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In der Kunst kann jedes Krokodil ans Meer

«Was ist Schein, was ist Sein?», fragt sich der Elsauer Kulturstifter Andreas Hugi, und er fragt es die beiden Künstler Andy Wildi und Alesch Vital. Die Ausstellung, die Hugi heute eröffnet, trägt seine Frage als Titel.

In der Kunst passen Lokomotiven perfekt ans Meer.
In der Kunst passen Lokomotiven perfekt ans Meer.
Marc Dahinden

Ein silberner Käfer, ein goldenes Kalb und ein elegantes Viech, das seine Hörner in die Höhe hebt, es heisst «Die wahrhaftige Schönheit». Alle sind sie aus Metallen gefertigt, die der Bündner Künstler Alesch Vital zusammengesucht und verschweisst hat, wie es ihm gefällt, aber stets ohne die Einzelteile stark zu verfälschen.

Seinem eigenwilligen Bestiarium aus Silberlöffeln und Heugabeln, aus Türbeschlägen und Riesenschraubenziehern eine Liebe zur Natur eingeschrieben, obwohl seine Materialien unbelebt sind: Sie wirken archaisch, nah den Kreaturen, die sie verkörpern. Und sie geben Unrat neue Aufgaben in der Welt, als Kunst, freundlich aber nicht harmlos.

Vital, der Biobauer und Künstler, der sich «Agrartist» nennt, hat sich auch als Politaktivist und Aktionskünstler im Einsatz für die Umwelt einen Namen gemacht.

Wehmut in der Mittagssonne

Ernst spricht auch aus dem Humor des Tessiner Künstlers Andy Wildi. Hier ist es kein Aktionismus, der sein Werk durchzieht, dafür eine Wehmut, schwer wie die Luft an heissen Julitagen irgendwo im Süden, in einer Stadt, an einem Strassenrand. Mittags am Mittelmeer unter der gliessenden Sonne, einer der Schauplätze von Wildis Malerei, die manchmal an den Amerikanischen Realismus Edward Hoppers erinnert.

Auch Wildi scheint von der Einsamkeit zu erzählen in seinen Gemälden, mal sind es Leuchttürme, mal Stilleben oder Zimmer: Eine Küche, ein Schlafplatz. Menschen kommen keine vor im Bild, aber ihre Geschichten sind da: Im Fahrrad, das ans Haus gelehnt ist, hinter dem Schaufenster, auf dem Metzgerei geschrieben steht oder mit dem Fisch auf dem Esstisch, den einer gefangen hat.

Zum Greifen plastisch sind die Dinge, die er malt: Präzise wie eine Zeichnung des Statikers, der eine Brücke plant. Jeder Schatten, jede Kante, jede Fuge im Plattenboden rhythmisiert die Bilder. Wildi malt Trompe-l’œils, Konturen und Perspektiven verführen das Auge, ihnen lange zu folgen, wenn da ein Stuhl, der schier zu kippen droht, eines seiner Beine auf ein Ei stellt, das trotzdem nicht zerbrechen will. Stark ist sein Sinn für die Illusion, es finden alle Dinge ihren Platz und scheinen dort perfekt, wie die Krokodil-Lokomotive, die er ans Meer stellt, weil sie da schön ist.

Eine, zum Melancholisch sein

Wildi begegnet Vital ab sofort für eine kurze Zeit: Keine zwei Monate lange werden die Werke miteinender wirken und dabei so tun, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, als wären sie immer nebeneinander gewesen, so gut harmonieren sie. Es ist eine feine Ausstellung, die der Elsauer Kunstsammler und Ausstellungsmacher Andreas Hugi heute eröffnet: eine zum Staunen und zum Schmunzeln; eine, zum Melancholisch sein

Ausstellung «Was ist Schein, was ist Sein?» Hohlgasse 6, Elsau. Vernissage heute ab 19 Uhr, Einführung in die Arbeiten von Andy Wildi und Alesch Vital durch Beat Soller, Gestalter. Die Zürcher Sängerin La Lupa singt Acapella. Ausstellung offen Sa. 26.5. und So. 27.5. 13 Uhr – 20 Uhr; Sa. 9.6. 13 Uhr – 20 Uhr. Sa. 23. 6.: 13 Uhr – 20 Uhr, um 18 Uhr liest Alesch Vital lustige Geschichten; Finissage Sa. 7.7. 13 Uhr – 20 Uhr mit musikalischer Begleitung. Weitere Termine nach Vereinbarung: 079 430 39 56.

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