Elgg

Jagdhunde müssen sich in Elgg an Wildschweine gewöhnen

Bevor sie auf die Jagd dürfen, müssen Jagdhunde in der Schweiz zuerst in einem Gewöhnungsgatter mit Wildschweinen üben. Die erste Anlage dieser Art soll in Elgg gebaut werden.

Schweizer Jäger müssen mit ihren Hunden nach Elgg.

Schweizer Jäger müssen mit ihren Hunden nach Elgg. Bild: Symbolbild/Keystone

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Hunde, die für die Schwarzwildjagd eingesetzt werden, müssen neu dafür ausgebildet sein. So will es die Gesetzgebung seit 2015. In Deutschland und Österreich gilt diese Regelung schon länger, in speziellen Ausbildungsgehegen können Jäger mit ihren Tieren üben. Das soll nun auch in der Schweiz möglich sein – genauer: in Elgg Heurüti. «Dort stimmen alle Bedingungen», sagt Urs Philipp, Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Man habe in verschiedenen Kantonen nach Standorten gesucht, aber nirgends passte es verkehrstechnisch, topografisch und von den Besitzverhältnissen so gut wie in Elgg.

Verletzungen verhindern

Das Projekt sieht ein rund 6,4 Hektare grosses Gehege mit Wildschweinen im Wald vor, das in vier Bereiche unterteilt ist. Zuständig für die Tiere sind speziell ausgebildete Gattermeister. «Sie müssen die Wildschweine sehr gut kennen, die Tiere sollten ihnen praktisch aus der Hand fressen», sagt Philipp. Nur so könne man gewährleisten, dass sie sich im Krankheitsfall einfangen liessen und es nicht zu Fluchtreaktionen komme. Der Kontakt zum Mensch werde täglich über Fütterung, Zaunkontrolle und Training stattfinden.

Ein Gewöhnungsgatter sei die einzige Möglichkeit, wie Jagdhunde mit Wildschweinen trainieren können, sagt Philipp. «Sie sollen lernen, respektvoll auf die Wildschweine zuzugehen, aber trotzdem hartnäckig dranzubleiben.» An erster Stelle wolle man verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig verletzten. Die Hartnäckigkeit braucht es bei der Nachsuche, wenn ein verletztes Wildschwein im Wald gefunden werden muss. «Das ist eine heikle Sache, der Hund darf dann nicht aufgeben», sagt Philipp. Die Hunde seien für die Jagd unabdingbar, da ohne sie der Bestand an Schwarzwild fast nicht reguliert werden könne.

Laut Philipp ist das Gewöhnungsgatter schon länger in Planung. Den Auftrag gab die Schweizerische Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz, eine Kompetenzgruppe kümmerte sich um die Standortsuche. «Es sind sehr viele Stellen involviert», sagt Philipp. Das Projekt befindet sich momentan bei verschiedenen kantonalen Stellen in der Vernehmlassung. Da das Gebiet in Elgg ausserhalb der Bauzone liegt, muss auch der Kanton sein Einverständnis geben. Die wichtigste Ansprechpartnerin sei aber die Gemeinde Elgg, Besitzerin des Grundstücks. «Wenn sie nicht einverstanden ist, passiert gar nichts.»

Gemeinde behält letztes Wort

Es gebe zwei Aspekte zu prüfen, sagt Gemeindepräsident Christoph Ziegler: «Erstens werden wir das Projekt natürlich baurechtlich anschauen und zweitens klären wir die Auswirkungen auf die Nachbarn und die Umwelt ab.» Ein in Auftrag gegebenes Lärmgutachten habe positive Ergebnisse gebracht: Niemand werde gestört. «Das Gebiet ist recht abgelegen», sagt Ziegler. Auch aus der Bevölkerung habe man bis jetzt keine negativen Reaktionen erhalten. Laut Konzept müsse der Kanton die Anwohner privilegiert informieren.

Hat der Kanton seine Bewilligungen gesprochen, wird das Projekt Thema im Elgger Gemeinderat. «Wir behalten uns vor, die Rahmenbedingungen festzulegen», sagt Ziegler. Sollte der Betrieb zu laut sein, würde man allenfalls Einfluss auf die Öffnungszeiten oder die Anzahl Übungseinheiten nehmen. «Wir haben eine gewisse Handhabe.» Auch die Verkehrssituation in Heurüti – der Weiler liegt rund zwei Kilometer vom Ort Elgg entfernt – werde man im Auge behalten.

24 Übungen pro Tag

Die Betriebsbewilligung erteilen wird zum Schluss das Veterinäramt. «Es ist uns sehr wichtig, dass die Jagd tierschutzgerecht und effizient durchgeführt werden kann», sagt Philipp. So soll auch das Training im Gatter ablaufen. Man habe sich mit lokalen Tierschutzorganisationen abgesprochen und bereits einen Bestandestierarzt gefunden.

Die Vorschriften halten genau fest, wie oft und wie lange trainiert werden darf: 6 Übungseinheiten pro Gehege und Tag sind erlaubt, insgesamt also 24. «Macht man zu viele, wirds den Sauen zu blöd», sagt Philipp. Man werde keine Wildfänge verwenden, sondern Tiere aus Zoos holen, die bereits an den Menschen gewöhnt sind.

Die Übungen dauern lediglich ein paar Minuten und finden unter strenger Aufsicht statt. «Man wird nicht einfach ein paar Hunde in das Gehege jagen», sagt Philipp. Zuerst lernen die Tiere die Wildschweine durch den Zaun kennen. In einem zweiten Schritt dürfen sie angeleint hinein. In einem dritten suchen sie die Wildschweine frei, aber unter Aufsicht. Erst ganz zum Schluss stöbern sie selbstständig.

Die Kosten des Projekts stünden noch nicht abschliessend fest, sagt Philipp. Das Teuerste werde wohl die Umzäunung des Geheges, er rechnet mit 150 000 bis 200 000 Franken. Die Jagdverwalterkonferenz hat einen Beitrag von 120 000 Franken zugesichert. An Zürich sollen keine Kosten hängen bleiben. Da es sich um ein nationales Projekt handelt, werden sich voraussichtlich auch andere Kantone beteiligen.

Fünf bis zehn Gattermeister

Betrieben werden soll das Gatter kostendeckend von einem Verein. Beaufsichtigen wird ihn ein Gremium, in dem Mitglieder der Jagdverwalterkonferenz und kantonaler Stellen Einsitz haben. Der Verein wird die zuständigen Gattermeister stellen. Philipp schätzt, dass zwischen fünf und zehn Personen mit der entsprechenden Ausbildung zum Einsatz kommen werden. Für die Betreuung der Anlage wird Landwirt Jonas Küpfer zuständig sein, dessen Hof in Heurüti an das Gebiet angrenzt. Er ist selbst Jäger und hat die nötigen Ausbildungen absolviert. Auf dem Hof stehen Parkplätze und eine Toilette zur Verfügung. Der definitive Entscheid werde wohl noch vor Ende Jahr gefällt, sagt Philipp. Bis zum Start der Anlage im nächsten Jahr gebe es aber noch viel Arbeit.

Erstellt: 05.10.2017, 17:20 Uhr

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