Seuzach

Lernlandschaften beunruhigen Nachbarn

Statt in Pavillons soll die neue Schulform der Lernlandschaften künftig einen festen Platz in der Anlage der Sekundarschule Seuzach erhalten. Die Frage, wo das sein könnte, bewegt die Nachbarn, wie ein Austausch der Schulpflege mit Anstössern zeigte.

Blick auf Trakt 4 (vorne links) und Trakt 3, wo ein Anbau der Lernlandschaften laut Machbarkeitsstudie möglich wäre. Die Häuser an der Heimensteinstrasse wären davon betroffen.

Blick auf Trakt 4 (vorne links) und Trakt 3, wo ein Anbau der Lernlandschaften laut Machbarkeitsstudie möglich wäre. Die Häuser an der Heimensteinstrasse wären davon betroffen. Bild: Marc Dahinden

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Noch sind die Lernlandschaften ein Pilotprojekt. Doch die Sekundarschulpflege hat entschieden, sie in den nächsten Jahren gestaffelt auf die ganze Schule auszuweiten respektive definitiv einzuführen. Dafür muss noch einiges getan werden. Konkret: Für das Schulmodell mit seinen individualisierten Arbeitsformen muss Raum geschaffen werden. Momentan stehen für die rund 100 Schülerinnen und Schüler, die am Pilotprojekt teilnehmen, zwei Pavillons auf dem Pausenplatz.

«Wir brauchen zusätzlichen Schulraum von rund drei mal 300 Quadratmetern mit möglichst direktem Zugang zu den je vier Schulzimmern der Schulanlage», sagte Schulpräsident Erich Jornot diese Woche an einer internen Veranstaltung, die dem Austausch mit Nachbarn diente.

Machbar sind laut Jornot ein Umbau von Trakt 1 und ein Anbau an den Trakt 3. «Das sind die mit Abstand besten Varianten», sagte der Schulpräsident, der sich dabei auf eine Machbarkeitsstudie von HFR Architekten, Hettlingen, bezog. Ein eigenständiger Neubau falle aus Kostengründen weg.

Architekt Werner Fritschi präsentierte den rund 40 Anwesenden die Ergebnisse der Studie. Er nannte drei Standorte, die im Sinne eines Vorprojektes weiterverfolgt würden: Erstens den Umbau von Trakt 1 und zweitens zwei Varianten zum Anbau an Trakt 3. Letzteres zur Überraschung von anwesenden Nachbarn. Sie habe bisher nur von einer Variante, dem grossen Anbau an Trakt 3, gewusst. «Mir fehlt die Transparenz», sagte die direkte Anstösserin Monika Sengör. Es sei noch nichts entschieden, sagte Jornot. «Wir haben Variante zwei zunächst ausgeschlossen, weil sie teurer ist und weil wir den Abbruch des vor wenigen Jahren renovierten Chemiezimmers scheuten.» Als man aber realisiert habe, dass die Laboreinrichtungen nicht verloren gingen, sei diese Variante wieder mit einbezogen worden.

«Alternative ist luftiger»

Die neu ins Spiel gebrachte Alternative sieht anstelle eines grossen trapezförmigen Anbaus an Trakt 3 einen rechteckigen Zusammenschluss von Trakt 3 mit Trakt 4 vor. «Dieser ist luftiger und der Grenzabstand mit 17,35 Metern mehr als doppelt so gross», sagte Fritschi. Die Anstösser seien so freier gestellt. Ein weiterer Vorteil sei auch die Indoor-Verbindung, die entstehen würde. Ihr gefalle diese Variante architektonisch viel besser, meinte eine Zuhörerin.

Fritschi, der über Erfahrung im Bereich der Schulraumplanung verfügt und diese im Halden schon seit langem mitgestaltet, räumte ein, dass das direkt angrenzende Einfamilienhaus neben der Trapez-Variante versinke. Zu diesem baulichen Konflikt komme es, weil hier die Zone öffentlicher Bauten und die Kernzone aufeinander treffen würden. Der bauliche Kontext müsse aber berücksichtigt werden, sagte der Architekt. Schulraumplanung ist sehr schwierig, es entstehen ständig neue Bedürfnisse.» Den berühmten Masterplan gebe es nicht. «Es ist ein Prozess», sagte der Architekt.

Nun erfolgt die Detailplanung der Varianten. Am 25. März soll die vorbereitende Schulgemeindeversammlung zum Baukredit stattfinden, der laut Jornot auf sechs bis sieben Millionen Franken geschätzt wird. Die Abstimmung an der Urne ist im November geplant.

Erstellt: 17.01.2020, 19:22 Uhr

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Wie viele Sekundarschulen bis heute im Kanton Zürich nach diesem Modell unterrichten, kann die Volksschulchefin nicht sagen. «Wir sind in die Wahl der Lernformen und Methoden in den Gemeinden nicht involviert und es gibt dazu auch keine zentrale Erfassung.» Lernlandschaften müssten dem Volksschulamt nicht gemeldet werden. Grund dafür ist die Methodenfreiheit, gemäss der jede Lehrperson das Recht habe, im Rahmen des Lehrplans, der obligatorischen Lehrmittel, des Schulprogramms und der Beschlüsse der Schulkonferenz den Unterricht frei zu gestalten. Das Volksschulamt greife in keiner Weise in die freie Methodenwahl ein.

Die Sekundarschule Wädenswil war eine der ersten Schulen, die vor rund zehn Jahren damit begann, Lernlandschaften einzurichten. Sie erhielt dafür 2013 den Schweizer Schulpreis, der besonders innovative Schulmodelle auszeichnet. (dt)

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