Gachnang

Implantatefirma gibt Geschäft wegen neuer EU-Verordnung auf

Die Jossi Holding AG mit Sitz in Islikon wächst, stellt aber die Aktivitäten einer Tochterfirma ein.

Die Jossi-Tochter Jossi Orthopedics AG stellt seine Aktivitäten per April 2020 ein.

Die Jossi-Tochter Jossi Orthopedics AG stellt seine Aktivitäten per April 2020 ein. Bild: jossi.ch

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Medizinprodukte wie etwa Implantate werden europaweit aktuell nicht staatlich, sondern von privaten Firmen kontrolliert. Immer wieder kam es zu Skandalen: So verwendete der französische Hersteller Poly Implant Prothèse etwa verunreinigtes Silikon aus dem Baubereich für seine Brustimplantate. Auch die damalige Winterthurer Sulzer Medica (heute Teil von Zimmer Biomet) stand 2001 im Fokus, als verunreinigte Hüftgelenke für Schlagzeilen sorgten.

Solche Skandale sollen in Zukunft verhindert werden: Per 26. Mai 2020 werden staatliche Zulassungen für Medizinprodukte in Europa Pflicht. Somit auch in der Schweiz, die ihr Recht für Medizinprodukte seit über 20 Jahren auf die Richtlinien der Europäischen Union abstimmt. Schliesslich geht fast die Hälfte der Exporte in die EU.

Das hat grössere Auswirkungen auf den Schweizer Markt. Sämtliche Produkte müssen rückwirkend neu zugelassen werden. Von einer «Umwälzung, die vor allem kleinere Anbieter in die Bredouille bringt», schrieb die Zeitung «Finanz und Wirtschaft» im Dezember.

Mehr Kontrollen nötig

Am Donnerstag meldete nun die Jossi Holding AG mit Sitz in Islikon, dass das Tochterunternehmen Jossi Orthopedics AG seine Aktivitäten bis spätestens April 2020 einstellen werde. Die Firma stellt im Kundenauftrag Komponenten für Gelenkimplantate her und begründet den Entscheid vor allem mit der neuen EU-Verordnung. «Das gibt einen überproportionalen Aufwand für eine Firma unserer Grösse», sagt Armin Jossi, CEO der Jossi Holding AG.

So müsse sich neu jede Firma in der gesamten Lieferkette selber überzeugen, dass sich die Lieferanten an die Spielregeln halten würden. «Bisher reichte es, wenn ein Lieferant ein entsprechendes Zertifikat vorweisen konnte.» Die Anzahl Kontrollen würde so exponentiell zunehmen. «Dieser grosse Betreuungsaufwand führt dazu, dass die Kunden die Zahl ihrer Lieferanten reduzieren möchte. Zudem sind die Innovationen in den nächsten Jahren blockiert, weil sich die Ingenieure um die neuen Zulassungsvorgaben kümmern müssen. So bleiben neue Aufträge aus.»

Auch der Aufwand für die Jossi Orthopedics AG würde durch die intensiveren Kontrollen der eigenen Lieferanten steigen. Auch an die Zulassungsstellen werden neu erhöhte Anforderungen gestellt. Dies führt dazu, dass es vorderhand noch viel zu wenige akkreditierte Zertifizierungsstellen gibt. «Aktuell gibt es europaweit eine einzige, vorher waren es ungefähr 50.» Von einem Nadelöhr und einem drohenden Versorgungsengpass ist in der Branche die Rede.

«Das gibt einen überproportionalen Aufwand für eine Firma unserer Grösse.»Armin Jossi, CEO Jossi Holding AG

Die 25 Mitarbeiter aus dem Islikoner Orthopädiegeschäft sollen grösstenteils in die Jossi AG integriert werden. Diese stellt im gleichen Gebäude in Islikon im Kundenauftrag Geräte für den Medizinbereich her, wie etwa Zentrifugen zur Extraktion von Stammzellen aus Nabelschnurblut. «Wir hoffen, dass wir über 15 Mitarbeiter intern verschieben oder an befreundete Firmen mit entsprechenden Aufträgen abgeben können», sagt Jossi. Einige wenige Entlassungen würden wahrscheinlich unvermeidlich sein, allerdings werde es wohl auch freiwillige Abgänge geben.

Die Jossi AG wird durch die internen Übertritte wachsen, von heute 120 auf 130 Mitarbeitende. Der Umsatz fürs kommende Geschäftsjahr soll sich von 30 auf 35 Millionen Franken erhöhen. «Denn die Medizintechgeräte sind von der neuen EU-Verordnung weniger stark betroffen, weil sie anders als Implantate nie in einen Körper gelangen», erklärt Jossi. Man wolle nun von der Dynamik im Gerätemarkt profitieren. (Landbote)

Erstellt: 17.05.2019, 10:57 Uhr

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