Weisslingen

Kunst statt Käse

Thomas und Patrizia Eberhart, Initianten der Künstlergruppe Salon C, haben die ehemalige Käserei in Theilingen vor dem Abbruch bewahrt. Ihr neuer Kulturort trägt den Namen «Uferzone», obschon er unmittelbar an die Hauptstrasse grenzt.

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Die Uferzone liegt für einmal nicht am Rande eines Gewässers, sondern in den Köpfen aufgeschlossener Leute, die sich für Kunst und Begegnungen interessieren. Mit ihrem Kulturort, der zwei Galerieräume, ein Töpferatelier und einen naturnahen Garten mit gemütlicher Laube umfasst, wollen die Theilinger Thomas und Patrizia Eberhart zeitgenössischen Künstlern ermöglichen, ihre Werke öffentlich auszustellen und mit Kunstinteressierten in direkten Kontakt zu treten.Wo einst Käse produziert wurde und noch ein vorsintflutlicher Kühlschrank steht, sind aktuell Arbeiten von 15 Kunstschaffenden zu sehen, die der Künstlergruppe Salon C angehören. In Zukunft werden hier auch Einzel- und Gruppenausstellungen von Gastkünstlern stattfinden. Jeweils am Donnerstagabend — im Rahmen des offenen Ateliers — gibt Patrizia Eberhart, deren Spezialgebiet die japanische Raku-Technik ist, Keramikkurse. Der naturnahe Garten bietet genügend Platz, um neben ihren «Pebbles» (Geröllsteinen) und «Vögeln» aus Raku auch grössere Ausstellungsobjekte aufzunehmen.

Gegenwärtig beseelen entzückende Fabelwesen von Rico Klaas den Aussenraum. Bereits 2016 hatte der Bündner Holzbildhauer im Kunstgarten Schloss Wülflingen beredtes Zeugnis seines Fabulierkraft abgelegt. Insgesamt überzeugt die Theilinger Uferzone durch atmosphärischen Charme, aber auch durch professionelle Aufmachung.

Peripher und persönlich

Mit der Eröffnung ist ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen. Bereits vor drei Jahren sprach Thomas Eberhart gegenüber dem Landboten davon, dereinst eine Galerie zu eröffnen — in Winterthur, wo er aufgewachsen war. Warum nun auf dem Lande? Ist das nicht ein wenig verwegen? Die Besucherzahlen von vergangenem Wochenende belegen das Gegenteil. Rund 180 Besucher nahmen an der Eröffnung teil und etliche Kunstwerke wurden veräussert. Ein Erklärungsansatz: Thomas und Patrizia Eberhard wohnen schon lange in Weisslingen und sind dadurch mit der Gegend vertraut.

Die Übernahme der ehemaligen Käserei gestattete es ihnen, Galerie, Atelier und private Wohnräume unter ein Dach zu vereinen, was wiederum die organisatorischen Abläufe vereinfacht und dem Ort eine gastfreundliche Note verleiht. So ist es dem Betreiberpaar ein Anliegen, potenziellen Käufern von Kunst die Gelegenheit zu geben, den hinter einem Kunstwerk stehenden Menschen persönlich kennen zu lernen.

Die Eröffnungsausstellung bildet die breite Vielfalt zeitgenössischen Schaffens ab. Thomas Eberhart (alias eberhART) zeigt digitale Fotografien, die er in verschiedenen Transfer- und Druckverfahren bearbeitet und auf Leinwand bringt. Eine geheimnisvolle, verschleierte Sicht auf die Welt offenbart Sandro Reto Schaub in seinen ironischerweise nach Städten benannten Fotografien, in denen der Blick an nassen Scheiben und halbopaken Vorhänge hängen bleibt. Die visuelle Wahrnehmung thematisiert auch Shireen (C. von Schulthess) augenzwinkernd mit ihrem aus 500 getragenen Brillen bestehenden, mit projizierten Selfies beleuchteten Hängeobjekt «seeMeYou», das im Halbdunkeln einer Nische wie ein Lüster aus facettiertem Kristall kaleidos¬kopisch funkelt. Im Bereich Malerei sind vor allem die witzigen Tierbilder von Andreas Hafner hervorzuheben, darüber hinaus die elegischen, in Öl auf Leinen gemalten Dünenlandschaften von Su Muth und die collagierten Stadtlandschaften von Ernest Hiltenbrand.


Kulturort Uferzone/Töpferatelier Theiligerstrasse 59, Theilingen. www.ufer-zone.ch (Der Landbote)

Erstellt: 26.06.2017, 17:09 Uhr

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