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Jung trifft Alt zum Gespräch auf Augenhöhe

Die zweite Sekundarschulklasse aus Pfungen suchte Seniorinnen und Senioren, um sich mit ihnen über Berufswahl und andere Themen zu unterhalten. Das Generationenprojekt ist ein voller Erfolg.

Emil Bührer mit seinen beiden jungen Interviewpartnern Andri und Roman. Fotos: Marc Dahinden/dt
Emil Bührer mit seinen beiden jungen Interviewpartnern Andri und Roman. Fotos: Marc Dahinden/dt

Am Anfang stand ein Inserat. Doch das genügte noch nicht. Es brauchte eine zweite Anzeige im «Binde-Strich», dem Mitteilungsblatt von Pfungen und Dättlikon. Doch dann plötzlich meldeten sich immer mehr pensionierte Menschen bei Klassenlehrerin Monika Wacker. Sie waren bereit, Jugendlichen aus der Sekundarschule über sich und ihr Leben zu erzählen.

«Das Echo war überwältigend», erinnert sich die 48-jährige Sekundarschullehrerin, die das sogenannte Generationenprojekt für ihre Klasse entworfen hat. «Wir mussten schliesslich leider einigen Seniorinnen und Senioren absagen.»

20 ältere Menschen brauchte sie für ihr Projekt. Denn so viele Zweiergruppen gab es. Wacker würfelte Schülerinnen und Schüler aus der Sek A und B zusammen. Im Inserat, das sich an interessierte Seniorinnen und Senioren aus Pfungen und Umgebung richtete, stand: «Wir, die Schülerinnen und Schüler der zweiten Sekundarschulklasse Pfungen, möchten Sie kennenlernen; gerne möchten wir Sie jeweils zu zweit in der Vorweihnachtszeit besuchen.»

«Gute Idee»

Einer, der sich sofort meldete, war Emil Bührer. «Mir gefiel die Idee, dass wir Alten den Jungen von unseren Erfahrungen erzählen», sagt der 77-Jährige, der während 23 Jahren Betriebsleiter bei Rieter in Winterthur war und sich danach als Berater in moderner Blechfertigung selbstständig machte.

Seine beiden jungen Gesprächspartner waren Andri und Ramon, beide 14 Jahre alt und in der zweiten Sekundarschule.

Und wie lief das Gespräch? Die drei erzählen: «Wir hatten Fragen vorbereitet, Herr Bührer hat aber das Meiste von sich aus erzählt», sagt Andri. Begeistert hat die beiden Dättliker Schüler, die tägich mit dem Velo zur Schule fahren, dass der gelernte Werkzeugmacher in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern drei Jahre lang in Indien war.

«Mich hat es beeindruckt, dass Herr Bührer in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, von dort aus in die Stadt zog und dann sogar in ein anderes Land», sagt Andri. «Und dass man das früher schon so gut konnte», obwohl die Welt noch nicht so global und technisch vernetzt gewesen sei. «Herr Bührer hat uns gesagt, dass das die beste Entscheidung seines Lebens war.» Vielleicht werde er dies auch einmal tun, sagt Andri.

Für Ramon ist klar: «Im Ausland lernen sich Sprachen sehr gut.» Zur Vorbereitung hätten die Bührers aber in einem halben Jahr von Null auf Hundert Englisch lernen müssen. «Lernt freiwillig in der Schule Englisch und Französisch, wenn man plötzlich muss, ist es nicht dasselbe», legte der Senior den beiden eingedenk dieser harten Erfahrung ans Herz.

Von Indien per Schiff zurück

Die beiden Schüler finden an Emil Bührers Geschichte faszinierend, dass er und seine Familie mit dem Flugzeug hin- und mit dem Schiff zurückgereist sind. «Da der Suezkanal damals heikel war, mussten sie mit dem Schiff um ganz Afrika herumfahren», erzählt Andri.

Emil Bührer hat Werkzeugmacher gelernt und sich auf Blechverarbeitung spezialisiert. «Ich habe diesen Beruf nicht gekannt», sagt Andri. «Heute würde man das Konstrukteur nennen», weiss er. «Ich möchte das auch schon länger werden», offenbart Ramon. Die beiden Jungs beeindruckt, dass ihr Senior-Gesprächspartner in Indien den Übergang von der mechanischen zur digitalen Fertigung von Spinnereimaschinen mitgestaltet hat.

Zum Schluss kommt Emil Bührer auf etwas zu sprechen, dass ihn mit Andri und Ramon verbindet: «Ich finde es ganz toll, dass ihr bei jedem Wetter mit dem Velo von Dättlikon zur Schule kommt.» Das sei wichtig und besser, als von den Eltern mit dem Auto gefahren zu werden. Als Jugendlicher sei er jahrelang täglich von Bibern SH mit dem Velo nach Thayngen gefahren.

Teil zwei mit Lilly Roost, Anisshan und Timo gibt es hier.

Teil drei mit Ruth, Andreas, Julia-Amélie und Carolina finden Sie hier.

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