Embrach/Pfungen

Jäger und Läufer einigen sich

Erstmals nach über 20 Jahren findet im Blauenwald zwischen Embrach und Pfungen wieder ein Orientierungslauf statt. Vor gut drei Jahren war das noch ein grosser Streitfall.

Der Orientierungslaufclub Kapreolo, Esperanto für männliches Reh, veranstaltet im November erstmals seit über 20 Jahren wieder einen nationalen Orientierungslauf im Blauen zwischen Embrach und Pfungen.

Der Orientierungslaufclub Kapreolo, Esperanto für männliches Reh, veranstaltet im November erstmals seit über 20 Jahren wieder einen nationalen Orientierungslauf im Blauen zwischen Embrach und Pfungen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 4. November trifft sich die nationale Elite des Orientierungslaufens (OL) im Blauen. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren findet damit im Wald zwischen Pfungen und Embrach wieder ein OL statt. «Wir haben einen etwas längeren Anlauf gebraucht», sagt Präsident Pascal Vieser vom Glatttaler Orientierungslaufclub (OLC) Kapreolo.

«Die Jäger hatten wenig realistische Vorstellungen von Auswirkungen eines OLs auf das Wild»Andreas Curiger,
Laufleiter

Für den nationalen Team-OL werden 430 Teams mit rund 1300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet. Ein OL mit mehr als tausend Läufern fand im Blauen letztmals 1989 statt. Mit dem Sturm Lothar begann 1999 die OL-Pause. «Infolge von Sturmschäden war der Blauen praktisch zwei Jahrzehnte nicht verwendbar», sagt Andreas Curiger Laufleiter des Wettbewerbs im November.

«Aufwand unterschätzt»

Vor rund drei Jahren bemühte sich der Verein erstmals seit dem Sturm um eine Bewilligung im Blauen. «Wir stiessen auf grossen Widerstand bei den Jägern», sagt Curiger. Inzwischen hatte eine neue Generation von Jägern das Waldstück übernommen. «Sie hatten wenig realistische Vorstellungen von Auswirkungen eines OLs auf das Wild», sagt Curiger.

Auf der anderen Seite habe der Club «den Aufwand der Kommunikation mit den Jägern total unterschätzt». Emanuel Steiner, Jagdaufseher Embrach-Ost, fügt hinzu: «Der Laufclub hatte die Planung sehr knapp bemessen. Zudem hatten die Veranstalter in ihrer Planung weder die Wildkorridore von nationaler Bedeutung noch diverse Naturschutzgebiete berücksichtigt.»

«Wir haben uns für die Wildtiere eingesetzt, wie es das Gesetz auch von uns verlangt»Emanuel Steiner,
Jagdaufseher

Das Jagdgebiet Embrach-Ost zeichne sich durch diese zwei Wildkorridore aus: «Es sind die einzigen Zugänge für das Wild auf die Brütterhöhe.» Dort und im Natuschutzgebiet des Bundesinventars dürfen laut Steiner keine Sportanlässe durchgeführt werden.

«Wir haben uns für die Wildtiere eingesetzt, wie es das Gesetz auch von uns verlangt», sagt Jagdaufseher Steiner. Im Wald würden sich ganz verschiedene Gruppen von Menschen bewegen, aber auch die Wildtiere. «Allen muss Rechnung getragen werden.»

Gebiet abgeändert

Im Februar 2016 hatte der OLC Kapreolo noch keine Bewilligung von der Gemeinde Embrach erhalten, der Lauf fand deshalb am Irchel statt. Embrach stellte jedoch eine Bewilligung zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht. Die Gemeinde lud alle Parteien an einen runden Tisch ein, um eine gemeinsame Lösung zu suchen.

«Man konnte sich auf ein leicht abgeändertes Gebiet einigen», sagt Daniel von Büren, Geschäftsführer der Gemeinde Embrach. Jagdaufseher Steiner spricht von «vielen einvernehmlichen Gesprächen». Laufleiter Curiger führt aus: «Wir klammern wegen der Wildkorridore einen grossen Teil im Süden des Waldes und den Steilhang im Norden vom Lauf aus.»

Diese Einschränkungen seien jedoch nicht aussergewöhnlich, damit seien die OL-Bahnleger immer wieder konfrontiert, sagt Curiger. «Anfangs war das Team zwar skeptisch, mittlerweile ist es aber überzeugt, meisterschaftswürdige Bahnen vorlegen zu können.»

Jagd wird angepasst

Auf genaues Kartenlesen, das Treffen von richtigen Entscheidungen zur Routenwahl oder Aufteilung der Teamarbeit müssen die Läufer laut Curiger nicht verzichten. Er sagt aber: «Vielleicht werden sich die längeren Bahnen am unteren Ende der vom Verband vorgegebenen Leistungsanforderungen bewegen.»

Heisst konkret: Die Bahnen sind durch das gesperrte Waldgebiet etwas kürzer geraten. Die schnellsten Läufer werden den OL somit nach rund 70 Minuten beendet haben, das ist die Mindestlaufzeit, die der Verband vorgibt.

Für die Jagd im Blauen nehmen die Jäger ebenfalls Rücksicht auf die Läuferinnen und Läufer. «Wir werden vor und nach dem OL jagen.» Das Wild werde nach dem Anlass Zeit brauchen, um sich wieder beruhigen zu können. «Sonst können wir nicht jagen, die Jagd ist eine ruhige Sache.»

(Der Landbote)

Erstellt: 07.09.2018, 14:56 Uhr

Artikel zum Thema

Artikel zum Thema

Kanton nimmt Mitarbeiter in Schutz

Jagd Urs Philipp ist Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, selber Jäger und an einem Jagdgeschäft beteiligt. Das sei alles völlig in Ordnung, sagt die Baudirektion und weist Vorwürfe von Jagdgegnern entschieden zurück. Mehr...

Leisten Jäger nötige Arbeit oder haben sie bloss Lust am Töten?

Streitgespräch Die Stimmberechtigten entscheiden demnächst über eine Initiative, welche die Milizjagd im Kanton verbieten will. Ein Jäger und eine Jagdgegnerin debattieren. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!