Aadorf

Keinen Stich gegen tiefe Steuerfüsse

Die Steuerfüsse in der Thurgauer Gemeinde an der Zürcher Grenze sinken um zwei Prozent. Alle Argumente dagegen waren machtlos.

Tiefere Steuern trotz angespannter Finanzlage wurden in Aadorf beschlossen.

Tiefere Steuern trotz angespannter Finanzlage wurden in Aadorf beschlossen. Bild: Donato Caspari

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«Tatsächlich sind unsere Finanzen nicht gerade rosig», sagt Matthias Küng, Gemeindepräsident von Aadorf. Im Gemeindesaal ist man mitten in der Verhandlung um die Senkung des Steuerfusses. 217 Stimmberechtigte wohnen der Debatte am Dienstagabend bei. Es ist eine sachliche und spannende Diskussion. Die Votanten im Saal haben sich ein fundiertes Wissen angeeignet.

Ungünstige Finanzlage

«Wollen wir auf Pump leben?» so bringt eine Votantin die Kritik an der Steuerfusssenkung auf den Punkt. Ein anderer Votant sagt: «Ein Selbstfinanzierungsgrad von nur 43 Prozent — das gilt gemeinhin als ungenügend.» Das gleiche gelte für die Verschuldung.

«Wollen wir auf Pump leben?»Ein Steuersenkungs-Kritiker

Wie beim Tennis fliegen Zahlenargumente zwischen kritischen Votanten und dem Gemeindepräsidenten hin und her. Küng kontert schliesslich mit grundsätzlichen Überlegungen: «Wir müssen jetzt investieren, solange die Bedingungen dafür gut sind.» Er meint damit die niedrigen Zinsen auf den Schulden der Gemeinde.

Ferner rechnet die Finanzplanung damit, dass der Steuerertrag jährlich um 1,4 Prozent wächst. «Wohnungen in Aadorf sind sehr begehrt», sagt Küng. Die Gemeinde rechnet deshalb damit, dass die Bevölkerung jährlich um 100 Personen wächst. Dies laut Küng gerade auch, weil die Gemeinde in den letzten Jahren viel investiert habe. Aadorf verfügt zum Beispiel über neu renovierte Sportanlagen mit Freibad und Hallenbad.

Überdeutliches Ergebnis

Ein weiterer Versuch einer Votantin, die Versammlung davon abzubringen, den Steuerfuss zu senken, erfolgt über die Bevölkerungszahlen. Die grösste Gruppe sind laut der Sprecherin in Aadorf die 50 bis 59-Jährigen. Sie werden bald in Rente gehen.

Im Alter wird diese Generation weniger Steuern abliefern oder sogar Kosten verursachen. Küng hält dem die Schülerzahlen entgegen, die zuvor an der Versammlung der Schulgemeinde vorgestellt wurden. Sie steigen. Berufstätige Aadorfer werden nicht aussterben.

Bei der Abstimmung ist das Ergebnis dann erstaunlich deutlich. Gegen eine Senkung des Steuerfusses von 57 auf 55 Prozentpunkte stimmen nur sechs von 217 Personen .

Umbauprojekt angenommen

Im Vorfeld hat schon die Schulgemeinde ihren Steuerfuss gesenkt, und zwar von 96 auf 94 Prozentpunkte. Dies einstimmig. Zugleich bewilligten die Stimmberechtigten eine Renovation im Primarschulhaus Aadorf. Es ist die letzte Etappe eines Gesamtumbaus. Sie kommt auf 650 000 Franken zu stehen.

Während des Abends sinkt die Zahl der Stimmberechtigten um eine Person. «Das ist offenbar ein FC Basel Fan», sagt Küng. Weitere 13 Personen sitzen während der Versammlung auf der Empore. Sie möchten sich einbürgern lassen. Nach der geheimen Abstimmung heisst sie ein Applaus als neue Aadorfer Bürger willkommen.

(Der Landbote)

Erstellt: 06.12.2017, 16:33 Uhr

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