Zell

Kampfgänse, Vögel und pelzige Riesen

Die ornithologischen Vereine Rikon und Weisslingen feiern ihre Jubiläen an einer Kleintierausstellung. Zwei langjährige Mitglieder sagen, warum sie Kaninchen züchten und sich für Naturschutz einsetzen.

Stephan Litscher vom ornithologischen Verein Rikon (links) und Gustav Heller vom ornithologischen Verein Weisslingen mit einem Kaninchen der Rasse Belgischer Riese.

Stephan Litscher vom ornithologischen Verein Rikon (links) und Gustav Heller vom ornithologischen Verein Weisslingen mit einem Kaninchen der Rasse Belgischer Riese. Bild: Marc Dahinden

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Auf dem Hof von Stephan Litscher ist auch im Winter einiges los. Hinter der Scheune schnattern zwei Gänse, die mit ihren teils schwarzen Schnäbeln recht grimmig wirken. «Das sind Steinbacher Kampfgänse», sagt Litscher. «Die Rasse stammt ursprünglich aus Thüringen, es sind ganz friedliche Tiere.» Noch ein Exemplar fällt rasch auf: In einem Holzstall sitzt ein besonders grosses Kaninchen. Die Ohren sind fast so lang wie ein Unterarm, die Hinterläufe wirken, als könnten sie mühelos Holzplatten zertrümmern. Belgischer Riese heisst die Rasse. Es sind nicht die einzigen speziellen Tiere, die auf dem Hof am Zeller Dorfrand leben. In der Scheune stehen Dutzende braune Juraschafe, es gibt hier aber auch Rhodes-Island-Hühner und einen Hund. Dennoch ist die Landwirtschaft für den Schreiner Stephan Litscher «nur» ein Hobby. Genauso wie sein Engagement für den ornithologischen Verein Rikon. Rund 20 Jahre lang präsidierte er den Verein. Heute ist er Ehrenpräsident und organisiert die Jubiläumsausstellung des Vereins, die kommendes Wochenende in der Rägebogehalle in Kollbrunn stattfindet.

Der ornithologische Verein Rikon feiert an diesem Anlass sein 100-Jahr-Jubiläum, der ornithologische Verein Weisslingen sein 75-jähriges Jubiläum.

Einsatz für den Brauiweiher

Bei Litscher zu Gast ist an diesem Vormittag Gustav Heller. Der Präsident des ornithologischen Vereins Weisslingen hat ebenfalls Wurzeln in der Landwirtschaft. Regelmässig arbeitet der pensionierte Mechaniker auf dem Hof seines Bruders mit. Natur- und Vogelschutz seien ihm wichtig, sagt er. So hat er etwa festgestellt, dass Feldvögel in der Gegend mittlerweile fast ausgestorben sind. Er werde dieses Jahr deshalb Lerchenfenster anlegen. Das sind offene Flächen mitten im Feld, in denen die Vögel brüten können.

Auch die anderen Vereinsmitglieder leisten Beiträge an die Artenvielfalt. sie treffen sich, um Hecken zu schneiden oder Nistkästen aufzuhängen, 400 Stück sind es inzwischen. Der ornithologische Verein Weisslingen will zudem verhindern, dass der Brauiweiher verlandet. «Wir sind deswegen im Gespräch mit dem Gemeinderat», sagt Gustav Heller. «Der Weiher ist ein wichtiges Erholungs- und Naturgebiet.»

Steilwand für Eisvögel gebaut

Der ornithologische Verein Rikon wiederum hat in der Nähe des Naturschutzgebiets Himmerichweihers unlängst eine neue Steilwand erstellt, in denen Eisvögel brüten sollen. Die leuchtend blau-orangen Vögel werden bei Rämismühle-Zell immer wieder gesichtet, ob sie in der Gegend aber auch brüten, ist nicht bekannt. Kürzlich hat Stephan Litscher dafür beobachtet, dass beim Himmerichweiher ein Biber eingezogen ist.

Die Geflügel- und Kaninchenzucht ist für die beiden Vereinspräsidenten ebenfalls ein Beitrag an die Artenvielfalt. «Bei den Hühnern gibt es viele extensive Rassen», sagt Stephan Litscher. «Für grosse Betriebe lohnt sich deren Haltung nicht, da sie weniger Eier legen.» Früher hätten sich die Züchter innerhalb der Vereine noch konkurrenziert. Heute stehe die Kameradschaft im Vordergrund. Dass die Sitten schon strenger waren, belegen alte Vereinsprotokolle. Wer nicht an Versammlungen teilnahm, musste 50 Rappen Busse zahlen. Es wurden dennoch fröhliche Ausfahrten unternommen. 1929 besuchten Vereinsmitglieder den damals neu gegründeten Zürcher Zoo. Besonders gefallen haben ihnen nebst Eisbären, Affen oder Löwen die Volieren. «Ein tolles, munteres Hin und Her», heisst es dazu in einemReisebericht.

Lebendig soll auch die Jubiläumsausstellung werden. In der Rägebogehalle sind 250 Kaninchen und ebenso viele Hühner und Gänse zu sehen. Es gibt eine Tombola und am Samstag wird um 20 Uhr der schönste Kaninchen-Rammler gekürt. Zudem kann man sich davon überzeugen, dass Steinbacher Kampfgänse nicht so aggressiv sind, wie ihr Name vermuten lassen könnte.
Tösstaler Kleintierausstellung
Freitag, 11. Januar, 18 bis 24 Uhr,
Samstag, 12. Januar, 10 bis 24 Uhr,
Sonntag, 13. Januar, 10 bis 17 Uhr,
Rägebogehalle Kollbrunn (Zell) (Landbote)

Erstellt: 09.01.2019, 16:27 Uhr

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