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Kanton gräbt wegen saurer Böden

In 16 Waldgebieten im Kanton werden seit 2013 um die 250 Gruben ausgehoben. Dort werden Daten gewonnen für Waldbodenkarten.

Eine der Gruben im bewaldeten Hügelzug Cholfirst im nördlichen Weinland.
Eine der Gruben im bewaldeten Hügelzug Cholfirst im nördlichen Weinland.
Markus Brupbacher

Eine Baustelle mitten im Wald, Land-Art oder doch eher eine archäologische Grabung? Auf dem Cholfirst, einem bewalde-ten Hügelzug am Nordrand des Weinlandes, stösst der Spaziergänger immer wieder auf kleine Gruben im Waldboden mit senkrechten Wänden. Sie sind mit ­gelben Bändern um vier Pfosten markiert.

Auch auf dem Irchelim Süden des Weinlandes oder in Wäldern im Zürcher Unter- und Oberland wurden solche Gruben schon ausgehoben.«Profilgrube der Waldbodenkartierung» steht auf dem Infoblatt an einem der Pfosten. Der genaue Sinn und Zweck der Grube geht daraus zwar nicht hervor. Doch es steht, wo man mehr Informationen erhält.

Schädliche Säure im Boden

Und diese Informationen über­raschen doch ziemlich – etwas ­salopp zusammengefasst: Sauer macht nicht lustig. Das Problem: Durch den motorisierten Verkehr und die Tierhaltung in der Landwirtschaft gelangen Stickstoffverbindungen in die Luft, die dann über den Regen in die Böden gelangen und diese sauer machen. Die kantonale Fachstelle Bodenschutz lässt deshalb Karten erstellen, die zeigen, wo im Kanton die Waldböden wie stark versauert sind.

Durch den motorisierten Verkehr und die Tierhaltung in der Landwirtschaft gelangen Stickstoffverbindungen in die Luft, die dann über den Regen in die Böden gelangen.

Dafür bewilligte der Regierungsrat im Juni 2013 rund 2,8 Millionen Franken. Im Wald führt die sogenannte Versauerung zu einer ganzen Reihe von Problemen. Die Säure zersetzt Tonminerale im Boden, wodurch Schwermetalle und Aluminium freigesetzt werden. Letz­teres hemmt das Wachstum der Baumwurzeln, Erstere können ausgewaschen werden und ins Grund- und somit Trinkwasser gelangen. Auch kleine Organismen im Boden und Regenwürmer werden durch das Aluminium ­geschädigt, wodurch der Boden weniger Nährstoffe speichern kann und seine Fruchtbarkeit abnimmt.

Schwache Wurzeln führen dazu, dass die Bäume weniger Halt finden im Boden und bei Sturm rascher umstürzen. Der Kanton geht davon aus, dass rund ein Viertel der Zürcher Waldböden stark versauert ist – Tendenz steigend. Das ist auch deshalb problematisch, weil der Waldboden ein wichtiger Filter ist für die Entstehung von Grundwasser.

Fast eine Verdreifachung

Um die Ursachen zu bekämpfen, soll der Ausstoss von säurebildenden Stickstoffen reduziert werden. Das Verstreuen von basischem Kalkpulver auf die zu sauren Waldböden ist in der Schweiz hingegen verboten – in Deutschland wird dies grossflächig mit Helikoptern getan. Seit den 1950er-Jahren hat sich die Menge Stickstoff in Waldböden aus der Luft fast verdreifacht.

An den steilen Wänden in den Gruben untersuchen Fachleute den Waldboden. Die gewonnenen Daten werden dann auf Karten übertragen. Zwischen 2013 und 2019 werden in 16 Gebieten im Kanton Zürich je 15 solche Gruben respektive Bodenprofile gegraben. Auch kleine Bohrungen werden durchgeführt. Ein solches Gebiet hat jeweils eine Fläche von 300 Hektaren.

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