Bezirksgericht

Lernfahrer raste mit 150 Stundenkilometern einem Auto entgegen

Er wollte fahren wie die Leute in den Videos. Der Rennfahrerversuch brachte ihn nun vor Gericht.

Das Winterthurer Bezirksgericht verurteilte den Angeklagten zu 14 Monaten bedingter Freiheitsstrafe mit zwei Jahren Bewährung.

Das Winterthurer Bezirksgericht verurteilte den Angeklagten zu 14 Monaten bedingter Freiheitsstrafe mit zwei Jahren Bewährung. Bild: Marc Dahinden

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Die Reifen der Kawasaki mussten sich wie Kätzchen an den Teer schmiegen: Während das Motorrad kurz vor Neftenbach in der Kurve liegt, pressen Fliehkräfte die Reifen hart auf die Strasse. Optimaler Kontakt bedeutet optimale Kraftübertragung. Der 27-Jährige wusste das, gerade erst am Morgen hatte er darüber ein Video auf MotoGP gesehen. Also gab er Gas.

Die Kawasaki Ninja schoss aus der Kurve, er wich einem entgegenkommenden Auto aus – und wurde geblitzt. 150 Kilometer pro Stunde fuhr er, wo gerade mal 80 erlaubt wären.

Sieben Monate später sitzt der Ninja-Fahrer vor dem Bezirksgericht Winterthur. Gross verhandelt wird heute aber nicht. Was passiert ist, darüber sind sich Staatsanwaltschaft und Angeklagter einig, die Maximalstrafe für «qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln» liegt mit vier Jahren Freiheitsstrafe genau ein Jahr unter der Obergrenze für ein sogenanntes «abgekürztes Verfahren».

Tathergang ist unbestritten

So ein Verfahren kann bei Vergehen unter einer Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis eingeleitet werden, wenn sich die Parteien über Tathergang und Strafmass einig sind und einen gemeinsamen Urteilsvorschlag präsentieren. Dem eigentlichen Gericht fällt dann die Aufgabe zu, diesen Vorschlag zu bestätigen. Oder abzulehnen, falls klar wird, dass die Voraussetzungen für ein abgekürztes Verfahren nicht erfüllt sind. In dem Fall müsste ein ordentliches Verfahren in die Wege geleitet werden.

«Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich wollte etwas sicherer 
werden.»
Angeklagter Raser

Auch in einem abgekürzten Verfahren muss der Schuldige sein Geständnis vor Gericht wiederholen und bestätigen. Der 27-Jährige erzählt, wie er an jenem Julitag von sich zu Hause zu seiner Freundin fuhr. Aber nicht auf direktem Weg.

«Warum der Umweg?» Die Vizepräsidentin des Gerichts führt die Verhandlung. «Das klingt jetzt vielleicht blöd», der Angeklagte rutscht auf seinem Stuhl etwas nach vorne. «Ich hatte ja im Sinn, die Motorradprüfung noch abzulegen. Und da ich schon einmal die Kawasaki von meinem Bruder ausleihen konnte, wollte ich das nutzen, um etwas Übung zu bekommen. Etwas sicherer werden.» «Glauben Sie, dass Sie das Motorrad im Griff hatten?», fragt die Richterin. Der Angeklagte zögert. «Relativ...»

Nach dem Vorfall im Juli wurde ihm sein Führerausweis auf Probe für unbestimmte Zeit entzogen. Auto- oder Motorradfahren ist für ihn vorerst nicht möglich. Ob ihn das schmerze, fragt die Richterin. Natürlich, sagt er, aber «wenn das nicht passiert wäre, vielleicht wäre ich dann später auf einem Pass von der Strasse abgekommen».

Harte Strafen für Raser

Das Winterthurer Bezirksgericht verurteilte den Angeklagten zu 14 Monaten bedingter Freiheitsstrafe mit zwei Jahren Bewährung. Zusätzlich muss er alle Gerichtskosten tragen. Er habe sein Fahrzeug offensichtlich nicht unter Kontrolle gehabt, wer so schnell fahre, gefährde andere, sagte die Richterin zum Schluss. Deswegen würden solche Raservergehen auch vergleichsweise hart bestraft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Landbote)

Erstellt: 20.02.2019, 16:28 Uhr

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