden, in der ersten Sommerferienwoche anderweitig Ferien zu buchen, sagt Forstwart Ralph Bühler. Er leitet die Woche, an der in diesem Jahr rund 100 Kinder teilnehmen, und damit etwas weniger als zu Spitzenzeiten. Das hat auch sein Gutes. «Bei 150 Anmeldungen stossen wir an unsere Grenzen», sagt Bühler. Der Wald oberhalb von Pfungen bietet zwar viel Platz, doch die Kinder müssen ja dann, bei aller Zurückhaltung, doch auch betreut werden.

Offizieller Grundsatz der Woche ist: minimale Regeln. Die Kinder müssen selbst Verantwortung übernehmen. Und das funktioniere gut, sagt Bühler. Handys und Nielenrauchen sind erlaubt. Verbindlich gilt, dass alle anständig miteinander umgehen und keine ausgewachsenen Bäume beschädigt werden. Konkret darf der Stamm von gefällten Bäumchen maximal den Durchmesser eines Fünflibers haben.

Freinacht geplant

Diese letzte Regel haben ein paar 13-jährige Jungs diese Woche arg ausgereizt, wie sich bei einem Besuch zeigt. Vor ihrer Hütte steht ein mit Weihnachtskugeln dekoriertes Tannenbäumchen. Sie sitzen daneben um eine Feuerstelle und rauchen Nielen. In einem Plastikbehälter haben sie ihr eigenes Getränk mitgebracht: Zitronenmelissentee mit Zucker. Heute dürfen sie erstmals auch die Nacht im Wald verbringen. Werden sie also in der Hütte schlafen? – «Nein, wir bleiben auf!»

Es ist die Standardantwort. Doch Bühler weiss aus Erfahrung: «Die meisten schlafen dann doch noch, so um zwei Uhr in der Nacht.» Oder sie suchen die Helfer, nur um zu erzählen, dass sie nicht schlafen können. «Dann haben sie meistens Heimweh.» Eine Person hält immer Nachtwache. Auch aus Sicherheitsgründen. Etwa, damit kein Kind mit dem Schlafsack zu nahe am Feuer schläft.

Fünf Tage lang im Wald leben, Hütten bauen und ab und zu mit der Seilbahn runtersausen: So verbringen 100 Jugendliche die erste Ferien Woche in Pfungen. Bild: jb

Das Grundgerüst der Hütten stellt jeweils der Forstwart mit seinem Team im Vorfeld auf. Die Kinder bauen dann Dächer aus Plachen und Zweigen. «Die Kinder, die schon mehrfach hier waren, sind meist schon gut organisiert», sagt Bühler. Jede Gruppe erhält von den Helfern eine Strassensäge und eine Baumschere. Viele bringen zudem ein Beil oder ein Messer von zu Hause mit. Diese Woche musste Bühler mit zwei Kindern zum Arzt, um eine Wunde zu nähen. Ehrensache, dass diese Jungen jetzt wieder hier sind.

Badewanne zum «Tünkeln»

Eine Rangordnung bildet sich ganz von allein nach Alter. In den ersten Hütten, nahe bei der Blockhütte der Helfer, sind die Jüngsten einquartiert. Sie kommen nach den Sommerferien in die erste Klasse. Ganz hinten in der Sackgasse der Steinertobelstrasse die Ältesten. Einige Neuntklässler sind jetzt schon traurig, dass es ihre letzte Waldwoche ist. «Ich komme wieder als Helferin», sagt eine. «Dann kann ich auch Kinder in die Badewanne tünkeln.» Die Mädchen kichern. Sie provozieren die Forstlehrlinge manchmal so lange, bis sie von ihnen in die Badewanne geschubst werden.

Eltern bis 23 Uhr zu Gast

An diesem Donnerstagabend allerdings wird die Wanne anderweitig benötigt: zur Kühlung der Getränke. Denn für einmal erhalten auch die Eltern kurz Zutritt zur Waldwoche. Die rund 30 Helfer kochen für alle Penne mit Saucen. Mit einem Shuttle bringen sie die Eltern dann wieder zurück nach Dättlikon und Pfungen. Ab 23 Uhr gehört der Wald wieder den Kindern.

Erstellt: 19.07.2019, 11:14 Uhr

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