Wirtschaft

KMU verlangen immer mehr Englisch

Der «Land­bote» hat mehrere KMU zur Fremdspracheninitiative befragt. Statt Französisch in der Primarschule verlangen die meisten Unternehmen in der Region mehr Englisch.

Bei der Arbeit in der Spenglerei wird vorderhand kein Englisch verlangt. Noch nicht.

Bei der Arbeit in der Spenglerei wird vorderhand kein Englisch verlangt. Noch nicht. Bild: Heinz Diener

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Die Zürcher Fremdspracheninitiative fordert, dass eine Fremdsprache in der Primarschule gestrichen wird. Diese Forderung bewegt die KMU in der Region Winterthur zurzeit enorm. Die Stimme der KMU dürfte in der Abstimmung Gewicht haben: Betriebe mit unter 250 Angestellten beschäftigen zwei Drittel der Berufs­tätigen.

Englisch im Kindergarten

«Nur Englisch», fordert Dominik Büsser von Büsser Informatik in Dinhard: «Englisch sollte vom Kindergarten an unterrichtet werden. Schweizer Jugendliche sprechen heute zu wenig Englisch, um sich im Ausland durchzusetzen.» Französisch könne man, findet der Informatiker, als Freifach unterrichten. Ähnlich wie zum Beispiel Kochen.

«In der Schweiz spricht man schliesslich auch Italienisch. Das wird in den Schulen gar nicht unterrichtet.»

Eine besondere Rücksichtnahme auf die französischsprachige Schweiz findet Büsser nicht notwendig. «In der Schweiz spricht man schliesslich auch Italienisch. Das wird in den Schulen gar nicht unterrichtet.» Der Zusammenhalt in der Schweiz würde sicher nicht leiden. Englisch könnte eine Art Schweizer Obersprache werden.

Büsser ist auch Präsident des Gewerbevereins Dinhard Thurtal. Der Gewerbeverband des Kantons Zürich hat zur Fremdspracheninitiative die Nein-Parole herausgegeben. Verbandspräsident Hans Rutschmann begründet das mit folgender Überlegung: «Wenn eine Fremdsprache abgeschafft würde, wäre das aus staatspolitischen Gründen Englisch.» Das wäre aus der Sicht der KMU ein Fehler.

Französisch auf dem Rückzug

Fritz Bachmann ist Präsident des Gewerbeverbands Rickenbach. Er führt die Firma Meridian ­Reisen. Bachmanns Büro bietet Sprachaufenthalte an. «Heute verkaufe ich nicht einmal mehr halb so viele Sprachaufenthalte für Französisch wie vor zehn Jahren», rechnet er vor. Diese Entwicklung verläuft zügig. Auch Bachmann wünscht sich wesentlich bessere Englischkenntnisse von Schweizer Jugendlichen. Er fordert sogar, dass der Englischunterricht mit dem «Advanced Proficiency» abgeschlossen werden sollte. Dieses Diplom be­fähigt dazu, eine anspruchsvolle Berufstätigkeit auf Englisch auszuüben.

Zuallererst Deutsch

«Ich hänge am Französisch», ­erklärt der Bäckermeister Ruedi Meier, Präsident des Gewerbevereins Wiesendangen. Er verbrachte als junger Mann ein Jahr in der Romandie. «Trotzdem ­wäre es mir heute lieber, ich hätte Englisch gelernt.» Diese Sprache bringt einen beruflich vorwärts. Er will darum seinen beiden Söhnen als letztes Geschenk, bevor sie selbstständig werden, einen Sprachaufenthalt für Englisch zahlen.

«Französisch ist für uns kein Thema»Valentin Schnyder,
Spenglermeister

Im Beruf selbst braucht Meier keine Fremdsprache: «Mit dem Brot spreche ich noch immer Deutsch.» Hier hakt Andreas Müller ein. Er führt in Seuzach das gleichnamige Ingenieurbüro für Energie- und Klimatechnik. Die Firma bildet Lehrlinge aus, die Talent für Mathematik und Physik mitbringen. Das sind oft Jugendliche aus den Ländern ­Ex-Jugoslawiens. Bei manchen naturwissenschaftlich Begabten mangelt es zunächst an Deutschkenntnissen. «Einen meiner Lehrlinge», so Müller weiter, «schicke ich für Deutschkurse an die Berufsschule in Zürich.» Als Fremdsprache zählt für den Ingenieur allein Englisch. Die Computerprogramme und die Fach­literatur sind zum Teil auf Englisch geschrieben.

Dieser Punkt betrifft zunehmend auch Handwerker, wie zum Beispiel den Spenglermeister Valentin Schnyder: «Französisch ist für uns kein Thema», sagt er auf Anhieb. In seiner Werkstatt findet vorderhand ohnehin keine Fremdsprache Verwendung. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung wird Englisch aber auch die handwerklichen Betriebe erobern. «Stichwort Industrie 4.0», sagt Schnyder.

Französisch als Pluspunkt

Kaum Fremdsprachen werden bei der Zürcher Landbank verwendet. «Es kommt bei uns ein- bis zweimal im Jahr vor, dass wir Englisch brauchen», erklärt Janine Brändle. Sie leitet in der Bank mit Sitz in Elgg die Ausbildung. «Wenn jemand aber auf eine Grossbank wechseln will, muss beides sitzen: Englisch und Französisch.» Janine Brändle betrachtet die Sprachenfrage aus der Sicht junger Berufsleute, die in der Berufswelt Fuss fassen wollen. «Im harten Wettbewerb um attraktive Stellen zählt jede zusätzliche Kompetenz. Dazu ­gehört auch Französisch.»

Podiumsdiskussion Fremdspracheninitiative Alte Kaserne Winterthur, 5. Mai, 20 Uhr. (Der Landbote)

Erstellt: 26.04.2017, 11:10 Uhr

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