Mobbing in Wiesendangen

Kanton fordert Schule zum Handeln auf

Die Mindestgrösse des Schulpsychologischen Dienstes wird laut der Bildungsdirektion in Wiesendangen möglicherweise nicht eingehalten, wie in Zusammenhang mit dem Mobbing öffentlich wird.

Zwei mutmassliche Mobbingfälle an der Sekundarschule Wiesendangen gelangten letzte Woche an die Öffentlichkeit.

Zwei mutmassliche Mobbingfälle an der Sekundarschule Wiesendangen gelangten letzte Woche an die Öffentlichkeit. Bild: Marc Dahinden

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Die Sekundarschule Wiesendangen hält möglicherweise die kantonalen Vorgaben bei der Organisation des Schulpsychologischen Dienstes nicht ein. Das geht aus einer Antwort der Bildungsdirektion auf eine Aufsichtsbeschwerde von anfangs Februar hervor, die dem «Landbote» vorliegt.

Diese ging auf die Eltern von Tara (Name geändert) zurück. Die ehemalige Wiesendanger Sekundarschülerin hatte durch einen mutmasslichen Mobbingfall suizidale Gedanken und wollte sich zu Tode hungern, wie der «Blick» berichtet hatte.

Das Volksschulamt fordert die Schulpflege Wiesendangen in ihrem Schreiben auf, «sicherzustellen, dass der Schulpsychologische Dienst die in der Verordnung geforderte Mindestgrösse erfüllt» wird. Mindestens drei Vollzeitstellen wären dazu nötig.

«Auch hier erhielt meine Tochter nicht den ihr zustehenden Schutz.»Mutter des Mobbingopfers

Die Schulpflege hat per letztem November einen Zusammenschluss mit drei Nachbargemeinden beschlossen, um den Schulpsychologischen Dienst neu zu regeln. In diesem Verbund sind drei Psychologinnen angestellt, diese arbeiten allerdings alle in Teilzeit – zu wie vielen Prozenten insgesamt, das will die Schule nicht angeben. «Das Konzept liegt momentan beim Volksschulamt, die Bewilligung ist ausstehend», sagt Hubert Herger, Schulpflegemitglied und für die Kommunikation zuständig.

Marion Völger, Leiterin des Volksschulamts, will zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen zu einzelnen Gemeinden machen. Der Grund: Man überprüfe derzeit im ganzen Kanton die Einhaltung der Mindestgrösse der Schulpsychologischen Dienste. Diese Mindestgrösse soll gemäss Völger «unter anderem auch die regelmässige Verfügbarkeit eines Schulpsychologischen Dienstes sicherstellen.»

Ausfall der Psychologin

Aufhorchen lässt diesbezüglich eine Aussage von Taras Mutter. Sie sagt, dass die ehemalige Wiesendanger Schulpsychologin von Herbst 2017 bis Sommer 2018 krankgeschrieben gewesen sei: «Meines Wissens war während dieser Zeit lange keine Schulpsychologin für die Kinder der Schule Wiesendangen zuständig.» Das war just zu jener Zeit, als sich die Situation ihrer Tochter verschärfte. «In meinen Augen ein Fehler, denn auch hier erhielt meine Tochter nicht den ihr zustehenden Schutz.»

Schulpflegemitglied Herger relativiert: «Der Schulpsychologische Dienst war im November und Dezember 2017 sowie kurz im Januar 2018 nicht durchgehend besetzt.» Es habe sich aber nur um wenige Tage gehandelt, an denen niemand anwesend gewesen sei. «Und per Mail war der Dienst immer erreichbar, innerhalb weniger Tage wurden alle zeitkritischen Anfragen bearbeitet.» Auf den Fall Tara habe dies ausserdem keinen Einfluss gehabt. «Dieser wurde erst ab Februar 2018 aufgerollt.»

Beschwerde beim Bezirksrat

Die Berichterstattung der letzten Wochen habe die Schule belastet, aber auch zusammengeschweisst, sagt Herger. «Denn hier kennen viele die Geschichte und haben sie ganz anders erlebt, als sie teilweise in den Medien dargestellt wurde.» Man habe die Gelegenheit genutzt, um mit den Schülern am Thema Medienkompetenz und Social Media zu arbeiten. Trotzdem würden sich alle den Normalzustand zurückwünschen, damit man möglichst bald dem Bildungsauftrag nachkommen könne.

Doch ein Ende der Geschichte ist noch nicht in Sicht: Die Eltern von Tara haben beim Bezirksrat Beschwerde gegen die Schule Wiesendangen eingereicht. Keiner der involvierten Parteien wollte sich zum laufenden Verfahren äussern.

Die Medienstelle der Oberstaatsanwaltschaft bestätigt zudem, dass eine Strafanzeige gegen «mehrere Funktionsträger der Sekundarschule Wiesendangen» eingangen ist und derzeit geprüft wird. Diese Möglichkeit steht jedoch jedem Bürger offen und sagt nichts über ein mögliches Verschulden aus.

Für Völger vom Volksschulamt ist Wiesendangen keine Problemschule. In den letzten Jahren seien nicht überdurchschnittlich viele Meldungen eingegangen. Zu den zwei Fällen, die letzte Woche publik wurden, sagt sie: «Leider kommen Fälle von Konflikten und Ausgrenzungen zwischen Kindern und Jugendlichen immer wieder und überall vor. Oft spielen sie sich versteckt und ausserhalb von Strukturen wie Schulen und Vereinen ab; auf dem Schulweg, in der Freizeit, in den Sozialen Medien.»

Für die Schulen sei wichtig, dass sie vorbereitet seien und auf solche Fälle angemessen reagieren könnten sobald sie davon erfahren würden. «Dies ist nach unserer Erfahrung der Fall», sagt Völger.

Erstellt: 07.03.2019, 21:12 Uhr

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