Wiesendangen

Kritiker befürchten Platzprobleme trotz Ausbau

Am Sonntag stimmen die Wiesendanger über einen 3,3 Millionen Franken teuren Sanierungskredit ihres Feuerwehrlokals ab. Kritiker befürchten jedoch, dass der neue Platz aufgrund neuer Vorgaben schon bald nicht mehr reichen könnte.

Das Feuerwehrlokal im Wiesendanger Dorfzentrum soll für 3,3 Millionen Franken saniert und leicht ausgebaut werden.

Das Feuerwehrlokal im Wiesendanger Dorfzentrum soll für 3,3 Millionen Franken saniert und leicht ausgebaut werden. Bild: Madeleine Schoder

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3,3 Millionen Franken will der Wiesendanger Gemeinderat in das historische Feuerwehrlokal im Dorfzentrum investieren, um es grundlegend zu sanieren. Denn es herrscht Platzmangel: Es fehlen Garderoben und WCs für Frauen sowie ein Ort, um die Atemschutzgeräte zu reinigen. Damit gefährliche Stoffe nicht nach Hause oder ins Büro geschleppt werden. Dazu ist ein Anbau im hinteren Bereich des Gebäudes vorgesehen. Zudem muss das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert bezüglich Brandschutz, Isolation und Hygiene auf Vordermann gebracht werden. Einer der Gründe, weshalb man am bisherigen Standort festhält, ist die zentrale Lage. So kann die Feuerwehr nach einem Alarm innerhalb der geforderten zehn Minuten bei einem Brand eintreffen. Es scheint, als ob das Projekt trotz der substantiellen Summe keine breite Gegenwehr weckt.

Kein Platz für Autodrehleiter

In den letzten Wochen meldeten sich jedoch zwei Personen unabhängig voneinander beim «Landbote» und kritisierten die fehlende Weitsicht der Sanierung. Konkret: Wenn die Wiesendanger Feuerwehr auf Druck der Gebäudeversicherung Kanton Zürich (GVZ) ein Löschfahrzeug mit Drehleiter anschaffen müsste, hätte es dafür kein Platz im frisch sanierten Feuerwehrlokal. Eine solche Autodrehleiter kann mittels Wasserwerfern einen Brand von oben herab bekämpfen und Personen aus oberen Stockwerken evakuieren.

Momentan kann die Ortsfeuerwehr Wiesendangen eine Autodrehleiter bei Bedarf vom Stützpunkt in Winterthur, beim Teuchelweiher, anfordern. Im Kanton Zürich muss die Autodrehleiter eine Viertelstunde nach dem Alarm beim Brand eintreffen, sagt GVZ-Sprecherin Cornelia Königslehner. «Diese Vorgabe ist für die Gemeinde Wiesendangen ab dem Autodrehleiter-Standort der Berufsfeuerwehr Winterthur gewährleistet.» Erst wenn diese Viertelstunde nicht mehr eingehalten werden könnte, würde eine eigene Autodrehleiter für Wiesendangen zwingend, sagt Königslehner. Ein solches Fahrzeug kostet rund eine Million Franken. An diesen Kosten beteiligt sich die GVZ aber mindestens zur Hälfte. Regionale Stützpunkte wie Winterthur erhalten sogar das ganze Fahrzeug bezahlt.

Eine solche Drehleiter, hier im Einsatz an der Technikumstrasse in Winterthur, hätte keinen Platz im neuen Feuerwehrdepot in Wiesendangen. Bild: Archiv/mas

Der Wiesendanger Gemeindeschreiber Martin Schindler, der als Mitglied der Baukommission verschiedene Varianten für das Feuerwehrlokal mitgeprüft hat, hält ein Szenario, in dem Wiesendangen eine eigene Autodrehleiter anschaffen muss, für unrealistisch: «Autodrehleitern werden im Kanton Zürich von der jeweiligen Stützpunktfeuerwehr zur Verfügung gestellt, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.» Man habe im Vorfeld abgeklärt, ob die GVZ in absehbarer Zeit ihre Anforderungen an die Autoausrüstung anpassen wird. «Das ist nicht der Fall», sagt Schindler. Königslehner von der GVZ bestätigt dies: «Eine Anpassung der zeitlichen Vorgabe ist nicht vorgesehen und es zeichnet sich derzeit auch keine Anpassung ab.»

«Offene Tore» am Freitag

Wiesendangen erfüllt ansonsten alle Kriterien an eine Ortsfeuerwehr im Bereich Fahrzeug, sagt Schindler. Diese umfassen ein Tanklöschfahrzeug, einen Personentransporter, ein Öl- und Wasserwehrfahrzeug sowie ein Mehrzweck- und Verkehrsfahrzeug. Zudem ist zur Einhaltung der Einsatzzeiten in den Aussenwachten ein Ersteinsatzfahrzeug und ein Personentransporter in Gundetswil stationiert. «Falls wir doch einmal ein weiteres Fahrzeug benötigen, hätten wir bei einem Ausbau des Lokals neu einen zusätzlichen Einstellplatz für ein Fahrzeug in der Waschbox im hinteren Zeil des Gebäudes», sagt Schindler.

Unentschlossene Stimmberechtigte haben am Freitagabend ab 17 Uhr eine letzte Gelegenheit, um sich mit der Wiesendanger Feuerwehr auszutauschen. Dann findet schweizweit die «Nacht der offenen Tore» statt, rund 650 Feuerwehren geben dabei einen Einblick in ihre Lokale.

Der am Sonntag in Wiesendangen ebenfalls zur Abstimmung stehende Austritt aus dem Winterthurer Zivilschutz, der gemeinsam mit der Winterthurer Feuerwehr organisiert ist, hat übrigens keine Auswirkungen auf die zu Verfügung stehende Autodrehleiter aus der Stadt. «Die beiden Abstimmungen haben keinen Zusammenhang», sagt Schindler.

Erstellt: 26.08.2019, 16:50 Uhr

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