Tösstal

Kritiker bodigen Naturpark

Die Initianten spürten zu viel Gegenwind beim Naturpark-Projekt. Pro Zürcher Berggebiet will seine Kräfte lieber auf bewährte Rezepte konzentrieren.

Das Hörnli-Bergland gehört zu den wertvollsten Landschaften der Schweiz und steht deshalb bereits heute unter besonderem Schutz.

Das Hörnli-Bergland gehört zu den wertvollsten Landschaften der Schweiz und steht deshalb bereits heute unter besonderem Schutz. Bild: Patrick Gutenberg

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Wildbergs Gemeindepräsident Dölf Conrad ist erleichtert, dass im Zürcher Oberland kein regionaler Naturpark entsteht. «Das hätte nur Ärger gebracht», sagt er. Seit das Projekt lanciert wurde, sei nicht klar geworden, ob es dabei nun um Standortförderung gehe oder Naturschutz. «Jeder hat das anders interpretiert.»

Er sei deshalb von Anfang an skeptisch gewesen.Auch der Gemeinderat in Wila sah das Projekt kritisch, wie Präsident Hans-Peter Meier sagt. «Gegen Mehrkosten für die Gemeinde oder Einschränkungen in der baulichen Entwicklung hätten wir uns gewehrt.» Dass das Projekt nun abgeblasen wurde, habe sich abgezeichnet. «Wir hätten aber auch Chancen gesehen.»

Die beiden Tösstaler Gemeindepräsidenten waren mit ihrer Skepsis nicht die einzigen in der Region. Pro Zürcher Berggebiet hat das Vorhaben deshalb vergangene Woche an einer Delegiertenversammlung gestoppt.

Für ein solches Projekt hätte es ein breites Engagement der Bevölkerung gebraucht, hiess es daraufhin in einer Mitteilung.

«Die Unterstützung aus der Bevölkerung hat gefehlt.» Ernst Kocher,
Präsident Pro Zürcher Berggebiet

Geplant war ein regionaler Naturpark der sich über das Gebiet von 13 Gemeinden in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Thurgau erstreckt hätte (Grafik).

Für die Errichtung eines solchen Gebildes wären in allen Gemeinden Abstimmungen nötig geworden. Erst dann hätten die Initianten über den Kanton ein Unterstützungsgesuch an den Bund einreichen können.

Anders als bei einem Nationalpark gibt es in einem regionalen Naturpark keinerlei neue Vorschriften. Ziel ist es hingegen, bereits vorhandenen Natur- und Kulturwerte aufzuwerten und eine nachhaltige Entwicklung des Gebiets zu fördern. In der Schweiz gibt es derzeit 15 Naturpärke, die über ein Netzwerk miteinander verbunden sind. Der nächste liegt in Schaffhausen.

Grosses Marktpotenzial

2015 lancierte Pro Zürcher Berggebiet die Idee eines solchen Naturparks im Zürcher Oberland. Eine Studie der ZHAW kam bald zum Schluss, dass die Voraussetzungen dafür optimal und das Marktpotenzial für die Land- und Forstwirtschaft, das Gewerbe sowie den Tourismus hoch seien. Hinzu kommt, dass die 13 Gemeinden bereits über den Verband Pro Zürcher Berggebiet vernetzt sind. Dank der gemeinsamen Dachmarke natürli ist die Region bereits einem grösseren Publikum bekannt.

Zu viel Aufwand für Verband

Diese an sich guten Voraussetzungen sind dem Naturpark-Projekt mit zum Verhängnis geworden. «Wir sind in der Standortförderung schon heute gut unterwegs», sagt Ernst Kocher, Präsident von Pro Zürcher Berggebiet. Die zusätzliche Vernetzung, die mit einem Park möglich geworden wäre, falle jetzt zwar weg, der Mehrwert des Labels hätte sich aber in Grenzen gehalten.

«Es wäre unverhältnismässig gewesen, die Ressourcen weiter darauf zu konzentrieren.» Zumal die Unterstützung aus der Bevölkerung gefehlt habe. «Es meldeten sich fast nur Kritiker lautstark zu Wort.» Vor diesem Hintergrund wäre es laut Kocher kaum möglich gewesen, die Abstimmungen zu gewinnen. Pro Zürcher Berggebiet werde seine Energie deshalb lieber in die bisherige positive Entwicklung investieren. «Das Gebiet ist gut positioniert und liegt mit seiner Nähe zu den Städten Zürich, Winterthur und Rapperswil in einer boomenden Region.»

Die Delegierten hätten den Projektabbruch ohne Gegenstimme beschlossen. Stefan Forster von der ZHAW, der mit seinem Team die Machbarkeitsstudie verfasst hat, kann den Entscheid nachvollziehen. «Die Begeisterung für das Projekt ist wohl nie richtig auf die Verantwortlichen in den Gemeinden und auf die Bevölkerung übergesprungen.» Zudem sei die Region heute schon parkähnlich positioniert. Dennoch bedauert Forster den Projektabbruch. «Ich glaube nach wie vor, dass die Region von einem Naturpark profitiert hätte.» (Der Landbote)

Erstellt: 24.04.2018, 18:28 Uhr

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