Testkäufe

Jedes zweite Mal gibts Alkohol

Bei Testkäufen haben Jugendliche in Aadorf in der Hälfte aller getesteter Verkaufsstellen Alkohol bekommen. Und auch in Flaach war der Gemeinderat kürzlich vom schlechten Ergebnis der Testkäufe im Dorf überrascht.

Bier und Wein erst ab 16, Spirituosen erst ab 18 Jahren: Ob sich die Verkaufsstellen an das Gesetz halten, wird mit Testkäufen überprüft. Foto: Marc Dahinden

Bier und Wein erst ab 16, Spirituosen erst ab 18 Jahren: Ob sich die Verkaufsstellen an das Gesetz halten, wird mit Testkäufen überprüft. Foto: Marc Dahinden

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Jugendliche im Einsatz für den Jugendschutz: Im Auftrag von Gemeinden führt die Fachorganisation Blaues Kreuz Testkäufe für Alkohol und Tabak durch. In Begleitung von Erwachsenen gehen Jugendliche in Gastrobetriebe oder andere Verkaufsstellen und versuchen, an Alkohol zu kommen. Kürzlich waren sie mit dem Blauen Kreuz Thurgau/Schaffhausen auch in Aadorf unterwegs.

In vier von acht getesteten Verkaufsstellen gelang es den jungen Leuten, Alkohol zu kaufen, wie der Gemeinderat in einem Bericht schreibt. 50 Prozent der Betriebe fielen also durch. «Das ist natürlich immer eine Momentaufnahme», sagt Stefan Mühlemann, Vize-Präsident von Aadorf. «Es ist jeweils ein Mitarbeiter, der sich nicht an die Vorgaben hält und nicht etwa der ganze Betrieb.»

«Jugendschutz ist wichtig, darum hat der Gemeinderat die Testkäufe auch in Auftrag gegeben.»

Mühlemann ist selbst in der Gastronomie tätig und darum auch im Berufsleben mit dem Thema Jugendschutz konfrontiert. Er wolle das Ergebnis aber nicht beiseite wischen. «Jugendschutz ist wichtig, darum hat der Gemeinderat die Testkäufe auch in Auftrag gegeben.» Auch die Gemeinde Flaach hatte dieses Jahr, nach sechs Jahren Pause, wieder Testkäufe durchführen lassen. Dabei konnten die Jugendlichen an drei von sieben getesteten Verkaufstellen Bier und an einem Ort sogar Tequilla bestellen.

Gemeindepräsident Walter Staub zeigte sich von den Resultaten überrascht, wie er im Vorwort des Gemeindehefts Flaachemer Post schrieb: «Die Ergebnisse waren leider leicht schlechter im Vergleich zu denjenigen des Jahres 2012.» Er machte in seinem Editorial auf Schulungen der Suchprävention des Kantons Zürich aufmerksam.

Im Bezirk Winterthur hat das Blaue Kreuz Zürich laut Medienstelle dieses Jahr im Auftrag von Gemeinden 34 Testkäufe für Alkohol und 8 für Tabak durchgeführt. Im Bezirk Andelfingen waren es 13 für Alkohol und 5 für Tabak. Weitere Testkäufe in beiden Bezirken wurden im Auftrag von Suchtpräventionsstellen durchgeführt.

Partyzone ist sensibilisiert

Dabei sei dieses Jahr im Bezirk Winterthur markant weniger Alkohol, dafür deutlich mehr Tabak verkauft worden als im kantonalen Durchschnitt. In Andelfingen war es umgekehrt: Weniger Tabak dafür mehr Alkohol.

Die Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen: «Generell muss man festhalten, dass die Zahlen von Jahr zu Jahr stark schwanken», sagt Patrick Jola, Mediensprecher des Blauen Kreuz Zürich. «Unter anderem aufgrund der Anzahl durchgeführter Testkäufe oder der Struktur und Grösse der Gemeinden. Im Bezirk Andelfingen beispielsweise haben wir zum ersten Mal seit 2013 wieder Testkäufe im Auftrag der Gemeinden durchgeführt.»

In der Stadt Winterthur obliegt die Kontrolle des Jugendschutzes der Stadtpolizei. Das Problem sei «nicht zunehmend», heisst es dort auf Anfrage. Die Winterthurer Partyzone sei sehr sensibilisiert auf dieses Thema und mache darum schon am Eingang konsequente Alterskontrollen.

Durchschnitt über 60 Prozent

Mit dem Ergebnis liegt Aadorf etwas unter dem kantonalen Durchschnitt. 2017 haben die Testkäufe im Kanton Thurgau gezeigt, dass Alkohol in 62 Prozent, Tabak in 56 Prozent und Spirituosen in 47 Prozent der Fälle an Jugendliche verkauft wurde, die dafür nicht alt genug waren.

Strafrechtliche Konsequenzen haben die Testkäufe nicht. Das Gesetz lässt diese nicht zu. Die fehlbaren Verkaufsstellen in Aadorf wurden über das Resultat informiert und auf entsprechende Schulungen für das Personal hingewiesen. Zudem hat der Gemeinderat entschieden, die Testkäufe im nächsten Jahr zu wiederholen, um die Verkaufsstellen nochmals zu sensibilisieren.

Und dieses Vorgehen wirkt laut Doris Rüedi, die beim Blauen Kreuz Thurgau/Schaffhausen für die Testkäufe zuständig ist: «Wir beobachten, dass die Verkaufsstellen, die regelmässigen Kontrollen unterliegen, sich bewusster an die Alterskontrolle halten und weniger Alkohol und Tabak an Jugendliche verkaufen.»

Erstellt: 16.11.2018, 16:37 Uhr

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